Comunità di S.Egidio


 

15/05/2004


Christliche Bewegungen wünsche eine Seele für Europa

 

Über allem die bunten Fahnen aller EU-Länder : Wird die wachsende europäische Gemeinschaft so vielfältig und dabei so harmonisch vereint wie beim ersten Europatag christlicher Bewegungen und Gemeinschaffen in Stuttgart muss einem um die Zukunft des Kontinents nicht bange sein.

Rund zehntausend Gläubige verschiedener Konfessionen und Länder waren unter dem Motto „Miteinander für Europa“ zusammengekommen.

Hohe Prominenz unter den Gästen : EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und Kurienkardinal Walter Kasper sprachen ebenso wie die Kongress-Mitinitiatorin und Gründerin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, und der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio, Andrea Riccardi.

Leitmotiv der Kongresses das sich durch alle Beiträge zog, was der Wunsch nach Geschwisterlichkeit aus christlichem Geist, nach einer „Seele für Europa“. Konfessionelle Grenzen und Unterschiede zwischen den 175 vertretenen Bewegungen spielten zumindest auf dem Kongress keine Rolle.

Dabei trafen in der Stuttgarter Schleyerhalle Bewegungen zusammen, die von ihrer Tradition und Weltanschauung bisher wenig gemeinsames Profil zeigten.

Von „marianisch-päpstlich“ bis zu „evangelikal“ reichte die Brandbreite, wie einer der Organisatoren hervorhob. Es gelte, mehr das Gemeinsame als das Trennende zu entdecken, mahnte Lubich. Sie rief zu einem Dialog des Volkes auf, den es neben den offiziellen kirchenpolitischen und theologischen Gesprächsebenen geben müsse. Ein „Europa des Geistes“, das von einer alle einschliessenden Liebe erfüllt sei, sollten die Bewegungen voranbringen, sagte die Präsidenten der Fokolare und Trägerin des Unesco-Preises für Friedenserziehung.

Blick über die Grenzen

Was die Fahnen augenfällig symbolisierten, mahnten die Redner immer wieder an : Europa dürfe sich nicht einigeln. Der Kontinent sei keine „bequeme Insel“ betonte Riccardi. Wenn Europa sich nicht um die allem in Afrika – kümmere, bleibe es herzlos. Der Gründer von Sant’Egidio weiss, wovon er spricht. Seine Gemeinschaft nimmt sich in Italien der Migranten an, die übers Meer ins Land kommen. Unter Hinweis auf den Umgang der Christen mit dem Islam sagte Riccardi, es gehe nicht um den Aufbau einer christlichen Front gegen die Muslime.

Wohl aber müssten die Christen eine klare Identität finden, auf deren Basis sie mit dem Islam einen von gegenseitigem Respekt getragenen Dialog führen können.

In einem vor dem Kongress verlesenen Grusswort mahnte auch Papst Johannes Paul II zur Solidarität mit den Armen in der Welt.

Das Europäische Haus könne nur gelingen, wenn seine Erbauer über nationale und kontinentale Grenzen hinaus schauten.

Der ökumenische Dialog trage entscheidend zu einem europäische, Bewusstsein bei, das auf dem christlichen Glauben gründe, so Johannes Paul II.

Mehr Gerechtigkeit

Von einer „prophetischen und historischen Stunde“ sprach der Kongress-Mitinitiator und Vorsitzende der Geistlichen Gemeindeerneuerung, Friedrich Aschoff. Das Treffen habe gezeigt, dass nicht Abgrenzung und Ängstlichkeit unter den Christen bestimmend sein müssten. Vielmehr seien Vielfalt, Bewegung und Übereinstimmung zu spüren gewesen. In 150 Städte wurde der von einem musikalischen Programm begleitete Kongress übertragen.

Gemeinsam verabschiedeten die Gemeinschaften und Bewegungen eine „Erklärung für Europa“.

Darin fordern sie eine gerechte Verteilung der Güter und Ressourcen, Offenheit für alle Menschen anderer Kulturen und religiöser Traditionen sowie Solidarität mit den Schwachen und Bedürftigen.