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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Gedenken an Pater Aleksandr Men, einen orthodoxen Priester aus Moskau, der 1990 grausam ermordet wurde.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 6,12-19

In diesen Tagen ging er auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.

Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel.

(Es waren) Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus,

Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot,

Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon

strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt.

Alle Leute versuchten, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium überliefert die Berufung von fünf Aposteln, erwähnt jedoch nicht, wie die übrigen sieben berufen wurden. Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium schließt gewissermaßen diese Lücke. Jesus wählt seine engsten Mitarbeiter aus, damit sie ihm bei der Verkündigung des Evangeliums helfen. Die Initiative geht jedoch vom Vater aus. Denn Jesus tut nichts ohne den Vater. Deshalb verbringt er vor dieser Entscheidung die ganze Nacht im Gebet. Für Jesus und umso mehr für jede christliche Gemeinschaft ist das Gebet die Grundlage für jede Entscheidung und alles Handeln. Das Gebet ist sozusagen das erste Werk Jesu und die Grundlage für alles andere. So soll es auch bei jeder christlichen Gemeinde sein. Als es Tag wird, ruft Jesus alle zu sich, die er bei sich haben wollte, und nennt jeden einzeln beim Namen. Die Jüngergemeinschaft Jesu und jede christliche Gemeinde sind keine anonyme Gruppe, nicht irgendeine Versammlung von Menschen ohne Namen und ohne Liebe. Aus persönlicher Erfahrung kennen wir alle die traurige Einsamkeit und die Angst, nicht beim Namen genannt zu werden und dem eigenen Schicksal überlassen zu werden. Die Gemeinschaft Jesu besteht nicht aus anonymen Personen, sondern aus Brüdern und Schwestern, die sich wie in jeder Familie mit Namen ansprechen. Freundschaft und Geschwisterlichkeit sind das Wesen der Kommunion. Sie ist aber nicht einfach unser Werk oder das Ergebnis gegenseitiger Sympathie, vielmehr entsteht sie durch die Berufung Jesu und unseren Gehorsam ihr gegenüber. Der Name bleibt dabei nicht derselbe, sondern wird von Jesus verliehen. Er schenkt uns auch ein neues Herz, eine neue Aufgabe, eine neue Geschichte. Simon wird Petrus genannt, das heißt Fels, Fundament. Jesus beruft jeden Jünger, mit einer ganz eigenen Aufgabe eine neue Welt aufzubauen. Der neu verliehene Name ist ein Zeichen für das neue Leben, zu dem der Jünger bereit sein soll. Dieses Leben soll einsatzfreudig sein und im Dienst der Liebe und des Aufbaus einer gerechteren Welt stehen. Jesus steigt mit der gerade eingesetzten Zwölfergruppe vom Berg herab und trifft sogleich auf eine große Menschenmenge, die von überall her zusammengeströmt ist. Für Jesus war dies ein relativ gewohntes Bild. Mit den neuen Jüngern kann er nun besser auf die vielen Fragen der Menschen antworten und ihre Erwartungen erfüllen. Dieses Bild des Evangeliums müsste man auf jede christliche Gemeinschaft übertragen. Jede Gemeinde müsste die Menschenmengen dieser Welt in den Blick nehmen, die Bewohner des eigenen Stadtviertels, der eigenen Stadt und die Menschen in der Ferne. Alle sollten uns vor Augen stehen. Denn alle sind müde, krank, bedürftig und oft vergessen. Sie müssten so auf uns zulaufen wie auf Jesus. Von ihm und seinem Evangelium ging wirklich eine große Kraft und Energie aus, die dazu verhalf, das Leben zu ändern. So etwas können auch wir erleben, wenn wir das Evangelium weitergeben und es durch Werke der Liebe und Barmherzigkeit in die Tat umsetzen. Wenn die Menschen in den christlichen Gemeinden ein gelebtes Evangelium erleben, werden sie herbeieilen und sich freuen.


09/09/2014
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