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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Gedenken an Unsere Liebe Frau von Guadalupe in Mexiko.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Hohelied 6,1-3

Wohin ist dein Geliebter gegangen, du schönste der Frauen? Wohin wandte sich dein Geliebter? Wir wollen ihn suchen mit dir.

In seinen Garten ging mein Geliebter zu den Balsambeeten, um in den Gartengründen zu weiden, um Lilien zu pflücken.

Meinem Geliebten gehöre ich, und mir gehört der Geliebte, der in den Lilien weidet.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Kaum hat die Verliebte ihr Lied über den Geliebten beendet, da fragt sie der Chor: „Wohin ist dein Geliebter gegangen ...? Wir wollen ihn suchen mit dir.“ Sofort antwortet die Liebende: Er ist bei ihr. Sie haben sich gefunden und nun begibt er sich in „seinen“ Garten, nämlich in die Arme seiner Geliebten. Wie schon oben symbolisiert der Garten auch hier die Geliebte. Die lange Suche ist zum Abschluss gekommen. Dabei wird vom Autor nicht beschrieben, auf welche Weise die beiden sich wieder fanden, vielmehr genügt der Hinweis auf die Umarmung. Der Geliebte kommt herab, „um in den Gartengründen zu weiden, um Lilien zu pflücken“, sich also an der Liebe und ihren Früchten zu nähren. Hier wird die innige Beziehung zwischen dem Bräutigam und der Braut sichtbar, eine tiefe Einheit des Lebens, der Ziele, der Leidenschaften und des Schicksals – jene Einheit zwischen dem Herrn und Israel sowie zwischen Jesus und der Kirche. Sie wird mit folgenden Worten bekräftigt: „Meinem Geliebten gehöre ich und mir gehört der Geliebte.“ Stand am Anfang des Abschnittes die Frage der „Töchter Jerusalems“ mit ihrer mehrdeutigen Implikation, ist die Einzigartigkeit der Beziehung hier offensichtlich. Zum zweiten Mal im Hohenlied macht sich die Geliebte das Versprechen zu eigen, das der Herr seinem Volk gegeben hat: „Der Herr wird mein Gott sein und ich werde sein Volk sein.“ Der Prophet Jeremia schreibt: „Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn –, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde ... Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein“ (Jer 31,31.32). Sowohl Israel als auch die Kirche übernehmen die Worte der Braut. Hierin liegt das Geheimnis des Bandes, das diese beiden religiösen Traditionen zusammenhält. Die Einheit zwischen Israel und der Kirche besteht in der Ausschließlichkeit der Liebe zu Gott. Der Herr und Israel sowie Christus und die Kirche sind aneinander gebunden und keine der beiden Größen kann ohne die andere existieren. Gregor von Nyssa erklärt dazu: „Der gereinigten Seele wird gewährt, nichts in sich zu haben als Gott.“ Die beiden Liebenden „können“ nicht ohne den anderen leben. Wenn der Herr seine Herde zur Weide führen möchte, wird er sie zu den Lilien bringen, die sein Volk bedeuten. Wenn das Judentum oder die Kirche existieren wollen, werden sie keinen anderen als den Herrn auf ihren Weiden zulassen. Ja, Israel und die Kirche können beide ausschließlich in der Weise bestehen, in der sie die Besonderheit und die Ausschließlichkeit des Bundes mit dem Herrn anerkennen und bekennen.


13/12/2011
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