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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Gedenken an die heilige Klara von Assisi (1193–1253). Sie folgte dem heiligen Franziskus auf dem Weg der Armut und der Einfachheit des Evangeliums.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ich bin der gute Hirte,
meine Schafe hören auf meine Stimme,
und sie werden
eine einzige Herde sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 18,21-35; 19,1

Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muß ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?

Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloß, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen.

Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.

Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.

Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.

Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.

Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!

Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.

Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.

Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.

Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.

Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander!

Halleluja, halleluja, halleluja.

Petrus ist bereit, erlittenes Unrecht zu ertragen, und sogar mehr als gefordert ist. Siebenmal – das will sagen, dass man vollständig und großmütig verzeiht. Er ist überzeugt, dass er damit vorbildlich ist. Doch die Antwort Jesu übersteigt jedes Maß. Die Vergebung ist grenzenlos wie die Liebe. Er verpflichtet Petrus, siebenundsiebzigmal und damit immer zu vergeben. Es reicht nicht, dass man hochherzig ist. Auch die Hochherzigkeit muss grenzenlos sein. Jesus erzählt ein Gleichnis, das der Logik der Berechnung und der Rache die Logik der grenzenlosen Liebe und Vergebung entgegenstellt. Das Evangelium macht die Überzeugung deutlich, dass nur dadurch der Mechanismus ausgehebelt wird, der ständig Sünde, Spaltung und Rache unter den Menschen hervorruft. Die perverse Macht des Bösen, des Hasses und des Krieges umgarnt nicht nur die Gewalttätigen, sie macht auch diejenigen gewalttätig, die sie erfasst. Sie hält sie gefangen in einer Logik, der man auch nicht mit einer großzügigen Vergebung entkommt, wie mit der siebenmaligen des Petrus. Als Jesus die Verblüffung des Petrus bemerkt, erzählt er von einem König, der mit seinen Dienern Abrechnung hält. Einer von ihnen hat eine riesige Schuld: zehntausend Talente. Der Diener macht ein Versprechen, das er niemals einhalten kann. Wir alle vergeuden Güter, die uns nicht gehören. Daher sind wir Schuldner wie jener Diener und haben gegenüber dem Herrn eine riesige Schuld angehäuft. Auf welche Weise? Vor allem, indem wir uns als Herren dessen ansehen, was uns nur anvertraut ist. Eine weitere Ursache ist unsere unreife und leichtfertige Offenheit für Risiken, mit der wir am Ende keiner Sache mehr einen Wert beimessen. Oder wir leben im Rausch des Überflusses, in dem wir die Dinge wie eine Droge konsumieren und zu Sklaven der Sucht nach Befriedigungen werden. Jesus erinnert uns daran, dass wir alle Schuldner sind und nur das Mitleid des Herrn die Schuld tilgen kann. Wenn wir uns dieses Bewusstsein persönlich zu eigen machen, können wir auch anderen Barmherzigkeit erweisen. Wenn wir jedoch wieder zu Gefangenen derselben Mentalität werden, die zur Anhäufung einer riesigen Schuld führt, dann blicken wir mit Härte auf andere, die um etwas bitten. Wir sind schnell bereit, uns selbst zu entschuldigen und sind fordernd und unflexibel gegenüber den Anfragen der anderen. Das Urteil über den Diener im Evangelium ist äußerst hart. Aber die Wahrheit ist, er selbst hat sich von der Barmherzigkeit ausgeschlossen.


11/08/2011
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