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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Tobit 2,9-14

Als ich ihn begraben hatte und in der Nacht nach Hause kam, legte ich mich an der Hofmauer zum Schlafen nieder, weil ich unrein geworden war. Mein Gesicht ließ ich unbedeckt,

ohne auf die Sperlinge zu achten, die in der Mauer nisteten. Da ließen die Sperlinge ihren warmen Kot in meine offenen Augen fallen, und es bildeten sich weiße Flecke in meinen Augen. Ich ging zu den Ärzten, doch sie konnten mir nicht helfen. Achikar sorgte für meinen Unterhalt, bis er in die Provinz Elymaïs zog.

Meine Frau Hanna fertigte zu Hause Webarbeiten an, wie sie Frauen zu machen pflegen,

und lieferte sie dann bei den Bestellern ab. Einmal geschah es, daß sie ihr nicht nur den Lohn zahlten, sondern auch noch ein Ziegenböckchen dazuschenkten.

Als sie heimkam, fing das Tier an zu meckern. Ich fragte sie: Wo hast du das Böckchen her? Es ist doch nicht etwa gestohlen? Dann gib es seinen Eigentümern zurück! Denn was gestohlen ist, darf man nicht essen.

Sie erwiderte: Es wurde mir zusätzlich zu meinem Lohn geschenkt. Aber ich glaubte ihr nicht und verlangte, daß sie es seinen Eigentümern zurückbrachte, und ich schämte mich ihretwegen. Doch sie antwortete: Wo ist denn der Lohn für deine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit? Jeder weiß, was sie dir eingebracht haben.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier geschieht Tobit das dritte Unglück nach dem Verlust des Besitzes und der Traurigkeit am Pfingstfest. Als der Kot der Sperlinge aus dem Nest, unter dem Tobit eingeschlafen war, in seine Augen fällt, wird er kurz darauf blind. Die Ärzte können ihm nicht helfen. Wie im Buch Hiob (vgl. 2,9) wird auch hier von der negativen Reaktion der Frau berichtet, von deren Arbeit Tobit nun abhängig geworden ist. Nachdem ihn dieses Unglück getroffen hat, zeigt er allen seine Begrenztheit, indem er übertrieben reagiert, als seine Frau zum Paschafest ein Ziegenböckchen beschaffen kann. Übertrieben ist allerdings auch die Reaktion der Frau, die ihre geringe Religiosität unter Beweis stellt: „Wo ist denn der Lohn für deine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit? Jeder weiß, was sie dir eingebracht haben.“ Damit begibt sich die Frau auf eine ähnliche Ebene wie die Freunde des Hiob: Wo ist denn der Lohn für deine Barmherzigkeit, da sie offenbar umgehend vergolten wird? Hat Tobit nicht wie Hiob bestimmt eine schwere Schuld begangen? Und viele andere Fragen treten auf. Tobit sucht Verständnis bei seiner Frau, findet es jedoch nicht. Im weiteren Verlauf der Erzählung wird das Verhältnis zwischen Tobit und Hanna dann sehr viel positiver dargestellt. Doch in diesem Augenblick wird die Einsamkeit Tobits hervorgehoben. Er steht allein vor Gott. Auch im Leid kann der Gläubige jedoch einen neuen Anstoß finden, sein Leben vertrauensvoll in die Hände Gottes zu legen. So findet Tobit auch angesichts seines Schmerzes die Kraft, sein Flehen an Gott zu richten.


02/06/2015
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