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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ich bin der gute Hirte,
meine Schafe hören auf meine Stimme,
und sie werden
eine einzige Herde sein.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Dal libro della Sapienza 7,22-8,1

In ihr ist ein Geist, gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, durchdringend, unbefleckt, klar, unverletzlich, das Gute liebend, scharf, nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend und alle Geister durchdringend, die denkenden, reinen und zartesten. Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles. Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes und reiner Ausfluß der Herrlichkeit des Allherrschers; darum fällt kein Schatten auf sie. Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Vollkommenheit. Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten; denn Gott liebt nur den, der mit der Weisheit zusammenwohnt. Sie ist schöner als die Sonne und übertrifft jedes Sternbild. Sie ist strahlender als das Licht; denn diesem folgt die Nacht, doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit. Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebet einander!

Halleluja, halleluja, halleluja.

Die Weisheit ist kein Schatz, den der Mensch in sich selbst, seinen Instinkten, seinem Charakter oder seinen Traditionen fände. Die Weisheit erhält man von Gott. Deshalb fühlt sich Salomo frei und froh, sie seinerseits verschenken zu können, damit sie auch das Leben der anderen bereichert. Diese Freiheit besitzen die, die sich der Gaben Gottes in ihrem Leben und vor allem der kostbaren Gabe eines Wortes bewusst sind, das weise macht und zur Mitteilung wird. Alle, die es besitzen, „erlangen die Freundschaft Gottes“ (Weish 7,14), gehen eine innige Beziehung mit ihm ein und erhalten von ihm Orientierung. In einer verirrten Welt wie der, in der wir zu Beginn dieses neuen Jahrhunderts leben, begreifen wir den Wert dieser Weisheit, die uns hilft, das Gute zu wählen und uns nicht vom Materialismus beherrschen zu lassen. Die Weisheit, von der Salomo spricht, lehrt uns, die Wirklichkeit in ihrer ganzen Tiefe, das heißt auf eine spirituelle Weise zu verstehen, die nicht beim äußeren Schein der sichtbaren Dinge stehen bleibt: „Er verlieh mir untrügliche Kenntnis der Dinge, sodass ich den Aufbau der Welt und das Wirken der Elemente verstehe …“ (V.17). Es geht hier nicht so sehr um eine wissenschaftliche Kenntnis,¬ die zwar nicht ausgeschlossen ist, die wir aber in erster Linie den Naturwissenschaften und der Technik überlassen –, sondern um eine Kenntnis, die in das Herz der Geschichte vordringt und sich der Logik des technischen Wissens entzieht. In der Weisheit weht jener Hauch, der für die Christen die Kraft des Heiligen Geistes ist: „ein Geist, gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, unbefleckt, ... das Gute liebend, ... alles überwachend“ (VV.22-23). Diese Eigenschaften erinnern an die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die schon der Prophet Jesaja erahnt hatte (11,1-2) und die das Herz der Menschen durchdringen, die an den Gott Jesu Christi glauben. Kurz gesagt, die Weisheit ist die Offenbarung der wohltuenden und freundlichen Anwesenheit Gottes, der die Menschen das Geheimnis des Lebens lehren will. Sie ist einzigartig und ein Abbild seiner Güte. Sie tritt „in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten“ (V.27). Lassen wir uns von dieser Weisheit unterweisen, damit auch wir Freunde Gottes und Propheten seines Wortes in der Welt sind.


12/11/2015
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