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Das tägliche Gebet


 
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Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Mittwoch der Karwoche


Lesung des Wortes Gottes

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Wenn wir mit ihm sterben,
werden wir mit ihm leben,
wenn wir mit ihm ausharren,
werden wir mit ihm herrschen.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Das Evangelium nach Matthäus 26,15-25

und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke.

Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?

Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern.

Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.

Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch.

Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.

Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr?

Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten.

Der Menschensohn muß zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.

Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

 

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Wenn wir mit ihm sterben,
werden wir mit ihm leben,
wenn wir mit ihm ausharren,
werden wir mit ihm herrschen.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Die Erzählung vom Verrat des Judas ruft immer Schmerz und Erschütterung hervor. Was für ein Unterschied zu Maria, die nur wenige Tage vorher die Füße Jesu mit kostbarem Öl gesalbt hatte! Judas kommt, um seinen Meister für dreißig Silberstücke zu verkaufen, den Preis für den Freikauf eines Sklaven. Wie viel Bitterkeit liegt in den einleitenden Worten des Evangeliums, das wir heute gehört haben: „einer der Zwölf“! Ja, einer der engsten Freunde. Jesus hatte ihn erwählt, geliebt und sich um ihn gekümmert, er hatte ihn gegen Angriffe von Feinden verteidigt. Jetzt ist es gerade er, der zu ihnen geht und Jesus verkauft. Das Herz des Judas wurde immer mehr von sich selbst erfüllt. Vielleicht ist er der Verlockung der Gewalt gegen Jesus erlegen, weil er von einem „Messias“ enttäuscht war, der kein politischer Führer werden und Israel nicht anführen wollte, um die Römer zu vertreiben. Vielleicht ist er der Verlockung durch den Reichtum erlegen und hat dadurch die Distanz zu seinem Meister vergrößert bis hin zur Planung und Durchführung des Verrats. Jesus hatte im Übrigen deutlich gesagt: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“ (Mt 6,24). Letztlich zog Judas den Mammon vor und schlug diesen Weg ein. Doch am Ende sah dieses Abenteuer so ganz anders aus, als er es sich am Anfang vorgestellt hatte. Für Judas begannen die Angst und Unruhe wohl mit der Überlegung, die Art und Weise und den richtigen Moment zu finden, um „Jesus auszuliefern“. Schließlich kam der Augenblick, er fiel mit dem Paschafest zusammen, mit der Zeit, in der das Lamm geschlachtet wurde zum Gedenken an die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten. Jesus weiß genau, was ihn an diesem Paschafest erwartet, sodass er sagen kann: „Meine Zeit ist da!“ Er bittet seine Jünger, das Paschamahl vorzubereiten, das Mahl des Lammes. Mit dieser Entscheidung zeigt Jesus, dass es in Wahrheit nicht Judas ist, der ihn an die Hohenpriester ausliefert. Das Gegenteil ist der Fall, aus Liebe zu den Menschen liefert er sich selbst dem Tod aus. Jesus hätte Jerusalem verlassen können, hätte an einem verborgenen Ort Zuflucht suchen können. So wäre er sicher einer Gefangennahme entkommen. Aber er tut es nicht. Er bleibt in Jerusalem. Gerade am Abend vor jener Nacht, da Gott sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat, will Jesus dieses Mahl feiern, bei dem die Juden an die Entscheidung Gottes erinnern, sich seines Volkes wieder anzunehmen. Am Tisch mit seinen Jüngern zerstört Jesus die frohe Stimmung, mit der dieses Ereignis gewöhnlich gefeiert wird. Er spricht den Verrat offen an, der gegen ihn im Gange ist. Er spricht darüber, aber er widersetzt sich nicht. Jesus hat nicht die Absicht zu fliehen. Er will nur Liebe. Wie die Schrift sagt, kann Jesus höchstens wiederholen: „Ich habe kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am Leben bleibt“. Die Frage nach der Liebe, die Jesus an diesem Abend stellt, wendet sich weiter an das Ohr aller Jünger und sogar aller Menschen, das Leiden Jesu ist nämlich nicht zu Ende. Das Bedürfnis nach Liebe haben vor allem die Armen, die Schwachen, die Einsamen, die Verurteilten und alle, deren Leben durch Gemeinheit eine Qual geworden ist. Wir alle müssen auf der Hut sein, damit wir diesen Instinkt des Verrats im Herzen aller von uns fernhalten. Judas, der seine Gedanken an diesem Abend vor den anderen verbergen will, wagt es, ebenfalls zu fragen: „Bin ich es etwa, Rabbi?“ Prüfen wir uns, was unsere Untreue betrifft, nicht um davon erdrückt zu werden, sondern um uns noch enger an Jesus zu binden, der noch immer die Sünden der Welt auf seine Schultern nimmt. Auch unsere Sünden.


01/04/2015
Mittwoch der Karwoche


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