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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Gedenken an den heiligen Antonius von den Kiewer Höhlen (+ 1073). Mit dem heiligen Theodosius ist er der Vater des russischen Mönchtums und gilt als Gründer des Höhlenklosters.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird in Ewigkeit nicht sterben.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch Jeremia 7,1-11

Das Wort, das vom Herrn an Jeremia erging: Stell dich an das Tor des Hauses des Herrn! Dort ruf dieses Wort aus und sprich: Hört das Wort des Herrn, ganz Juda, alle, die ihr durch diese Tore kommt, um dem Herrn zu huldigen. So spricht der Herr der Heere, der Gott Israels: Bessert euer Verhalten und euer Tun, dann will ich bei euch wohnen hier an diesem Ort. Vertraut nicht auf die trügerischen Worte: Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist hier! Denn nur wenn ihr euer Verhalten und euer Tun von Grund auf bessert, wenn ihr gerecht entscheidet im Rechtsstreit, wenn ihr die Fremden, die Waisen und Witwen nicht unterdrückt, unschuldiges Blut an diesem Ort nicht vergießt und nicht anderen Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden, dann will ich bei euch wohnen hier an diesem Ort, in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe für ewige Zeiten. Freilich, ihr vertraut auf die trügerischen Worte, die nichts nützen. Wie? Stehlen, morden, die Ehe brechen, falsch schwören, dem Baal opfern und anderen Göttern nachlaufen, die ihr nicht kennt -, und dabei kommt ihr und tretet vor mein Angesicht in diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, und sagt: Wir sind geborgen!, um dann weiter alle jene Greuel zu treiben. Ist denn in euren Augen dieses Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, eine Räuberhöhle geworden? Gut, dann betrachte auch ich es so - Spruch des Herrn.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen,
so spricht der Herr.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Jerusalemer Tempel, den König Salomo erbaut hatte, war zum Mittelpunkt der Beziehung des Volkes Israel zu Gott geworden. Er war Gebetsort und vor allem Opferstätte. In diesem heiligen Bezirk trat der Mensch in die Kommunion mit dem Herrn ein, er dankte ihm für die empfangenen Wohltaten und erlangte die Verzeihung seiner Sünden. Deshalb erinnert Jeremia an eine alte Glaubenswahrheit Israels, von der die Propheten immer wieder sprechen: Der Tempel ist kein Ort, an dem ein äußerlicher Kult vollzogen wird, der mit dem Leben nichts zu tun hat. Die Propheten, angefangen mit Jesaja (Jes 1), dann Hosea (Hos 6,1–6) und Amos (Am 4,4–5) sagen, dass Gott kein Gefallen hat an Opfern und Gebeten von Menschen, an deren Händen Blut klebt. Gewalt und Ungerechtigkeit passen nicht zum Besuch des Hauses Gottes. Wie Jesus sagt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt" (Mt 7, 21). Die Kommunion mit Gott, die im Tempel entsteht, setzt ein Leben voraus, das sich am Hören auf sein Wort misst, nicht am Hören auf sich selbst. Manchmal läuft man Gefahr, sich mit einem Glauben zufriedenzugeben, der nicht mehr Fleisch wird, der nicht zum Leben und zur Nächstenliebe wird, der nicht für Gerechtigkeit kämpft, der das Herz und die Geschichte nicht verändert. Weder Frömmigkeit noch ein Gebet, dessen einziges Maß man selbst ist, sind genug. Der Tempel ist der Ort der Gemeinschaft, des Volkes Gottes. Dort sind wir nicht alleine. Der christliche Glaube, der im Glauben Israels wurzelt, ist keine Privatsache zwischen dem Einzelnen und Gott, als hätten die anderen damit nichts zu tun. Deswegen ist der Glaube manchmal abstrakt und berührt das Leben und den Alltag nicht, wenn er als Privatsache betrachtet wird, die jeder mit sich selbst ausmacht, ohne den Zuspruch und die Zurechtweisung der anderen. Jeremia gibt Gottes Stimme wieder, indem er hinzufügt: „Bessert euer Verhalten und euer Tun, dann will ich bei euch wohnen hier an diesem Ort." Dieses Gebot wird Wirklichkeit in einem Leben, das sich vom Wort Gottes nährt, sich der Armen annimmt („wenn ihr die Fremden, die Waisen und Witwen nicht unterdrückt") und sich am Glauben der anderen misst, anstatt sich dem Götzendienst hinzugeben. Man kann nicht Jünger sein, ohne die Gebote des Herrn zu verwirklichen und miteinander den Weg der Gerechtigkeit und der Liebe zu suchen.


23/07/2016
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