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Männer und Frauen verschiedener Religionen aus sechzig Ländern der Welt haben sich in Mailand versammelt und für die große Gabe des Friedens gebetet; wir sind in die Tiefen unserer religiösen Traditionen hinabgestiegen und haben voll Mitleid auf die Wunden unserer Welt, der Völker und der Kleinen geschaut. Wir haben das Gebet vieler gehört, die eine Globalisierung der Solidarität erbitten und dazu auffordern, besonders für die Kinder und die alten Menschen, für Europa, Afrika, den Nahen Osten, Amerika, Asien und alle Kontinente zu arbeiten, damit man in Zukunft besser leben kann. Wir haben die Gebete der Menschen gehört, die nicht durch AIDS, Hunger, Durst, Krieg oder Terrorismus sterben wollen. Wir haben gebetet und von Neuem die unersetzliche Kraft des Gebetes entdeckt.
Unsere Welt scheint vergessen zu haben, dass das menschliche Leben heilig ist. Doch Gott ist bei allen Opfern der Gewalt und will, dass die Gewalt beseitigt wird, die das Herzen erfasst und das Handeln bestimmt. Gott hat Mitleid mit den Menschen, die im Krieg leben müssen und die verzweifelt sind. Gott selbst zeigt heute einen neuen Weg, den wir mutig gehen sollen.
Der Name Gottes ist Frieden. Wer den heiligen Namen Gottes gebraucht, um Krieg und Terrorismus zu befürworten, verflucht damit auch die Sache, für die er kämpft, und entfernt sich von Gott.
Gebet, Zuhören und Dialog haben uns auch in diesen für die Welt schmerzvollen Tagen gelehrt, nicht auf Resignation und Angst zu schauen, die heute im Herzen vieler vorhanden sind, sondern darüber hinauszugehen.
In der Tiefe unserer religiösen Traditionen haben wir noch mehr verstanden, dass die Menschheit durch Angst, Terrorismus und Krieg in Gefahr ist, sich selbst zu vernichten. Auf diese Weise begibt sich der Mensch in die Hände des Bösen, das er bekämpfen möchte.
Wer Gewalt übt, macht die eigene Sache unglaubwürdig. Wer meint, dass nur größere Gewalt eine Antwort auf erlittenes Unrecht ist, bemerkt nicht, dass er Berge von Hass mit aufbaut, die noch die Generationen unserer Kinder belasten werden. Eine Welt ohne Krieg und ohne Terror ist möglich.
Heute wird der Mut zu einer neuen Menschlichkeit benötigt, um die Angst zu beherrschen und schon jetzt eine Welt aufzubauen, die wir alle brauchen. Dieser Mut wird durch den Glauben genährt; der Glaube begründet die Heiligkeit des menschlichen Lebens und bindet den Menschen an eine Welt, in der die anderen existieren. Daher sind wir davon überzeugt, dass der Dialog fortgesetzt werden muss. Der Dialog ist ein Weg, der der Welt eine Zukunft schenkt, denn durch ihn kann man zusammenleben. Der Dialog macht nicht schutzlos: er beschützt. Er drängt alle dazu, im anderen das Beste zu sehen und im Besten von sich selbst verwurzelt zu sein. Der Dialog verwandelt den Fremden in einen Freund und befreit vom Dämon der Gewalt. Der Dialog ist die Kunst der Mutigen, der die Wunden der Trennungen heilt und unser Leben tief erneuert.
Die Gewalt ist eine Niederlage für alle. Die Kunst des Dialogs macht mit der Zeit die Motivationen für den Terror nichtig und verringert die Ungerechtigkeiten, die Wut und Gewalt hervorrufen.
In Mailand fordern wir insbesondere uns selbst und dann alle Männer und Frauen guten Willens auf, den Mut zu einer neuen Menschlichkeit zu leben, die auf die jeweiligen religiösen Überzeugungen gegründet ist. Darin sehen wir den einzigen Weg, um eine Welt in Frieden aufzubauen.
Möge Gott unserer Zeit endlich die wunderbare Gabe des Friedens schenken.
Mailand, 7. September 2004
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