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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ich bin der gute Hirte,
meine Schafe hören auf meine Stimme,
und sie werden
eine einzige Herde sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Johannes 15,9-11

Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.

Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander!

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jesus setzt seine Rede an die Jünger beim Letzten Abendmahl fort und bekennt nun offen die Art seiner Liebe: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt.“ Er fühlt sich nicht herabgesetzt, wenn er sagt, dass seine Liebe zu den Jüngern die Frucht einer noch größeren Liebe ist – während wir im Allgemeinen so empfinden würden. Wir sind geblendet vom Bedürfnis, originell zu erscheinen und von niemandem abhängig zu sein und schämen uns deshalb zuzugeben, dass unser Glück von der Liebe eines anderen abhängt, der größer ist als wir selbst. So denkt ein jeder, dass alles, auch die Liebe, ihm gehören und von ihm ausgehen muss. Diese Kultur des Individualismus greift immer mehr um sich, und es besteht die Gefahr, dass unter ihrem Druck jede Kommunion zerbricht. Die Unabhängigkeit von den Mitmenschen führt nicht zur Liebe, sondern vielmehr in die Einsamkeit. Jesus zeigt hingegen, dass seine Liebe zu den Jüngern vom Vater ausgeht. In dieser Überzeugung fordert er die Jünger auf, als demütige Männer und Frauen an ihn gebunden zu bleiben, wie es die Weinreben an den Weinstock sind. Es muss uns bewusst werden, dass, wenn wir alleine sind, unsere Gefühle vertrocknen und unsere Arme schwach werden, sodass wir unfähig werden, uns um jemand anderen zu sorgen und ihm zu dienen, sondern nur noch um uns selbst kreisen. Es ist Zeichen dieser Demut, dass man sich über die Freude derer, die bei uns sind, freuen kann, und so fordert uns auch der Herr auf, uns mit ihm zu freuen. Genauso ist es Zeichen dieser Demut, dass man nicht glücklich sein kann, wenn einer unserer Nächsten bedürftig oder traurig ist, wenn er arm ist oder Schmerzen leidet. Jesus verheißt uns die Freude in Fülle, keine kleinen Freuden, keine vorübergehenden individuellen Befriedigungen. Wir werden diese Freude in Fülle empfangen, wenn wir es verstehen, dem Gebot der Liebe zu folgen, auf das der Herr den reichen Jüngling hinwies, als dieser nach dem Weg zum ewigen Leben fragte. „Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ (Mk 10,21). Die wahre Freude erfährt man nur, wenn man unentgeltlich und grenzenlos liebt, so wie Jesus uns geliebt hat.


22/05/2014
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