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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Geist des Herren ruht auf dir,
der von dir geboren wird, wird heilig sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Rut 1,1-3.6.14-16

Zu der Zeit, als die Richter regierten, kam eine Hungersnot über das Land. Da zog ein Mann mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen aus Betlehem in Juda fort, um sich als Fremder im Grünland Moabs niederzulassen.

Der Mann hieß Elimelech, seine Frau Noomi, und seine Söhne hießen Machlon und Kiljon; sie waren Efratiter aus Betlehem in Juda. Als sie im Grünland Moabs ankamen, blieben sie dort.

Elimelech, der Mann Noomis, starb, und sie blieb mit ihren beiden Söhnen zurück.

Da brach sie mit ihren Schwiegertöchtern auf, um aus dem Grünland Moabs heimzukehren; denn sie hatte dort gehört, der Herr habe sich seines Volkes angenommen und ihm Brot gegeben.

Da weinten sie noch lauter. Doch dann gab Orpa ihrer Schwiegermutter den Abschiedskuß, während Rut nicht von ihr ließ.

Noomi sagte: Du siehst, deine Schwägerin kehrt heim zu ihrem Volk und zu ihrem Gott. Folge ihr doch!

Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Hier sind, Herr, deine Diener,
uns geschehe nach deinem Wort.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ist das Richterbuch – nicht zuletzt wegen der Eroberung des Gelobten Landes durch Israel ? von Gewalt und Krieg geprägt, so herrschen im Buch Rut Frieden und Begegnung vor. Es beginnt mit der Erzählung der Rückkehr Noomis nach Betlehem, von wo sie gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen aufgebrochen war, um in das Land der Moabiter auszuwandern, die in der Richterzeit zu den Völkern gerechnet wurden, die Israel unterdrückten (Ri 3). In Moab kann sie endlich essen und überleben, doch sie verliert ihren Mann und ihre beiden Söhne. Also entscheidet sie sich zur Rückkehr, denn sie war zwar nicht besitzlos, aber einsam. Diese Einsamkeit bildet den Kontext, in dem Rut als Gefährtin in Noomis Leben eintritt. Rut war Moabiterin und hätte bei ihrem Volk bleiben können. Doch sie entschied, bei Noomi zu bleiben und ihr zu folgen, als diese beschloss, nach Betlehem zurückzukehren ? anders als die andere Schwiegertochter, die ihrer Heimat so verbunden war, dass sie dort zurück blieb. Aus Liebe zu Noomi verzichtet Rut auf ihre moabitische Identität und auf die Kultur und Religion ihrer Familie, um beim Volk und bei der Familie, in der Kultur und Religion ihrer Freundin Noomi zu leben. Diese versäumt es nicht, sie auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, die eine solche Entscheidung mit sich bringt, doch Rut lässt sich nicht beirren: „Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Noomi kommt nach Betlehem, doch auch wenn sie ihren Mann verloren hat, ist sie mit dem Reichtum einer neuen Freundschaft gesegnet. Als die Bürger von Betlehem Noomi und ihre Freundin sehen, zeigen sie sich eher misstrauisch als gastfreundlich, sodass Noomi ihren Namen ändern will: „Nennt mich nicht mehr Noomi (Liebliche), sondern Mara (Bittere); denn viel Bitteres hat der Allmächtige mir getan. Reich bin ich ausgezogen, aber mit leeren Händen hat der Herr mich heimkehren lassen.“ In Wirklichkeit aber waren ihre Hände keineswegs „leer“, denn die Freundschaft mit Rut war ihr neuer Reichtum. Dieses kleine Buch erzählt uns eine Geschichte über den Reichtum und den providenziellen Charakter der Freundschaft. Ruts Entscheidung wird immer bewusster. Sie weiß, dass Freundschaft im Leben nichts Selbstverständliches ist; sie muss mit Ausdauer und Entschlossenheit aufgebaut und gepflegt werden und erfordert ein Wachstum sowohl des eigenen Bewusstseins als auch des Bewusstseins der Freunde. So wird Rut anfangs als „Fremde“ (2,10), dann als „Magd“ (2,13), dann als „tüchtige Frau“ (3,11) und schließlich als „Frau, die in dein Haus kommt“ (4,11) bezeichnet und auf diese Weise mit den „Müttern“ Israels verglichen. Durch ihre starke Freundschaft wird Rut zur Hoffnung für Noomi und Boas.


21/08/2015
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