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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch der Sprichwörter 1,1-7

Sprichwörter Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel:

um Weisheit zu lernen und Zucht, um kundige Rede zu verstehen,

um Zucht und Verständnis zu erlangen, Gerechtigkeit, Rechtssinn und Redlichkeit,

um Unerfahrenen Klugheit zu verleihen, der Jugend Kenntnis und Umsicht.

Der Weise höre und vermehre sein Wissen, der Verständige lerne kluge Führung,

um Sinnspruch und Gleichnis zu verstehen, die Worte und Rätsel der Weisen.

Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis, nur Toren verachten Weisheit und Zucht.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wir stehen am Anfang dieses Buches, in dem die Weisheitslehre mehrerer Jahrhunderte gesammelt ist. Es wird Salomo zugeschrieben, wie auch das Hohelied und das Buch der Weisheit, weil Salomo der Weise schlechthin ist. Das heißt, er versteht es, die Gesetze zu erklären, die das Weltall und das menschliche Leben ordnen, wie es uns das erste Buch der Könige (5,9-14) in erweiterter Form berichtet. Der Sinngehalt der Betrachtung, der sich durch das gesamte Buch zieht, könnte wohl im letzten Vers enthalten sein: "Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis, nur Toren verachten Weisheit und Zucht." Der Verfasser stellt die Betrachtung über die Weisheit unter die Autorität der 'Gottesfurcht'. 'Furcht' bedeutet nicht Angst, sondern Anerkennung der Abhängigkeit des Menschen von Gott, von dem alle Weisheit kommt, die man jedoch nicht automatisch oder als Erbe erwirbt, sondern durch Unterweisung. Die Aufgabe des Weisen besteht in der Fähigkeit, die Geheimnisse der Natur und des Lebens zu ergründen, um den vom Herrn erteilten Auftrag zu erkennen und dem Menschen zu ermöglichen, diesem gerecht zu werden: "Der Weise höre und vermehre sein Wissen, der Verständige lerne kluge Führung, um Sinnspruch und Gleichnis zu verstehen." Der Weise nimmt die Mühe des Strebens nach Weisheit auf sich, die nicht ein für alle Mal erworben wird. In diesem Sinne gibt es einen laizistischen Bezug in den Weisheitslehren: Sie setzen großes Vertrauen in die Fähigkeit des Menschen, die das Universum ordnenden Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Gerade in den ersten Versen wird auf der Notwenigkeit bestanden, sich um Verstehen zu bemühen: Erkennen, Verstehen, Erwerben von Weisheit, Belehren und Wissen vermitteln. Jeder, der dieses Buch zu lesen beginnt, soll die genannten Fertigkeiten erwerben. Der Glaube ist nicht nur einfach Zustimmung zu bestimmten Wahrheiten, sondern fordert von jedem den Einsatz, an Einsicht zu wachsen. Nur so wird er zur Lebenskultur. Im Grunde zielt der Weise im Buch der Sprichwörter darauf, dass wir uns in dem ständigen Bemühen versuchen, Wissen und Erkennen zu vermehren. Dann kann unser Glaube zum Fortschritt und zur kulturellen Entwicklung beitragen. Die Suche nach Weisheit lässt die Freiheit erkennen, die Gott dem Menschen gelassen hat, damit dieser das gesamte Universum erkunde und auf diese Weise Orientierung finde - ein Prozess, der nie abgeschlossen ist.


09/01/2012
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