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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Gedenken an den heiligen Athanasius (295–373), Bischof von Alexandria in Ägypten und Kirchenlehrer.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird in Ewigkeit nicht sterben.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Evangelium nach Johannes 14,7-14

Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.

Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?

Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.

Glaubt mir doch, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!

Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.

Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen,
so spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Die Evangelienstelle, die wir gerade gehört haben, setzt das Gespräch Jesu mit den Jüngern im Abendmahlssaal fort. Jesus hat ihnen gerade erklärt, dass er selbst der Weg ist, der zum Vater im Himmel führt. Er lässt sie nicht ohne Anweisungen zurück. Wer auf sein Wort hört und danach handelt, kann den Vater kennenlernen. Er erklärt weiter: „Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Die Verben „erkennen“ und „sehen“ beziehen sich auf die Dimension des Glaubens, eine Erkenntnis und ein Sehen, das über das Sichtbare hinausgeht und das Jenseitige Gottes betrifft. Philippus fragt, gleichsam um das Gespräch endgültig zu beenden: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Jesus antwortet betrübt und tadelnd: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Hier gelangen wir zum Herzen des christlichen Glaubens und jeder religiösen Suche. Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, können wir durch Jesus begegnen. „Niemand hat Gott je geschaut“, schreibt Johannes in seinem ersten Brief (1Joh 4,12). Doch Jesus offenbart ihn uns. Wenn wir das Antlitz Gottes sehen wollen, genügt es, Jesus anzuschauen. Wenn wir das Denken Gottes kennenlernen wollen, genügt es, das Evangelium zu kennen. Wenn wir das Handeln Gottes verstehen wollen, müssen wir das Verhalten Jesu beobachten. Der Vater im Himmel ist dem Leben der Menschen ganz nah, so wie es auch Jesus war. Er ist ein Gott, der die Toten auferstehen lässt, er wird zum Kind, nur um uns nahe zu sein. Er ist ein Gott, der um seinen toten Freund weint und auf den Straßen der Menschen geht, der stehen bleibt, heilt und sich leidenschaftlich für alle einsetzt. Er ist wirklich der Vater aller. Jesus fährt mit Worten fort, die noch provozierender sind und die nur er aussprechen kann. Wenn wir mit Jesus verbunden bleiben, so sagt er, dann werden wir sein Handeln verstehen. Jesus sagt, dass wir dann sogar noch größere Werke als er vollbringen können. Diese Worte werden im Allgemeinen vergessen, oder es wird jedenfalls wenig darüber nachgedacht. Sie scheinen uns allenfalls übertrieben oder unsinnig. Wir meinen oft, realistischer zu sein und uns mehr an die Tatsachen zu halten als das Evangelium. In Wirklichkeit folgen wir einer weltlichen Einschätzung des Evangeliums. Wir leugnen seine Kraft. Das Evangelium hat eine Macht, die aus seinem Inneren kommt, denn es beinhaltet das Wort Gottes, das immer Leben und Liebe hervorbringt. Wenn wir uns von den Worten des Evangeliums nähren, werden auch unsere Worte stark und wirkungsvoll sein. Das beginnt mit dem Gebet: „Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun“. Ja, wenn wir im Namen Jesu beten, ist unser Gebet tief und wirksam: Es wird so direkt zum Herzen Gottes gelangen. Er wird sich gleichsam unseren Worten beugen. Aber auch die Worte der Predigt, des Trostes, der Ermahnung, die wir im Namen Jesu aussprechen, werden die Macht haben, die Herzen der Zuhörenden und die Gesellschaft, in der wir leben, zu verändern.


02/05/2015
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