Comunità di S.Egidio


 

24/11/2006


Regenbogen für das Leben
Ab dem 30. November erstrahlen neun Lüdenscheider Kirchen in verschiedenen Farben. Aktion richtet sich gegen die Todesstrafe

 

LÜDENSCHEID • "Es ist meine absolute Lieblingsbewegung", erklärt Johannes Broxtermann. Und doch ist der Kontakt zur Gemeinschaft Sant’Egidio zur Stadt nicht über den katholischen Kreisdechanten zustande gekommen. Die internationale Kampagne unter dem Motto "Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe" schrieb von sich aus das Lüdenscheider Rathaus an - und stieß auf offene Ohren. Von Donnerstag, 30. November, bis etwa zum Jahresende wird es in der "Stadt des Lichts" einen überdimensionalen Regenbogen geben.

Wobei: Der Mensch kann immer nur Teile des gesamten Kunstwerkes erkennen. Neun evangelische und katholische Kirchen in mehreren Stadtteilen werden in jeweils einer Regenbogen-Farbe angestrahlt. In ähnlicher Weise hat die Künstlerin - Waltraut Cooper aus Österreich - bereits mehrfach gearbeitet. Anlässlich der EU-Ost-Erweiterung tauchte sie bedeutende Gebäude in Warschau, Berlin, Moskau, Rom, Wien und Brüssel in jeweils eine der sechs Regenbogen-Farben. Zu den Salzburger Festspielen 2004 wandte sie das Prinzip auf die Mozart-Stadt an.

Die Erlöserkirche wird orangefarben, St. Joseph und Medardus rot, die Kreuzkirche blau, die Auferstehungskirche violett, die evangelische Kirche Brüninghausen grün. Jeweils in gelbem Licht erstrahlen Maria Königin, die Apostel- und die Johanneskirche sowie die evangelische Kirche Oberrahmede. Als Sponsor hat die Stadt die Hagener Firma Themel gewonnen.

Die Regenbogenfarben leuchten ab Sonnenuntergang am 30. November - also an dem Tag, der auch offiziell zum "Europäischen Tag gegen die Todesstrafe" werden soll. Aktuell beteiligen sich jährlich etwa 500 Städte, darunter 30 Hauptstädte, mit Aktionen und unterstützen so das Anliegen der Gemeinschaft Sant’Egidio, die 1968 vom seinerzeit 18-jährigen Andrea Riccardi gegründet wurde. Die Gemeinschaft engagiert sich nicht nur gegen die Todesstrafe, sondern auch für Obdachlose, Drogenabhängige und weitere Bedürftige. "Die Gemeinschaft ist für mich die Seele der Stadt Rom", unterstreicht Johannes Broxtermann.

Auch wenn die Kirchengemeinden recht kurzfristig zur Lichtkunst-Aktion kamen: Die Unterstützung war ebenso da wie die Identifikation mit dem Engagement für das Leben. So erklärt die Oberrahmeder Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg: "Wenn ich an jetzt an Siegburg und Emsdetten denke - es ist gut, dass ich in diesem Moment aufstehen kann gegen Gewalt."

Von Björn Althoff