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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Lukas 7,11-17

Einige Zeit später ging er in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.

Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.

Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!

Dann ging er zu der Bahre hin und faßte sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!

Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.

Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.

Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein junger Mann, der einzige Sohn einer Witwe, ist gestorben. Das Leben dieser Mutter ist am Ende. Jeder Hoffnungsschimmer ist scheinbar endgültig entschwunden. Es bleibt nichts weiter zu tun als den Sohn zu begraben und die Mutter zu begleiten und in ihrem Leid zu trösten. Doch was für Menschen unmöglich ist, ist möglich für Gott. Davon erzählt diese Seite des Evangeliums. Als Jesus den Trauerzug auf dem Weg vom Tor des kleinen Städtchens Naïn zum Friedhof sieht, hat er Mitleid mit der Witwe, die das Gefühl hat, ihr ganzes Leben verloren zu haben. Der Evangelist merkt an, dass Jesus „Mitleid mit ihr“ hat, als er diese verzweifelte Mutter sieht. Es ist genau das Gefühl, das ihn von Himmel herabgeführt hat, um auf den Straßen und Plätzen seiner Zeit unterwegs zu sein und die müden und erschöpften Menschen zu sammeln und zu trösten, die wie Schafe ohne Hirten waren. Als die Menschen sehen, wie Jesus sich der Mutter nähert, bleibt der Zug stehen. Sofort fordert Jesus die Frau auf, nicht zu weinen, und geht anschließend zur Bahre mit dem vielleicht mit einem Tuch zugedeckten jungen Toten. Für Juden war es verboten, einen Leichnam zu berühren. Aber Jesus verstößt gegen diese Vorschrift des levitischen Gesetzes. Als er neben dem toten Jüngling steht, sagt er zu ihm: „Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!“ Er spricht mit ihm wie mit einem Lebenden. Der junge Mann scheint die Stimme Jesu zu hören, sodass er sich aufrichtet und zu sprechen beginnt. Hatte nicht der Hauptmann gesagt: „Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden“? Das Wort des Evangeliums bewirkt immer etwas, wenn es mit dem Herzen aufgenommen wird. Es lässt zu neuem Leben auferstehen und schenkt dem Kraftlosen neue Energie. Es erneuert das Herz, wenn es zu Stein geworden ist, und schenkt dem Einsamen neue Brüder und Schwestern. Das Leben vieler Jugendlicher ist heute vom Tod gezeichnet, denn sie haben keine Hoffnung für ihre Zukunft. Die Hoffnung auf eine bessere Welt wurde ihnen genommen. Die Gesellschaft ist ihnen gegenüber sehr häufig stiefmütterlich oder stiefväterlich. Sie sind allein und orientierungslos in einer Welt ohne Zukunft und warten darauf, dass jemand bei ihnen stehen bleibt und sie direkt anspricht: „Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!“ Das Evangelium hilft uns, für sie zu hoffen und zu arbeiten. Vielen ist vielleicht das große Jugendtreffen von Rio de Janeiro mit Papst Franziskus vor Augen. Das war wirklich ein Wind der Auferstehung. Dieses Bild muss täglich in den verschiedenen Ländern weiter wirken. Die Jugendlichen brauchen am Anfang dieses Jahrhunderts einen Menschen, der bei ihnen stehen bleibt, der dem Abgleiten in den Tod Einhalt gebietet und sie berührt, wie Jesus es mit diesem toten Jüngling getan hatte. Sie brauchen jemanden, der gute, starke, erfahrene und hoffnungsvolle Worte zu ihnen spricht. Es könnte in unseren Augen den Anschein haben, dass sie nicht darauf hören. Doch das ist nicht der Fall. Wenn die Worte wie bei Jesus aus einem Herzen voller Mitleid hervorgehen, werden die Jugendlichen zuhören können. Eigentlich muss jede christliche Gemeinde und jeder Jünger dasselbe Mitleid mit ihnen empfinden wie Jesus. Denn aus diesem starken und kühnen Mitleid werden auch bei uns Worte hervorgehen, die den Jugendlichen von heute die Hoffnung wiederschenken.


16/09/2014
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