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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der zweite Brief des Johannes 1,3-9

Gnade wird mit uns sein, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe. Ich habe mich sehr gefreut, unter deinen Kindern solche zu finden, die in der Wahrheit leben, gemäß dem Gebot, das wir vom Vater empfangen haben. Und so bitte ich dich, Herrin, nicht als wollte ich dir ein neues Gebot schreiben, sondern nur das, das wir von Anfang an hatten: daß wir einander lieben sollen. Denn die Liebe besteht darin, daß wir nach seinen Geboten leben. Das Gebot, das ihr von Anfang an gehört habt, lautet: Ihr sollt in der Liebe leben. Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen; sie bekennen nicht, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist. Achtet auf euch, damit ihr nicht preisgebt, was wir erarbeitet haben, sondern damit ihr den vollen Lohn empfangt. Jeder, der darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht. Wer aber in der Lehre bleibt, hat den Vater und den Sohn.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der „Älteste", der den zweiten Johannesbrief verfasst hat, ist wahrscheinlich ein Schüler des Apostels. Somit kann er das „Wir" der Zugehörigkeit zur johanneischen Gemeinde verwenden, der er auch durch diesen Brief dienen möchte. Er schreibt an die Gemeinde, nennt sie „auserwählte Herrin" und unterstreicht damit, dass sie zu den „Auserwählten" gehört, die der Herr als seine Kinder erwählt hat. Schon am Anfang des Briefes bringt er seine Liebe zur Gemeinde zum Ausdruck, indem er bekennt: „die ich in Wahrheit liebe". In wenigen Zeilen wird das Wort „Wahrheit" (aletheia) viermal wiederholt und dadurch das zentrale Thema des Briefes angedeutet. Denn die Liebe Gottes ist keine Frage der Psychologie oder spontaner Gefühle, sie betrifft vielmehr die Wahrheit und damit den in die Herzen der Jünger ausgegossenen Geist Gottes. Ein Leben in der Wahrheit steht unter der Führung des Geistes Gottes. In der Liebe kommt die Wahrheit zur Vollendung. Daher gibt es in christlicher Hinsicht keine Trennung zwischen Wahrheit und Liebe, es sind zwei Gesichter einer Wirklichkeit. Die Jünger müssen in der Wahrheit und in der Liebe und somit im Heiligen Geist wachsen. Beim letzten Abendmahl hat Jesus zu den Jüngern gesagt: „Er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll" (Joh 14,16). Wenn die Gläubigen in der Wahrheit der Liebe bleiben, werden Gnade, Erbarmen und Friede in ihrem Herzen sein. Darum zeigt der Verfasser seine große Freude darüber, dass die Gemeinde „in der Wahrheit lebt, gemäß dem Gebot, das wir vom Vater empfangen haben". Diese Feststellung hält ihn aber nicht davon ab, zur Ausdauer im Leben des Gebotes aufzufordern, „das wir von Anfang an hatten", und zwar des Liebesgebotes. Vielleicht fürchtet der Autor Gefahren von außen, die die Einheit der Gemeinde beeinträchtigen könnten. Jedenfalls ist es seiner Meinung nach notwendig, noch einmal auf den Primat der gegenseitigen Liebe hinzuweisen. Denn es geschieht leicht, dass man sich von den Sorgen um sich und die eigenen Dinge mitreißen lässt und den für das christliche Leben grundlegenden Primat Gottes und der Geschwister vergisst. Schon Jesus sagt: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!... Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid" (Joh 13,34-35). In der Tradition wird überliefert, dass der Apostel Johannes in den letzten Lebensjahren ständig zu den Jüngern sagte, dass sie einander lieben sollen. Das ist auch heute notwendig.


11/11/2016
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