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Männer und Frauen verschiedener Religionen sind in der alten Stadt Lyon zusammen gekommen, um zu beten, Dialog zu führen und Menschlichkeit und Frieden aufzubauen. Wir gedenken in Ehrerbietung Johannes Pauls II., der ein Meister des Dialogs und unermüdlicher Zeuge für die Heiligkeit des Friedens war. Wir sind davon überzeugt, dass diese Welt ohne Frieden unmenschlich wird. Wir haben auf den Schrei vieler gehört, die unter Krieg und Terrorismus leiden. Wir haben intensiv über unsere religiösen Traditionen nachgedacht und lesen in ihnen eine Friedensbotschaft. Wir haben für den Frieden auf der Welt gebetet.
Im Namen des Friedens wenden wir uns an unsere Schwestern und Brüder im Glauben, an die Männer und Frauen guten Willens, an alle, die noch davon überzeugt sind, dass die Gewalt die Welt verbessern könne. Und wir sagen: Der Einsatz der Gewalt muss endlich aufhören! Das menschliche Leben ist heilig. Die Gewalt erniedrigt die Menschen und diskreditiert das Anliegen derer, die sie anwenden. Die Welt ist es leid, in Angst zu leben. Die Religionen wollen keine Gewalt, keinen Krieg und keinen Terrorismus. Das sagen wir mit aller Deutlichkeit zu allen Menschen!
Wir beklagen die Zerstörung der heiligen Stätten der einen oder anderen Gemeinschaft, Moscheen, Kirchen, Synagogen, Tempel. Die Symbole des Glaubens der anderen dürfen nicht zerstört werden, denn sie erinnern alle daran, dass der Name Gottes heilig ist und nicht unter der Verfügung der Menschen steht. Wie wir die Achtung des menschlichen Lebens fordern, fordern wir auch die Achtung vor den heiligen Stätten des spirituellen Lebens.
Der Friede ist der Name Gottes. Gott will nicht, dass die Menschen einander umbringen. Gott hat Mitleid mit allen, die von Gewalt, Terrorismus und Krieg getroffen werden und leiden. Wer den Namen Gottes benutzt, um eigene Interessen durchzusetzen oder Gewalt zu legitimieren, demütigt die Religion. Ein Krieg kann niemals heilig sein. Man macht die Menschheit durch Gewalt und Terror nicht besser.
Die Religionen lehren, dass der Friede im Herzen entscheidend ist. Gott schenkt diesen Frieden denen, die an ihn glauben. Unsere feste Hoffnung besteht darin, dass sich der Friede, der eine Gabe Gottes ist, auf alle Männer und Frauen ausbreite, alle Völker der Erde erreiche, den Händen der Gewalttäter Einhalt gebiete und die Pläne des Terrors zunichte mache. Dafür haben wir in Lyon gebetet.
Wir haben auch wahrgenommen, dass die Welt voller Leid ist: die Menschheit ist noch weit davon entfernt, die Milleniumsziele zu erreichen, die sie sich gesetzt hat, wie die Bekämpfung der Armut, das Recht auf medizinische Behandlung, Erziehung und Wasser, die Sicherheit des Lebens, die Beseitigung des Hungers. Das ist sehr schwerwiegend! Unsere Welt ist immer noch von verzweifelter Armut gekennzeichnet. Diese schmerzhafte Feststellung führen wir mit großer Sorge den politischen Verantwortungsträgern vor Augen. Wir machen uns die Verzweiflung und Not von Millionen von Armen der Erde zueigen. Wir fordern eine intensivere Konzentration von Energien und Mitteln, um die Welt des 21. Jahrhunderts menschlicher und weniger arm zu machen.
Der Friede macht eine bessere Welt möglich. Der Weg des Friedens ist der Dialog. Der Dialog macht die Verteidigung gegen die anderen nicht schwächer, sondern er ist ein Schutz; er verwandelt den Fremden in einen Freund; er macht den gemeinsamen Einsatz im Kampf gegen die Armut und jedes Übel möglich.
In Lyon haben wir einen offenen Dialog gelebt, der vom religiösen Geist des Gebetes erleuchtet wurde. Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften haben mit Persönlichkeiten, die sich in unserer Zeit für Menschlichkeit einsetzen, einen Dialog geführt. Die tiefgreifenden Unterschiede zwischen Religionen und Kulturen sind dabei deutlich geworden. Trotz der Globalisierung ist die Welt nicht in allem gleich geworden. Doch es wurde sehr deutlich, dass es nur ein gemeinsames Schicksal gibt. Es ist Zeit, mit Mut für eine Menschlichkeit zusammen zu arbeiten, die den Frieden unter den Völkern und Individuen aufbauen kann. Das Ziel besteht nicht darin, dass sich der eine oder der andere durchsetzt, sondern eine Kultur des Zusammenlebens zu schaffen. Die Kunst des Dialogs ist der geduldige Weg, um diese Kultur des Zusammenlebens aufzubauen.
Möge Gott der Welt und allen Männern und Frauen das wunderbare Geschenk des Friedens gewähren!
Lyon,
13. September 2005
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