Comunità di S.Egidio


 

18/11/2004


Balzan-Preis für Laienbewegung Sant’Egidio
Zwei Millionen Franken für Hilfsprojekt in Moçambique Am Donnerstag hat die christliche Laiengemeinschaft Sant’Egidio in Rom von der Balzan-Stiftung den mit 2 Millionen Franken dotierten Sonderpreis für Humanität und Frieden erhalten. Ausgezeichnet wurde ein Hilfsprojekt zur Bekämpfung von Aids in Moçambique. Ausserdem wurden vier Wissenschafter für ihre Leistungen prämiert.

 

Am Donnerstag hat der italienische Staatspräsident Ciampi in der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom die diesjährigen Preise der schweizerisch-italienischen Balzan-Stiftung überreicht. Neben den Preisen für vier Wissenschafter wurde diesmal auch der nur alle drei bis fünf Jahre verliehene und mit 2 Millionen Franken dotierte Sonderpreis für «Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern» überreicht, und zwar an die christliche Laienbewegung Sant'Egidio. Die 1968 von Schülern und Studenten in Rom gegründete Gemeinschaft, die neben verschiedenen humanitären Projekten im eigenen Land inzwischen auch weltweit tätig ist und bereits über 40 000 Mitglieder in 75 Ländern zählt, wurde von der Balzan-Stiftung im Besonderen für das soziale Hilfsprogramm Dream (Drug Enhancement Resource Against Aids and Malnutrition) in Moçambique ausgezeichnet.

Der weltweit höchstdotierte Friedenspreis

Den Balzan-Sonderpreis, den weltweit höchstdotierten Friedenspreis, hatten zuvor neben anderen auch schon Papst Johannes XIII. (1962), Mutter Theresa (1978) oder das IKRK (1996) erhalten. Die Gemeinschaft Sant'Egidio, die sich nach einem Kloster im Römer Stadtviertel Trastevere benannt hat und 1986 von der katholischen Kirche als Laienbewegung offiziell anerkannt wurde, setzt sich neben ihrer konkreten Sozialarbeit seit Mitte der achtziger Jahre auch für den Frieden, die Ökumene und den Dialog zwischen den Religionen ein. In Moçambique wurden bereits seit der Zeit des Bürgerkriegs Einrichtungen geschaffen, um die Entwicklung und Bildung von Kindern zu fördern sowie Betagten, Obdachlosen und Gefangenen Beistand zu leisten.

Die Organisation konnte so auch eine aktive und in mancher Hinsicht gar entscheidende Rolle in den Verhandlungen spielen, die von den Vereinten Nationen und zahlreichen Regierungen geführt wurden. Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens in Rom im Jahre 1992 stellte sich jedoch nicht nur die Herausforderung des Wiederaufbaus des Landes, sondern auch alsbald jene der Aids-Epidemie. Das Projekt Dream bemühte sich in der Folge nicht nur um die unmittelbare Behandlung der Kranken, sondern vorab auch um die strukturellen Voraussetzungen für eine wirksame Prävention und Therapie.

Die Balzan-Stiftung verlieh bei der Feier in Rom auch wieder die seit 1961 vergebenen jährlichen Preise für herausragende Wissenschafter. Mit je einer Million Franken ausgezeichnet wurden folgende vier Forscher: die amerikanische Historikerin Nikki Ragozin Keddie (emeritierte Professorin der University of California in Los Angeles) für ihre Forschungen über die islamische Welt ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, der aus Grossbritannien stammende Archäologe und Prähistoriker Colin Renfrew (emeritierter Professor der Universität Cambridge), der ebenfalls britische Begründer der Sozialepidemiologie Michael Marmot (University College London) und der belgische Mathematikprofessor vom Institute for Advanced Study in Princeton im amerikanischen Gliedstaat New Jersey.

Anders als Nobelpreise

Im Gegensatz zu den Nobelpreisen wird für die Balzan-Auszeichnungen jedes Jahr neu festgelegt, auf welchen Gebieten der Wissenschaft herausragende Forscher geehrt werden sollen. Für 2005 sind Preise in den Disziplinen Populationsbiologie, Mineralphysik, Kunstgeschichte Asiens sowie Sozial- und Kulturgeschichte der Stadt seit Anfang des 16. Jahrhunderts ausgeschrieben worden. Eine weitere Eigenart der alljährlich abwechselnd in der Schweiz und in Italien vergebenen Fachpreise besteht darin, dass die Ausgezeichneten zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses jeweils die Hälfte der Preissumme Forschungsprojekten ihrer Wahl zur Verfügung stellen müssen.

Die in Zürich und Mailand ansässige Balzan-Stiftung geht auf die Tochter von Eugenio Balzan (1874-1953) zurück. Der frühere langjährige Geschäftsführer und Mitherausgeber der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera» war 1933 wegen des wachsenden Drucks der Faschisten in die Schweiz emigriert und hatte seiner Tochter Angela Lina bei seinem Tod in Lugano ein bedeutendes und ertragreich angelegtes Vermögen hinterlassen.