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Das tägliche Gebet


 
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Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr seid ein auserwählter Stamm,
ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk,
ein Volk, das Gott erworben hat,
um seine Wunder zu verkünden.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der erste Brief an die Thessalonicher 2,1-16

Ihr wißt selbst, Brüder, daß wir nicht vergebens zu euch gekommen sind.

Wir hatten vorher in Philippi viel zu leiden und wurden mißhandelt, wie ihr wißt; dennoch haben wir im Vertrauen auf unseren Gott das Evangelium Gottes trotz harter Kämpfe freimütig und furchtlos bei euch verkündet.

Denn wir predigen nicht, um euch irrezuführen, in schmutziger Weise auszunutzen oder zu betrügen,

sondern wir tun es, weil Gott uns geprüft und uns das Evangelium anvertraut hat, nicht also um den Menschen, sondern um Gott zu gefallen, der unsere Herzen prüft.

Nie haben wir mit unseren Worten zu schmeicheln versucht, das wißt ihr, und nie haben wir aus versteckter Habgier gehandelt, dafür ist Gott Zeuge.

Wir haben auch keine Ehre bei den Menschen gesucht, weder bei euch noch bei anderen,

obwohl wir als Apostel Christi unser Ansehen hätten geltend machen können. Im Gegenteil, wir sind euch freundlich begegnet: Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt,

so waren wir euch zugetan und wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem eigenen Leben; denn ihr wart uns sehr lieb geworden.

Ihr erinnert euch, Brüder, wie wir uns gemüht und geplagt haben. Bei Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen, und haben euch so das Evangelium Gottes verkündet.

Ihr seid Zeugen, und auch Gott ist Zeuge, wie gottgefällig, gerecht und untadelig wir uns euch, den Gläubigen, gegenüber verhalten haben.

Ihr wißt auch, daß wir, wie ein Vater seine Kinder, jeden einzelnen von euch

ermahnt, ermutigt und beschworen haben zu leben, wie es Gottes würdig ist, der euch zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit beruft.

Darum danken wir Gott unablässig dafür, daß ihr das Wort Gottes, das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern - was es in Wahrheit ist - als Gottes Wort angenommen habt; und jetzt ist es in euch, den Gläubigen, wirksam.

Denn, Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa gleich geworden, die sich zu Christus Jesus bekennen. Ihr habt von euren Mitbürgern das gleiche erlitten wie jene von den Juden.

Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie mißfallen Gott und sind Feinde aller Menschen;

sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr werdet heilig sein,
weil ich heilig bin, spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Paulus erinnert an das erfreuliche Ergebnis des Wirkens Gottes in Thessalonich, zumal er dorthin gekommen war, gleich nachdem er in Philippi traurige Erfahrungen gemacht hatte: Dort war er mit Silvanus gegeißelt, in den Kerker geworfen und schließlich gezwungen worden, die Stadt zu verlassen. Die Wunden, die er sich dort zugezogen hatte, waren für die Thessalonicher vielleicht noch sichtbar gewesen. Trotz allem ist Paulus weder entmutigt noch niedergeschlagen. Seine Kraft besteht in der Verbindung mit Gott, wie er den Korinthern schreibt: "Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden" (2Kor 1,4). Die Verbundenheit mit Gott schafft Freiheit und Zuversicht im Hinblick auf die Verkündigung des Evangeliums. Mit Bestimmtheit erklärt der Apostel, dass seine Verkündigung aufrichtig und ehrlich ist und frei von jeglichem persönlichen Interesse, da er diesen Auftrag von Gott selbst bekommen hat. Ihm allein ist er verantwortlich. Infolgedessen muss er Gott gefallen und nicht den Menschen, wie er an die Galater schreibt: "Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi" (Gal 1,10). Aus diesem Grunde sucht er nicht die Sympathie der Menschen. Er predigt die Wahrheit Gottes, "ob man es hören will oder nicht" (2Tim 4,2). Paulus weiß, dass er sowohl Ehrgeiz als auch Habgier von sich fernhalten muss. Als Apostel hätte er auf seiner Autorität beharren und gar Respekt und Ehre einfordern können. Stattdessen hat er jedoch den Weg der Sanftmut, der uneigennützigen Hingabe seiner selbst für die anderen vorgezogen. Er hat sich wie eine Mutter verhalten, die ihrem Kind nicht nur Milch, sondern ihre ganze Liebe schenkt. An die Galater schreibt er, dass er "Geburtswehen" erleide für seine Kinder, "bis Christus in euch Gestalt annimmt" (Gal 4,19). Während er so an die Anfänge der Gemeinde in Thessalonich zurückdenkt, geht Paulus, beinahe ohne es zu bemerken, von der Gründung zu den Erinnerungen an das Leben der ersten Monate über. Dies war eine Zeit des Aufbaus in geduldiger pastoraler Arbeit - auch nachts. Für gewöhnlich konnte er die apostolische Tätigkeit erst spätabends beginnen, da er tagsüber mit eigenen Händen für seinen Lebensunterhalt aufkam - wie dann auch in Korinth. "Silber, Gold oder Kleider habe ich von keinem verlangt", wird er später sagen können (Apg 20,33). Jeglichem Verdacht, dass er Habgier oder persönliche Interessen hegen würde, wollte er die Grundlage entziehen, um seine Predigt glaubwürdig zu machen. Er wollte nicht, dass andere für seinen Unterhalt sorgten, auch wenn ihm dies Zeit und Kraft für das wahre und eigentliche pastorale Wirken gespart hätte. Doch diese Freiheit verstärkte seine väterliche Autorität. Deshalb vermag er wirkungsvoll zurechtzuweisen, zu ermahnen, zu ermutigen und zu beschwören, auf dass die Thessalonicher "Gottes würdig" seien und dadurch auch würdig, an seinem Reich teilzuhaben.


30/05/2012
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