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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Matthäus 19,16-22

Es kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muß ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist «der Gute». Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote!

Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen;

ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch?

Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.

Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Die Frage nach dem Weg zum ewigen Leben ist eine Frage von uns allen, die wir überwiegend Kinder einer reichen Welt sind oder jedenfalls an unseren Dingen hängen. Um gleichsam jedes Missverständnis auszuschließen, sagt Jesus sofort, dass Gott allein gut ist und nicht wir. Vielleicht will er dem Jüngling helfen zu verstehen, dass er wirklich den einzig Guten gefunden hat und dass alles Gute von Gott kommt. Der Jüngling erwidert dann, dass er die Gebote immer befolgt hat. Vielleicht spürt er eine Beunruhigung, aber er kann sich von den Regeln nicht trennen. Er versteht, dass sie nicht genügen, vielleicht sucht er andere oder will nur bestätigt werden. Aber in Wahrheit kann man das ewige Leben nicht durch eigene Verdienste erwerben, weil man es nicht kaufen kann und auch kein Anrecht darauf hat. Das ewige Leben bedeutet, sich vor allem anderen für Jesus zu entscheiden, vor der eigenen Person und den eigenen Reichtümern. Jesus fügt in seiner Antwort kein elftes Gebot hinzu, er sagt nur: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ Damit gibt Jesus ein hohes Ideal vor: „wenn du vollkommen sein willst“. Diese Empfehlung gilt nicht nur für einige wenige, für die Besseren oder die Mutigeren. Die Schule des Herrn sondert keinen Menschen aus. Den Weg der Vollkommenheit können alle gehen, denn er bezieht sich auf das Herz. Das Herz ist vollkommen, wenn es liebt und sich lieben lässt. Nur die Liebe lässt eine so radikale Entscheidung zu, wie sie der Händler trifft, der eine kostbare Perle findet, oder der Mann, der einen verborgenen Schatz auf dem Acker findet und voll Freude all seine Habe verkauft, um den Acker zu kaufen. Vollkommene Männer und Frauen sind nicht die, die keine Fehler machen. Wenn wir das denken, werden wir am Ende scheinheilig wie die Pharisäer. Der vollkommene Gläubige ist der, der wie ein Kind liebt, das sich jemandem anvertraut und sich gern haben lässt, wie die Kinder, die Jesus umarmt hat. Der vollkommene Gläubige ist der, der versucht, so sehr zu lieben wie er nur kann, mit seiner ganzen Person. Wenn man Gott mehr als alles anderen liebt, folgt daraus, dass man seinen Reichtum an die Armen verteilt. Der heilige Franziskus ist Beispiel eines vollkommenen Menschen: Er ist ein reicher Jüngling, der sich nicht schämt, dem leiblichen Vater alles zurückzugeben, um den himmlischen Vater zu lieben und dadurch alles zu besitzen, weil er an allem arm war. Das Himmelreich beginnt mit dieser franziskanischen Freude, die die Frucht einer vollkommenen Liebe zum Herrn und damit auch zu den Brüdern und Schwestern und zu den Armen ist.


18/08/2014
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