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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Amos 8,4-6.9-12

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. An jenem Tag - Spruch Gottes, des Herrn - lasse ich am Mittag die Sonne untergehen und breite am hellichten Tag über die Erde Finsternis aus. Ich verwandle eure Feste in Trauer und all eure Lieder in Totenklage. Ich lege allen ein Trauergewand um und schere alle Köpfe kahl. Ich bringe Trauer über das Land wie die Trauer um den einzigen Sohn, und das Ende wird sein wie der bittere Tag (des Todes). Seht, es kommen Tage - Spruch Gottes, des Herrn -, da schicke ich den Hunger ins Land, nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern nach einem Wort des Herrn. Dann wanken die Menschen von Meer zu Meer, sie ziehen von Norden nach Osten, um das Wort des Herrn zu suchen; doch sie finden es nicht.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Dieser Abschnitt gehört zum letzten Teil des Buches Amos, den Kapiteln 7-9, der fünf Visionen der göttlichen Strafe enthält, die erst angedroht und dann ausgeführt wird. Mit der vierten Vision, die von einem Korb mit reifen Früchten handelt (Am 8,1-3) verkündet der Prophet, dass Israel nun reif für sein Ende ist. Das Wort Gottes lässt uns die Geschichte in ihrer Tiefe lesen und über unsere oberflächlichen Sichtweisen und äußerlichen Kriterien hinausblicken. Indem Amos auf das Wort Gottes hört, hat der Prophet Anteil an Gottes eigener Vision für die Geschichte. So ist er berufen, sie dem Volk mitzuteilen, zu dem der Herr ihn schickt. Im heutigen Abschnitt nun sieht Amos das Ende einer Gesellschaft, die auf Reichtum und Sattheit gegründet ist und der es weder gelungen ist, Gerechtigkeit zu schaffen, noch die Armen zu lieben. Wegen dieses Unrechts kommt es am Ende unausweichlich zum schmerzhaften Zusammenbruch. Die Weigerung, auf das Wort Gottes zu hören, das die Propheten unablässig verkündeten, führt immer in die Zerstörung. Nicht Gott verhängt die zerstörerische Strafe, sondern es ist die Korruption der Gesellschaft, die sie in den Zusammenbruch treibt. Die Einwohner Samarias, der Hauptstadt des Königreiches Israel, waren zu allem bereit, um ihren Reichtum zu vergrößern; jedes Mittel der Bereicherung war ihnen recht. So wird die Korruption zur Normalität. Sogar die Feste, wie etwa „das Neumondfest", und der Sabbat, also dem Herrn geweihte Zeiten, wurden zum Anlass, um sich zu bereichern und zu raffen und dabei keinerlei Rücksicht auf die Armen zu nehmen. Das prophetische Wort ermahnt, dass man der Täuschung des Reichtums nicht nachgeben soll, denn diese führt leicht dazu, dass man Gott vergisst und die Armen verachtet. Den Herrn lassen diejenigen kalt, die in den Kultriten zu ihm kommen, aber in Sattheit und ohne Liebe leben. Der Tag des Herrn, der mit apokalyptischen Bildern beschrieben wird – nämlich mit dem Sonnenuntergang am Mittag und der Finsternis auf der Erde – wird schrecklich sein. Denn die Feste werden sich in Trauer verwandeln und die Lieder in Totenklage, die edle Kleidung in Trauergewänder und die stolzen Häupter in kahlgeschorene Köpfe. Es geht so weit, dass Israel den bittersten Schmerz erleben muss, nämlich die Trauer um den Tod des einzigen Sohnes und somit die Auslöschung der Familie. Es gibt zu denken, dass dieses Schreckensbild des Todes sich durch das Schwinden des Wortes Gottes verwirklicht, denn man wird nach dem Wort Gottes hungern, um Linderung zu finden, aber die Prophetie wird erloschen und dieses Brot unauffindbar sein. Dies ist eine Ermahnung, die Gnade der Zeit der Verkündigung zu nutzen.


01/07/2016
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