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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr seid ein auserwählter Stamm,
ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk,
ein Volk, das Gott erworben hat,
um seine Wunder zu verkünden.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 18,15-20

Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.

Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muß durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.

Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.

Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr werdet heilig sein,
weil ich heilig bin, spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Diese Stelle des Evangeliums weist uns darauf hin, dass Zurechtweisung und geschwisterliche Vergebung – beides zentrale Dimensionen im Leben der christlichen Gemeinschaft – großer Aufmerksamkeit und Sensibilität bedürfen. Es gibt nämlich eine Art, Dinge nicht zu sagen, die kein Zeichen von Respekt ist, sondern von Gleichgültigkeit. Jeder Gläubige hat die Pflicht, seinen Bruder zurechtzuweisen, wenn er Fehler macht, wie auch jeder das Recht hat, dass man ihm vergibt, wenn er Fehler gemacht hat. Leider leben wir aber in einer Gesellschaft, die das Gefühl für Vergebung verliert, weil sie schon längst das Bewusstsein dafür verloren hat, dass wir einander Liebe schulden. Aber um diese Liebe bittet uns der Herr. Das Wort Gottes stellt uns ganz und gar infrage, um eine Mentalität zu verändern, die immer trauriger und härter wird. In einer Welt wie unserer, in der die Menschen voneinander abhängen und gleichzeitig miteinander konkurrieren, ist es wichtig zu lernen, dass wir uns zu Sklaven der gegenseitigen Liebe machen müssen, um wirklich frei zu sein und eine lebenswerte Gesellschaft aufzubauen. Die Utopie von der umfassenden Achtung der Rechte eines jeden kann dann verwirklicht werden, wenn alle Menschen eine einzige unumstößliche Verpflichtung eingehen, nämlich das Recht des anderen zu achten, von uns geliebt zu werden. Dieses Recht ist eng verflochten mit dem Aufbau eines menschlichen Zusammenlebens, das vollkommen befreit ist von vielen äußeren und inneren Bedrohungen. Das deutlichste Bild für dieses Zusammenleben zeigt sich in der Einheit der Jünger, die gemeinsam beten. Ihnen sagt Jesus: „Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten“. Dies sind herausfordernde Worte, für Gott noch mehr als für uns. Denn die Eintracht unter den Jüngern beim gemeinsamen Bitten, worum auch immer sie beten, nimmt Gott in die Pflicht, die Bitte zu gewähren. Das ist der Sinn der Worte Jesu. Sie zeigen, dass die Eintracht im Gebet, die Übereinstimmung in einem einzigen Willen, eine unermessliche Kraft darstellt. Wenn unsere Gebete keine Erhörung finden, müssen wir über unsere Art zu beten nachdenken, die vielleicht von Grund auf durch Individualismus und Gleichgültigkeit in ihren verschiedenen Formen verdorben ist. Wie oft ist unser Gebet geprägt von Faulheit und Lieblosigkeit, was die Sorge um die Probleme und Ängste der ganzen Gemeinschaft und der Welt, die uns umgibt, anbelangt. Viele warten darauf, dass jemand ihnen durch das Gebet seine Liebe zeigt, aber niemand erfüllt ihnen diesen Wunsch. Mit spiritueller Weisheit sprach Johannes Paul II davon, dass sein Gebet mit der „Geografie“ verbunden ist, also mit den verschiedenen Orten und Situationen des Leidens, von denen er in den Zeitungen las, oder über die er informiert wurde. Auch wir können das Gleiche tun.


13/08/2014
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