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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Gedenken an den heiligen Ägidius. Er war ein Mönch aus dem Osten, der in den Westen kam, in Frankreich lebte und Vater vieler Mönche wurde. Der Name der Gemeinschaft Sant’Egidio geht auf die ihm geweihte Kirche in Rom zurück. Gedenken an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und Gebet für das Ende aller Kriege. Für die orthodoxe Kirche beginnt das Kirchenjahr.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 4,16-30

So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,

reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:

Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze

und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Dann schloß er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?

Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!

Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.

Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.

Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.

Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.

Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.


Mit diesem Abschnitt des Evangeliums beginnt die fortlaufende Lektüre des Lukasevangeliums, die uns bis zum Ende des Kirchenjahrs begleiten wird. Darin wird die erste Episode aus dem apostoli-schen Leben Jesu erzählt. Lukas siedelt sie im Norden an, in einem Randgebiet Palästinas, in Naza-ret. Hier beginnt Jesus seine Predigt. Er zeigt sich am Sabbat in der Synagoge während des üblichen Gebetes, an dem die örtlichen religiösen Führer mit anderen frommen Menschen teilnehmen. Sicher war es nicht das erste Mal, dass Jesus an der Sabbatliturgie teilnahm. Der Evangelist erinnert daran, dass er „wie gewohnt“ in die Synagoge ging. Vielleicht war er auch andere Male aufgestanden, „um aus der Schrift vorzulesen“. Doch nun drückte er sich zum ersten Mal auf diese Art und Weise aus. Er nahm den Abschnitt des Propheten Jesaja, in dem von der Befreiung der Gefangenen gesprochen wird und davon, dass den Blinden das Augenlicht verkündet wird und den Armen eine gute Nach-richt gebracht wird. Das war die gute Nachricht, die Jesaja dem Volk Israel verkündete. Doch nach-dem er die Buchrolle geschlossen hatte, begann er seine erste Predigt mit einem Adverb: „heute“. Er sagte feierlich: „heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Die Reaktion der Zuhörer war eindeutig feindselig: „Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Ber-ges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.“ Wir können uns fragen, woher eine so starke Entrüstung kam, die diese religiösen Menschen zur Tötungsabsicht trieb. Hatte Jesus vielleicht irgendwelche Interessen berührt, die er nicht hätte antasten dürfen? Für wen war er so läs-tig, dass er aus dem Weg geräumt werden sollte? In Wirklichkeit hatte er Worte ausgesprochen, die alle betrafen und die keine allgemeine Veränderung des Herzens verlangten, sondern von ihnen for-derten, sich ganz und gar ihm anzuschließen. Doch wie war es möglich, dass einer ihrer Mitbürger, den sie im Übrigen kannten und hatten aufwachsen sehen, vorgeben konnte, ihr Retter zu sein? Das ist es, wogegen sich die Einwohner von Nazaret wenden. Darin besteht ihr Unglaube. Es geht nicht um theoretische Zweifel, sondern um die Weigerung davor, dass Gott im alltäglichen Leben spricht und wirkt. Jesus rief ein „Gnadenjahr“ aus, das Ende jeder Ungleichheit, das Ende der Ungerechtig-keiten, die allmählich unter den Menschen entstanden waren, das Ende ihrer gegenseitigen Unter-drückung. Dieses Gnadenjahr begann an jenem Tag. Doch die Einwohner von Nazaret lehnten diese Verkündigung ab und blieben Gefangene ihrer Engherzigkeit.


01/09/2014
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