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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Das Buch Levitikus 19,1-2.11-18

Der Herr sprach zu Mose: Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten, und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. Ihr sollt nicht stehlen, nicht täuschen und einander nicht betrügen. Ihr sollt nicht falsch bei meinem Namen schwören; du würdest sonst den Namen deines Gottes entweihen. Ich bin der Herr. Du sollst deinen Nächsten nicht ausbeuten und ihn nicht um das Seine bringen. Der Lohn des Tagelöhners soll nicht über Nacht bis zum Morgen bei dir bleiben. Du sollst einen Tauben nicht verfluchen und einem Blinden kein Hindernis in den Weg stellen; vielmehr sollst du deinen Gott fürchten. Ich bin der Herr. Ihr sollt in der Rechtsprechung kein Unrecht tun. Du sollst weder für einen Geringen noch für einen Großen Partei nehmen; gerecht sollst du deinen Stammesgenossen richten. Du sollst deinen Stammesgenossen nicht verleumden und dich nicht hinstellen und das Leben deines Nächsten fordern. Ich bin der Herr. Du sollst in deinem Herzen keinen Haß gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Stammesgenossen zurecht, so wirst du seinetwegen keine Schuld auf dich laden. An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.

 

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Lob sei dir, Lob sei dir, oh Herr,
König der ewigen Herrlichkeit.

Dieser Abschnitt aus dem Buch Levitikus wird von zwei Geboten umrahmt, die wie ein Kranz um eine Art Dekalog liegen, den der biblische Verfasser wiedergibt. Sie lauten: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig" und: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Gott und der Nächste sind auch hier durch das Wort Gottes miteinander verbunden, aber auf andere Weise als im Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe. Die Heiligkeit ist die Seinsweise Gottes. Er ist also anders als wir, abgesondert, transzendent, aber er ist nicht in seine Existenz verschlossen. Gott bittet uns darum, an seinem Leben teilzuhaben. Das führt zur Einladung: „Seid heilig". Er scheint uns zu sagen: Fürchtet euch nicht, an meiner Daseinsform und meiner Vollkommenheit Anteil zu haben. In der Nächstenliebe verwirklicht sich die Einladung zur Heiligkeit, sie ermöglicht es jedem, am göttlichen Leben und an der göttlichen Seinsweise teilzuhaben. Diese beiden Einladungen umrahmen eine Reihe von Geboten, die aufzeigen sollen, wie man auf ganz konkrete Weise heilig werden kann. Einige von ihnen ähneln dem Dekalog im 20. Kapitel des Buches Exodus. Zum Beispiel bezieht sich Vers 11 auf das siebte und achte Gebot: „Ihr sollt nicht stehlen, nicht täuschen und einander nicht betrügen." Das achte Gebot wird teilweise auch in den Versen 15 und 16 wiedergegeben, wenn von Unrecht in der Rechtsprechung und von Verleumdung die Rede ist. Die Gebote beziehen sich vor allem auf den Nächsten, der in Not ist: den Nächsten nicht ausbeuten und ihn nicht um das Seine bringen, dem Tagelöhner seinen Lohn geben, einen Tauben nicht verfluchen und einem Blinden kein Hindernis in den Weg stellen, gerecht richten, niemanden verleumden, nicht das Leben des Nächsten fordern, – womit vielleicht die Möglichkeit gemeint ist, jemanden aufgrund einer falschen Zeugenaussage zu verurteilen, wie es zum Beispiel bei Nabot in 1 Kön 21 vorkam, - keinen Hass im Herzen tragen, sondern den Nächsten offen zurechtweisen, sich nicht rächen, nicht nachtragend sein. Auch wenn ihre Sprache von der rechtlichen Praxis der damaligen Zeit geprägt ist, sind diese Gebote sehr aktuell. Sie helfen uns, über die konkreten Verhaltensweisen nachzudenken, die uns daran hindern, den Weg der Heiligkeit einzuschlagen, der darin besteht, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst. Der Herr verlangt von uns kein unmögliches Maß. Und doch, wenn wir daran denken, wie sehr jeder sich selbst liebt, können wir uns vorstellen, wie sich unser Leben verändern würde, wenn wir das gleiche Maß an Liebe für andere aufwenden würden.


15/02/2016
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