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Das tägliche Gebet


 
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Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ich bin der gute Hirte,
meine Schafe hören auf meine Stimme,
und sie werden
eine einzige Herde sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Genesis 44,18-21.23-29.1-5

Da trat Juda an ihn heran und sagte: Bitte, mein Herr, dein Knecht darf vielleicht meinem Herrn offen etwas sagen, ohne daß sein Zorn über deinen Knecht entbrennt; denn du bist wie der Pharao.

Mein Herr hat seine Knechte gefragt: Habt ihr einen Vater oder Bruder?

Wir erwiderten meinem Herrn: Wir haben einen alten Vater und einen kleinen Bruder, der ihm noch in hohem Alter geboren wurde. Dessen Bruder ist gestorben; er ist allein von seiner Mutter noch da, und sein Vater liebt ihn besonders.

Du aber hast von deinen Knechten verlangt: Bringt ihn her zu mir, ich will ihn mit eigenen Augen sehen.

Du aber sagtest zu deinen Knechten: Wenn euer jüngster Bruder nicht mit euch kommt, dürft ihr mir nicht mehr unter die Augen treten.

Als wir zu deinem Knecht, deinem Vater, hinaufgekommen waren, erzählten wir ihm, was mein Herr gesagt hatte.

Als dann unser Vater sagte: Kauft uns noch einmal etwas Brotgetreide!,

entgegneten wir: Wir können nicht hinunterziehen; nur wenn unser jüngster Bruder dabei ist, ziehen wir hinunter. Wir können nämlich dem Mann nicht mehr unter die Augen treten, wenn nicht unser jüngster Bruder dabei ist.

Darauf antwortete uns dein Knecht, mein Vater: Ihr wißt, daß mir meine Frau zwei Söhne geboren hat.

Einer ist von mir gegangen, und ich sagte: Er ist gewiß zerrissen worden. Ich habe ihn bis heute nicht mehr gesehen.

Nun nehmt ihr mir auch den noch weg. Stößt ihm ein Unglück zu, dann bringt ihr mein graues Haar vor Leid in die Unterwelt.

Josef vermochte sich vor all den Leuten, die um ihn standen, nicht mehr zu halten und rief: Schafft mir alle Leute hinaus! So stand niemand bei Josef, als er sich seinen Brüdern zu erkennen gab.

Er begann so laut zu weinen, daß es die Ägypter hörten; auch am Hof des Pharao hörte man davon.

Josef sagte zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Ist mein Vater noch am Leben? Seine Brüder waren zu keiner Antwort fähig, weil sie fassungslos vor ihm standen.

Josef sagte zu seinen Brüdern: Kommt doch näher zu mir her! Als sie näher herangetreten waren, sagte er: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.

Jetzt aber laßt es euch nicht mehr leid sein, und grämt euch nicht, weil ihr mich hierher verkauft habt. Denn um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch hergeschickt.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander!

Halleluja, halleluja, halleluja.

Juda, einer der Brüder, übernimmt schließlich die Verantwortung. Er täuscht nicht mehr, um so davonzukommen, er glaubt nicht, dass er etwas lösen kann, indem er schweigt oder Lügen erfindet. Die Versöhnung beginnt, als er offen mit Josef spricht, den er noch nicht erkannt hat. Denn auch für sie ist es schwierig, ihren Bruder wiederzufinden. Sie entdecken ihn, als sie endlich von ihrem Vater sprechen und dessen Schmerz über den Tod eines der beiden Söhne, den seine Frau ihm geboren hatte. Denn als sie ihren Bruder in die Zisterne warfen, dachten sie weder an ihn noch an ihren Vater. Jetzt aber erinnern sie sich an ihn, und sie verteidigen ihren Vater. Wir finden zurück zur Brüderlichkeit, wenn wir uns unseres Bruders annehmen und endlich zu seinem Hüter werden und wenn wir den Schmerz des Vaters verstehen. Angesichts der ehrlichen Worte des Judas und des Schmerzes seines Vaters kann auch Josef sich nicht mehr zurückhalten. Im vertraulichen Gespräch, als er mit seinen Brüdern alleine ist, sagt er, wer er wirklich ist, und beginnt zu weinen. Auch Jesus weint angesichts der Schafe, die müde sind, weil sie keinen Hirten haben. Er weint, weil Jerusalem nicht auf sein Wort der Veränderung gehört hat. Josefs Brüder sind zutiefst verängstigt, als sie ihn erkennen. Wegen ihres Neids und wegen der Trennung von ihm konnten sie nicht mehr in Freundschaft mit ihm sprechen. Endlich löst die Barmherzigkeit das Herz, und so können sie sich wieder begegnen. Sie haben Angst vor der Rache der Menschen, doch Josef zeigt ihnen wie Jesus, dass er von Gott gesandt wurde, um sie zu retten, und dass alles, auch der Schmerz, in seiner Barmherzigkeit aufgehoben ist. So nimmt Josef die Schwierigkeiten seiner Brüder auf sich, damit sie leben können, genau wie Jesus es tut.


09/07/2015
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