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FRIEDENSAPPELL

Zu Anfang dieses Jahrtausends, das Zeichen der Hoffnung, doch gleichzeitig auch Zeichen der Angst erkennen lässt, haben wir uns als Männer und Frauen verschiedener Religionen aus allen Teilen der Welt in Aachen versammelt, um von Gott die große Gabe des Friedens zu erbitten. Es ist der Frieden, den sich die Menschheit allzu oft nicht geben kann.

Hier, im Herzen Europas, haben wir die Hoffnungen der Welt auf Frieden und Gerechtigkeit in den Blick genommen. Wir haben uns nach unserer Verantwortung gefragt. Wir sind dem Schmerz des Südens der Welt begegnet, dem Schmerz der vergessenen Kriege, der Opfer des Terrors und der Angst, die Gewalt hervorruft. Wir wurden mit dem Leid eines Planeten konfrontiert, der durch Ausbeutung ausgeplündert und verwundet wird und damit allem, auch einer gemeinsamen Zukunft, beraubt wird. Die Fragen der Gefangenen sind zu uns gedrungen, die Fragen derer, die von Kindheit an nur Gewalt und nie endende Kriege erlebt haben. Wir haben die ganze Härte des Pessimismus verspürt, der dieses neue Jahrhundert tief durchdringt. Die Stimmen und bisweilen stummen Klagen von Millionen von Armen sind zu uns gedrungen, die ohne medizinische Versorgung, ohne Sicherheit und ohne Freiheit, ohne Land, ohne Wasser und ohne Menschenrechte leben müssen.

Durch meine Unterzeichnung möchte ich den Friedensappell,
 vorgestellt am Internationalen Treffen
Menschen und Religionen - Aachen 7.-9. September 2003,
unterstützen

 

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Wir haben uns auch mit unseren religiösen Traditionen und den heiligen Büchern beschäftigt und auf Gott gehört. Gott spricht von Frieden. Wir haben meditiert und gebetet. Wir haben das Bedürfnis verspürt, selbst besser zu werden und in uns den Frieden zu verwirklichen. Für die Gläubigen ist der Friede nicht nur ein Auftrag in der Welt, sondern auch eine Gabe, die im eigenen Herzen gesucht werden muss.

Der Friede ist tief in unseren Traditionen verwurzelt. Der Friede ist ein Name Gottes. Wir haben versucht, nicht nur auf unser eigenes Leid zu schauen, sondern auch auf das Leid der anderen. Und deshalb entscheiden wir uns heute mit Nachdruck von neuem für den schwierigen Weg des Dialogs in einer Welt, die eher den Konflikt zu suchen scheint.

Der Dialog führt zum Frieden. Er ist eine Kunst, die uns herausreißt aus einem kurzsichtigen Pessimismus, demzufolge man angeblich nicht miteinander leben kann und erlittenes Unrecht für immer zum Hass verurteilt. Der Dialog ist der Weg, der die Welt vom Krieg befreien kann.

Wir haben neu entdeckt, dass wir auf den Dialog stolz sein können. Der Dialog ist eine Kunst, die es zu pflegen gilt, für die Religionen, die Kulturen und die Mächtigen der Welt. Für den Dialog entscheiden sich nicht die Ängstlichen, die, die Angst zu kämpfen haben. Der Dialog nimmt keinem etwas von seiner Identität. Er bewirkt, dass alle Männer und Frauen das Beste im anderen entdecken und stärker im Guten verwurzelt sind, das in ihnen ist. Der Dialog ist eine Medizin, die Wunden heilt. Er macht uns offen für das einzig mögliche Schicksal der Völker und Religionen - auf dieser Erde zusammenzuleben, die es zu schützen gilt und die wir den nachfolgenden Generationen lebenswerter als heute hinterlassen müssen.

Allen, die den Kampf der Kulturen für unvermeidbar halten, sagen wir: Macht euch frei von dem bedrückenden Pessimismus, der eine Welt voll Mauern und Feinden schafft, in der man nicht in Sicherheit und Frieden leben kann! Die Kunst des Dialogs entzieht mit der Zeit der Logik des Terrors jede Grundlage, sie entzieht der Ungerechtigkeit, die Ressentiments und Gewalt verursacht, den Boden.

Allen, die meinen, im Namen Gottes hassen und Krieg führen zu können, das Leben anderer zu demütigen und auslöschen zu können, sagen wir: Der Name Gottes ist Frieden. Niemals können die Religionen Hass und Gewalt rechtfertigen. Der Fundamentalismus ist die Kinderkrankheit aller Religionen und Kulturen. Er führt dazu, dass Menschen in Feindbildern gefangen sind, er schafft Trennungen und schätzt die Gewalt höher ein als den Krieg.

Zu denen, die immer noch töten, Terrorismus säen und im Namen Gottes Krieg führen, sagen wir noch einmal: "Haltet ein! Tötet nicht! Die Gewalt ist eine Niederlage für alle! Lasst uns miteinander sprechen, und Gott wird uns erleuchten".

In diesen Tagen in Aachen spüren wir, dass wir ein Europa brauchen, das sich mehr dem Geist zu öffnen vermag. Wir brauchen ein Europa, das fähig ist, gemeinsam mit dem Süden der Welt zu leben, und das für eine Demokratie steht, die die Menschenwürde achtet und damit einen entscheidenden Beitrag für das Dritte Jahrtausend leistet.

In Aachen haben wir zu Gott inständig und einträchtig für den Frieden gebetet. Möge Gott allen Männern und Frauen und allen Regierenden die weitsichtige und realistische Geduld des Dialogs schenken. Möge Gott alle von der Illusion befreien, dass der Krieg eine reinigende Wirkung besitzt. Gott ist stärker als alle, die den Krieg wollen, die Hass verbreiten und Gewalt anwenden.

Möge Gott unserem Jahrhundert endlich das Wunder des Friedens schenken!

Aachen, 9. September 2003