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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Fest des schwarzen Christus von Esquipulas in Guatemala, der in ganz Mittelamerika verehrt wird.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das erste Buch Samuel 8,4-7.10-22

Deshalb versammelten sich alle Ältesten Israels und gingen zu Samuel nach Rama. Sie sagten zu ihm: Du bist nun alt, und deine Söhne gehen nicht auf deinen Wegen. Darum setze jetzt einen König bei uns ein, der uns regieren soll, wie es bei allen Völkern der Fall ist. Aber Samuel mißfiel es, daß sie sagten: Gib uns einen König, der uns regieren soll. Samuel betete deshalb zum Herrn, und der Herr sagte zu Samuel: Hör auf die Stimme des Volkes in allem, was sie zu dir sagen. Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr König sein. Samuel teilte dem Volk, das einen König von ihm verlangte, alle Worte des Herrn mit. Er sagte: Das werden die Rechte des Königs sein, der über euch herrschen wird: Er wird eure Söhne holen und sie für sich bei seinen Wagen und seinen Pferden verwenden, und sie werden vor seinem Wagen herlaufen. Er wird sie zu Obersten über (Abteilungen von) Tausend und zu Führern über (Abteilungen von) Fünfzig machen. Sie müssen sein Ackerland pflügen und seine Ernte einbringen. Sie müssen seine Kriegsgeräte und die Ausrüstung seiner Streitwagen anfertigen. Eure Töchter wird er holen, damit sie ihm Salben zubereiten und kochen und backen. Eure besten Felder, Weinberge und Ölbäume wird er euch wegnehmen und seinen Beamten geben. Von euren Äckern und euren Weinbergen wird er den Zehnten erheben und ihn seinen Höflingen und Beamten geben. Eure Knechte und Mägde, eure besten jungen Leute und eure Esel wird er holen und für sich arbeiten lassen. Von euren Schafherden wird er den Zehnten erheben. Ihr selber werdet seine Sklaven sein. An jenem Tag werdet ihr wegen des Königs, den ihr euch erwählt habt, um Hilfe schreien, aber der Herr wird euch an jenem Tag nicht antworten. Doch das Volk wollte nicht auf Samuel hören, sondern sagte: Nein, ein König soll über uns herrschen. Auch wir wollen wie alle anderen Völker sein. Unser König soll uns Recht sprechen, er soll vor uns herziehen und soll unsere Kriege führen. Samuel hörte alles an, was das Volk sagte, und trug es dem Herrn vor. Und der Herr sagte zu Samuel: Hör auf ihre Stimme, und setz ihnen einen König ein! Da sagte Samuel zu den Israeliten: Geht heim, jeder in seine Stadt!

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das achte Kapitel des ersten Buches Samuel nimmt eine Schlüsselstellung innerhalb der Geschichte des Königtums in Israel ein. Das Volk selbst fordert einen König. Samuel ist alt. Er ist immer noch im Amt, aber seine Söhne, die von ihm als Richter eingesetzt wurden, „gingen nicht auf seinen Wegen, sondern waren auf ihren Vorteil aus" (1 Sam 1,3). Mit ihrem Verhalten verlassen sie das Prinzip, auf das sich Israel stützte, nämlich die Wahrung der Gerechtigkeit für einen jeden ohne Privilegien und Bevorzugung. Die Korruption der Söhne Samuels trifft das Zusammenleben in Israel an seiner Wurzel. Samuel selbst, so scheint es, greift in keiner Weise ein, um sie zurechtzuweisen oder gar aufzuhalten. Korruption herrschte im Lande, und die Situation war aller Kontrolle entglitten. Die Ältesten des Volkes beschließen nun, einen König zu fordern, „wie es bei allen Völkern der Fall ist". Samuel schmerzt diese Forderung. Doch der Herr erklärt es ihm: „... denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen: Ich soll nicht mehr ihr König sein". Der Herr betont, dass die gesamte Geschichte Israels daraus besteht, dass sie ihn immer wieder verließen und anderen Göttern nachliefen. Trotz allem sagt er zu Samuel, er solle den Ältesten gewähren, was sie von ihm fordern. Der Herr billigt ihre Forderungen nicht, er legt ihnen kein Hindernis in den Weg, aber er verlangt von Samuel, sie auf die Konsequenzen ihrer Forderungen hinzuweisen und sie eindringlich zu warnen: „Warne sie" (1 Sam 1,9). Es ist eine sehr harte Kritik, eine der härtesten, die man im Ersten Testament findet. Sie wird zusammengefasst durch die Wiederholung des Verbs „nehmen, wegnehmen". Die Israeliten sollen wissen, dass die Könige Gesetze erlassen und sich dann ihr Geld durch Steuern, ihren Besitz durch Enteignungen holen. Sie werden ihre Söhne für den Kriegsdienst holen; ihre Töchter werden an den Hof geholt, um dort ihren Dienst zu tun. „Eure besten Felder, Weinberge und Ölbäume wird er euch wegnehmen und seinen Beamten geben". Zur Zeit des Propheten Ezechiel wird der Gipfel der Raffsucht dieser Herrscher erreicht sein, wenn die Könige Israels beschuldigt werden, ihre Macht ausschließlich zu ihrem eigenen Nutzen zu missbrauchen (Ez 34,1-10). Das Volk wird von Neuem versklavt werden: „Ihr selber werdet seine Sklaven sein." Im Volk Israel ist die Erinnerung an den Exodus, an die Befreiung aus der Sklaverei, lebendig. Deswegen muss es gewarnt werden, dass das Königtum dazu führt, die alte Sklaverei wieder aufleben zu lassen. Wenn das Volk zu Gott schreien wird, um sich zu beklagen, wird der Herr nicht antworten. Mit der Forderung nach einem König wird der Kern dieses einmaligen Bundes, der den Herrn mit absoluter Treue an Israel bindet, verletzt. Vergeblich versucht Samuel das Volk zu überzeugen, keinen König zu fordern. Es scheint, dass im Volk Israel das Verlangen, selbständig und von Gott unabhängig zu sein, stärker ist als alles andere. Man will sich lieber der Mentalität der anderen Völker anpassen. Der Herr, der sein Volk voller Liebe und nicht als Tyrann führen will, lässt Israel die Freiheit, aber er warnt es, dass Unabhängigkeit, die aus Stolz geboren ist, zum Untergang führt. Zum Glück ist Gottes Liebe stärker – stärker auch als unser Verrat. Aber mit dem Herzen darf man nicht spielen, weder mit unserem noch mit dem Herzen Gottes.


15/01/2016
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