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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ich bin der gute Hirte,
meine Schafe hören auf meine Stimme,
und sie werden
eine einzige Herde sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Brief an die Hebräer 5,11-14

Darüber hätten wir noch viel zu sagen; es ist aber schwer verständlich zu machen, da ihr schwerhörig geworden seid.

Denn obwohl ihr der Zeit nach schon Lehrer sein müßtet, braucht ihr von neuem einen, der euch die Anfangsgründe der Lehre von der Offenbarung Gottes beibringt; Milch habt ihr nötig, nicht feste Speise.

Denn jeder, der noch mit Milch genährt wird, ist unfähig, richtiges Reden zu verstehen; er ist ja ein unmündiges Kind;

feste Speise aber ist für Erwachsene, deren Sinne durch Gewöhnung geübt sind, Gut und Böse zu unterscheiden.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander!

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Verfasser des Briefes hat Jesus als Priester nach der Ordnung Melchisedeks bezeichnet. Bevor er nun erklärt, was dieser geheimnis-volle Titel bedeutet, fordert er die Leser zum aufmerksamen Hören auf seine Worte auf, damit sie diese verstehen. Auch für uns ist diese Mahnung hilfreich, denn wir sind häufig zerstreut und nur wenig bereit, aufmerksam statt oberflächlich zuzuhören. Wir lassen uns leicht von der Gewohnheit bestimmen, nehmen uns wenig Zeit, hören nicht zu und denken nicht nach. Wir lassen uns vom Alltag beherrschen und kreisen um uns. Diese schlechte Gewohnheit hat auch Auswirkungen auf das Leben der Kirche. Wir wissen aber, dass es keinen Glauben ohne das Hören gibt, wie Paulus sagt. Natürlich geht es dabei nicht nur um ein äußerliches Hören auf das Wort Gottes. Man muss es mit inne-rer Anteilnahme aufnehmen und sich im Herzen vom Herrn betreffen lassen. Daher verurteilt der Verfasser die geringe Bereitschaft zum Hören und folglich zum Gehorsam gegenüber den Hinweisen des Geistes Gottes. Wenn er dann von den Lesern als unmündigen Kin-dern spricht, meint er nicht die Unmündigkeit, die im Evangelium er-wähnt wird, denn dort sind die Unmündigen bereit, ohne Widerstände unumwunden auf das Wort Gottes zu hören. Vielmehr denkt er an un-gehorsame Kinder, die ihren Launen unbedingt freien Lauf lassen. Das gilt auch für Erwachsene, wenn sie selbstsicher ihre Traditionen und Überzeugungen vertreten und sie anderen und sogar dem Herrn auf-zwingen wollen. Dann sind auch sie launische Kinder. Der Verfasser bezeichnet diesen Brief als Milch und nicht als feste Speise, weil er mit der Weisheit eines Seelsorgers wie eine fürsorgliche Mutter seine Kin-der geduldig und aufmerksam erziehen will, solange ihr Herz und ihr Geist noch keine feste und gediegene Speise vertragen. Man darf nicht vergessen, dass im Sinn des Evangeliums Reife nicht mit selbstzufrie-denem Stolz gleichzusetzen ist, sondern mit einem vertrauensvollen Hören auf den Herrn. Man kann nur feste Speise zu sich nehmen, wenn das Herz und der Geist bereit sind, sich vom Wort Gottes zu näh-ren.


06/06/2013
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