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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr seid ein auserwählter Stamm,
ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk,
ein Volk, das Gott erworben hat,
um seine Wunder zu verkünden.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Dal libro della Sapienza 6,1-12

Hört also, ihr Könige, und seid verständig, lernt, ihr Gebieter der ganzen Welt! Horcht, ihr Herrscher der Massen, die ihr stolz seid auf Völkerscharen! Der Herr hat euch die Gewalt gegeben, der Höchste die Herrschaft, er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht. Ihr seid Diener seines Reichs, aber ihr habt kein gerechtes Urteil gefällt, das Gesetz nicht bewahrt und die Weisung Gottes nicht befolgt. Schnell und furchtbar wird er kommen und euch bestrafen; denn über die Großen ergeht ein strenges Gericht. Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen, doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht. Denn der Herrscher des Alls scheut niemand und weicht vor keiner Größe zurück. Er hat klein und groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle; den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung. An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte, damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt. Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, und wer sich darin unterweisen läßt, findet Schutz. Verlangt also nach meinen Worten; sehnt euch danach, und ihr werdet gute Belehrung empfangen. Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit; wer sie liebt, erblickt sie schnell, und wer sie sucht, findet sie.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ihr werdet heilig sein,
weil ich heilig bin, spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Leben des Gerechten, der gekrönt ist mit dem königlichen Diadem, soll vor allem jenen als Vorbild dienen, die Regierungsverantwortung tragen. Die göttliche Einladung an sie ist sehr nachdrücklich. Von ihnen wird erwartet, was der Herr von allen Menschen will: dass sie nach Weisheit und nach dem Wort Gottes streben: „Verlangt also nach meinen Worten; sehnt euch danach und ihr werdet gute Belehrung empfangen“ (V.11). Das Wort Gottes belehrt, es weist den Weg des Guten und der Gerechtigkeit. Deshalb sind alle, auch die Mächtigen und die Könige, dazu aufgerufen, dieses Wort zu suchen und danach zu verlangen. Das Wort Gottes richtet sich an alle, auch an die Regierenden. Es verleiht ihnen Weisheit bei der Interpretation der Geschichte und hilft ihnen, die Zeichen der Zeit zu deuten und über den engen Horizont des Gewohnten hinauszusehen. Die Bibel will, wenn sie den Ursprung der menschlichen Macht auf Gott zurückführt, keine Theokratie errichten, sondern daran erinnern, dass kein Mensch ein absoluter Machthaber ist. Sie alle sind Gott unterworfen, denn von ihm erhalten sie Leben und Kraft. Jeder Totalitarismus ist im Grunde genommen ein Götzendienst. Deshalb ist das Regieren eine Verantwortung, ja ein Dienst. Wer regiert, der muss vom Herrn lernen, der „Klein und Groß erschaffen“ hat und „gleiche Sorge für alle“ trägt. Das ist ein Prinzip der Gleichheit, das das Buch der Weisheit hier formuliert – zu einer Zeit, als die Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen, von einigen wenigen Ausnahmen in der hellenistischen Welt einmal abgesehen, noch völlig unbekannt war. Die Gleichheit aller, aus der die Liebe zu allen Geschöpfen folgt, wurzelt in der Schöpfung, als Gott den Mann und die Frau nach seinem Bild und ihm ähnlich schuf. Die Gleichheit aller Menschen wurzelt in ihrem göttlichen Ursprung. Auf dieser theologischen Grundlage sind alle Menschen, vor allem aber die, die Regierungsverantwortung tragen, dazu aufgerufen, die Würde eines jeden Menschen von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod zu bewahren und zu schützen.


11/11/2015
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