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Internationales Friedenstreffen: "Wege des Friedens 2017 - Religionen und Kulturen im Dialog"

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17/10/2017
Gedenken an die Mutter des Herrn

Das tägliche Gebet


 
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20 September 2016 17:15 | Piazza San Francesco

Rede von Bartholomäus I.



Bartolomeo I


Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel

Ihre Heiligkeit.
Eminenzen, Exzellenzen,
Verehrte Vertreter der Religionen und Kulturen,
Würdenträger,
Brüder und Schwestern,

Indem wir alle hierher eingeladen wurden hat dieses Internationale Treffen uns die Gelegenheit gegeben, einander in die Augen zu schauen, aufrichtig zu sprechen, einander zuzuhören, die spirituellen Reichtümer des anderen zu genießen und in erster Linie, "Freunde" zu sein. Diese Freundschaft, diese bedingungslose Liebe für einander stillt unseren Durst nach Frieden. Er wird gestillt, weil der Friede frei ist, tief und verwurzelt im Herzen jedes Menschen, der für Gläubige nach dem Abbild Gottes geschaffen ist und für kulturell und humanistisch Denkende, ein Teil der gleichen Menschheitsfamilie ist.

Tatsächlich haben wir nicht nur eines außerordentlichen Ereignisses gedacht, das von unseren Vorgängern vor 30 Jahren begangen wurde. Wir haben auch unser Engagement für den Frieden mit neuem Leben erfüllt, in Freundschaft, durch mutige Gesten, die neue Wege für Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Kulturen und großen religiösen Familien in der Welt eröffnet haben.

Allerdings braucht der Friede einige Ecksteine, um ihn aufrecht zu erhalten, auch wenn er bedroht ist.

Es kann keinen Frieden geben, ohne gegenseitigen Respekt und Anerkennung. Es kann keinen Frieden geben, ohne Gerechtigkeit, es kann keinen Frieden geben, ohne eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen allen Völkern auf der Welt.

In diesen Jahren sehen wir wieder ethnische, religiöse und kulturelle Mehrheiten, die ihre eigenen Minderheiten als Fremdkörper ansehen, gefährlich für ihre Integrität, als etwas, das man an den Rand drängen, ausweisen oder manchmal schrecklicherweise auch vernichten muss. Wir beobachten, wie Minderheiten sich in sich selbst verschließen, in ihren eigenen Ghettos aus Furcht davor zu unterzugehen, mit der Angst vor Vergleichen und die zu oft zur Gewalt greifen. Das ist entmutigend, es verursacht Massenmigration und es schafft Probleme für das willkommen heißen, die Solidarität und die Menschlichkeit.

Aber Friede braucht auch Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit ist eine Weltwirtschaft, die sich um die Bedürfnisse der Ärmsten kümmert, die die Situation unseres Planeten beachtet, unsere Umwelt schützt, die für Gläubige Gottes Schöpfung ist, aber auch das Gemeinsame Haus aller. Das bedeutet auch, die kulturellen, religiösen und künstlerischen Traditionen jedes Volkes auf Erden zu schützen. Es bedeutet, fähig zur Solidarität zu sein, nicht als bloße Unterstützung, sondern indem man die Bedürftigkeit spürt, den Schmerz, die Freude des anderen, als wäre es unsere eigene. Gerechtigkeit ist die Übereinstimmung mit dem, was wir bekennen und woran wir glauben, während wir fähig zum Dialog mit dem anderen sind, fähig, den Reichtum in den anderen zu sehen, fähig, die anderen nicht zu überwältigen, uns nicht dem Nachbarn überlegen oder unterlegen zu fühlen. Gerechtigkeit bedeutet zu ermöglichen, dass jeder und jede im Land seiner und ihrer Vorväter leben kann, in Frieden und Liebe und dass jeder in sein und ihr Land zurückkehren kann, damit die menschliche Gesellschaft wachsen kann.

Deswegen kommt der Frieden durch das gegenseitige Kennenlernen und die Zusammenarbeit. Als Glaubensrichtungen, als humanistische Kulturen, als Menschen müssen wir heutzutage all das auf neue Weise wiederbeleben, durch neue Gesten.

Wenn wir nach zuhause zurückkehren, dann glauben wir, dass jede religiöse Familie, jeder Kultur genau in diesem Moment der Geschichte, in sich selbst hineinschauen muss. Während wir respektvoll gegenüber allen religiösen und humanistischen Überzeugungen sind, glauben wir, dass Selbstkritik und Selbstanalyse notwendig sind. Wir müssen in der Lage sein, uns zu fragen, wo wir uns vielleicht geirrt haben oder wo wir nicht umsichtig genug gewesen sind, denn Fundamentalismen sind entstanden, die nicht nur unseren Dialog mit anderen bedrohen, sondern auch den Dialog in uns selbst, unser ureigenes Gewissen. Wir müssen in der Lage sein, sie zu isolieren, sie zu läutern, im Lichte unseres Glaubens, sie zu verwandeln, so dass sie zu einem Reichtum für uns alle werden.

Wenn wir in der Lage sind, das zu tun, dann wird der Dialog echt und lebendig werden, weil die Zusammenarbeit keine Unterwerfung sein wird, sondern eine Chance, um gemeinsam in die Geschichte einzugreifen, die Chance, gemeinsam das Schicksal der Geschichte zu schreiben. Wir haben die Verpflichtung, uns gemeinsam für den Schutz jedes Menschen einzusetzen, von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende, respektvoll gegenüber jeder Phase seines oder ihres Lebens. Wir müssen uns verpflichten, unser Gemeinsames Haus und alles, was darin ist, zu bewahren, denn als Gott es geschaffen hat, wollte er nicht eine Pflanze, ein Tier, eine einzelne Person, einen Planeten, einen Stern. Er wollte viele, alle verschieden, jedes mit seinen Eigenarten und Besonderheiten, verbunden in einer nützlichen und liebevollen Kommunion. Dies ist der Reichtum, den wir verkünden, schützen und zusammen leben müssen.

#peaceispossible #thirstforpeace
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