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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Genesis 1,1-9

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;

die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

Gott sah, daß das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis,

und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.

Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser.

Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es,

und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: zweiter Tag.

Dann sprach Gott: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort, damit das Trockene sichtbar werde. So geschah es.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wir beginnen mit der Lektüre des Buches Genesis, des ersten Buches der Bibel, das uns in den ersten elf Kapiteln das Denken Israels über die Schöpfung und die Menschheit darlegt. Dieses Buch wurde nicht als erstes geschrieben. Es wurde nach dem babylonischen Exil verfasst und redaktionell bearbeitet. In jenem Moment nach der schrecklichen Erfahrung des Exils begann das Volk Israel, gründlich über seine Geschichte nachzudenken, um eine Erklärung für den eigentlichen Sinn seiner Existenz als Volk zu finden. Während es darüber nachdachte, fand es auch Antworten auf zahlreiche Fragen nach dem Sinn der Schöpfung, nach dem Sinn des Daseins, nach dem Geheimnis der Existenz des Bösen im menschlichen Leben, nach dem Sinn des Todes und auch Antworten auf weitere Fragen. Eingefügt ist darin auch ein Text, der über den Grund der Welt und unseres Lebens nachdenkt. Warum existieren wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Die ersten Worte des Buches Genesis „Im Anfang“ beginnen, auf derartige Fragestellungen zu antworten. Der tieferliegende Sinn dieser Worte ist keine zeitliche Ordnung, sondern es geht um das Wesenhafte der Welt und des Menschen. Warum existieren wir? Weil Gott es wollte. Gott steht am „Anfang“ der Schöpfung, am Ursprung der Welt und am Urgrund des Seins eines jeden Menschen. Die Wissenschaft kann auf der Basis ihrer wissenschaftlichen Logik über den Ursprung des Universums sprechen. Aber sie kann nicht auf die Frage nach dem Sinn, dem Grund unserer Existenz antworten. Es ist Gott, der uns gewollt hat, er ist der Herr, der einzige Herr unseres Lebens, des Lebens eines jeden Menschen. Niemand kann sich an den „Anfang“, das heißt den Grund des menschlichen Lebens und der Schöpfung stellen. Der biblische Verfasser eröffnet die Erzählung damit, dass er die Kraft des Wortes aufzeigt: Gott spricht und sein Wort erschafft, es gibt dem Sein seinen Ursprung. Dieses Wort, mit dem auch das vierte Evangelium beginnt, ist Fleisch geworden, ist gekommen, um unter uns zu wohnen, damit ein jeder es höre und gerettet werde.
Der hier vorgestellte Abschnitt handelt vom vierten Tag, dem Tag der Erschaffung der Sonne, des Mondes und der Sterne, denn es soll Licht am Himmelsgewölbe sein und „sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von Festzeiten, von Tagen und Jahren dienen“. Wir befinden uns im Zentrum der Schöpfung, die sich über sieben Tage erstreckt. Obwohl das Licht schon am ersten Tag erschaffen wird, kann es erst am vierten Tag existieren und für die Schöpfung Sinn haben. Wenn es einerseits stimmt, dass Licht und Finsternis dazu dienen, Tag und Nacht zu unterscheiden, so sind diese doch in erster Linie dazu geschaffen – und das will der biblische Autor betonen –, dass sie die Zeit des Menschen ordnen, damit dieser den Rhythmus Gottes erhalte, das heißt die liturgischen Feste. Ohne das Fest – das wird man besser sehen am siebten Tag, dem Sabbat – erlangt das Geschöpf nicht seine Vollendung. Der Mensch kann Herr über alles sein, aber die Zeit gehört ihm nicht ganz. In seine Zeit muss die Zeit Gottes eingelassen werden. Ohne diese Zeit würde dem Geschöpf etwas Wesentliches fehlen. In einer Gesellschaft wie der unseren, die den Sinn und den Wert des Festes nach und nach verliert, erinnert uns diese Erzählung daran, nicht nur unser Tun, unser Arbeiten ins Zentrum von allem zu stellen. Es ist entscheidend für uns und für die Gesellschaft, dass wir die Zeit Gottes in unsere Tage aufnehmen, um Missbrauch, Gewalt und Unterdrückung jeder Art zu vermeiden. Die Zeit Gottes heilt die Zeit des Menschen. In diesem historischen Dialog zwischen Gott und Mensch findet die Menschheit ihr Heil.


09/02/2015
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