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| Netecho |
11/05/2004 |
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Treffen der christlichen Bewegungen Europas in Stuttgart: Mehr Geist und Geschwisterlichkeit |
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Rund 10000 Gläubige verschiedener Konfessionen und Länder waren unter dem Motto »Miteinander für Europa« zusammengekommen. Hohe Prominenz unter den Gästen: EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und Kurienkardinal Walter Kasper sprachen ebenso wie die Kongress-Mitinitiatorin und Gründerin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, und der Gründer der Gemeinschaft Sant' Egidio, Andrea Riccardi. Belgien wurde durch eine 200-köpfige Delegation vertreten. Zudem nahmen zahlreiche Städte des Landes per Satellitenschaltung an dem Treffen in Stuttgart teil. Leitmotiv des Kongresses, das sich durch alle Beiträge zog, war der Wunsch nach mehr Geschwisterlichkeit aus christlichem Geist, nach einer »Seele für Europa«. Konfessionelle Grenzen und Unterschiede zwischen den 175 vertretenen Bewegungen spielten zumindest auf dem Kongress keine Rolle. Dabei trafen in der Stuttgarter Schleyerhalle Bewegungen zusammen, die von ihrer Tradition und Weltanschauung bisher wenig gemeinsames Profi zeigten. Von »marianisch-päpstlich« bis zu streng »evangelikal« reichte die Bandbreite, wie einer der Organisatoren hervorhob. Es gelte, mehr das Gemeinsame als das Trennende zu entdecken, mahnte Lubich. Sie rief zu einem Dialog des Volkes auf, den es neben den offiziellen kirchenpolitischen und theologischen Gesprächsebenen geben müsse. Ein »Europa des Geistes«, das von einer alle einschließenden Liebe erfüllt sei, sollten die Bewegungen voranbringen, sagte die Präsidenten der Fokolare und Trägerin des Unesco-Preises für Friedenserziehung. Was die Fahnen augenfällig symbolisierten, mahnten die Redner immer wieder an: Europa dürfe sich nicht einigeln. Der Kontinent sei keine »bequeme Insel«, betonte Riccardi. Wenn Europa sich nicht um die armen Länder des Südens - vor allem in Afrika - kümmere, bleibe es herzlos. Der Gründer von Sant' Egidio weiß, wovon er spricht. Seine Gemeinschaft nimmt sich in Italien der Migranten an, die übers Meer ins Land kommen. Unter Hinweis auf den Umgang der Christen mit dem Islam sagte Riccardi, es gehe nicht um den Aufbau einer christlichen Front gegen die Muslime. Wohl aber müssten die Christen eine klare Identität finden, auf deren Basis sie mit dem Islam einen von gegenseitigem Respekt getragenen Dialog führen können. In einem vor dem Kongress verlesenen Grußwort mahnte auch Papst Johannes Paul II. zur Solidarität mit den Armen in der Welt. Das europäische Haus können nur gelingen, wenn seine Erbauer über nationale und kontinentale Grenzen hinaus schauten. Der ökumenische Dialog trage entscheidend zu einem europäischen Bewusstsein bei, das auf dem christlichen Glauben gründe, so Johannes Paul II. Von einer »prophetischen und historischen Stunde« sprach der Kongress-Mitinitiator und Vorsitzende der Geistlichen Gemeindeerneuerung, Friedrich Aschoff. Das Treffen habe gezeigt, dass nicht Abgrenzung und Ängstlichkeit unter den Christen bestimmend sein müssten. Vielmehr seien Vielfalt, Bewegung und Übereinstimmung zu spüren gewesen. In 150 Städte wurde der von einem musikalischen Programm begleitete Kongress übertragen. Gemeinsam verabschiedeten die Gemeinschaften und Bewegungen eine »Erklärung für Europa«. Darin fordern sie eine gerechte Verteilung der Güter und Ressourcen, Offenheit für alle Menschen anderer Kulturen und religiöser Traditionen sowie Solidarität mit den Schwachen und Bedürftigen.
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