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19/10/2017
Gedenken an die Kirche

Das tägliche Gebet


 
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11 September 2017 09:30 | Franz-Hitze-Haus, Saal 1

Rede von Avraham Itzhak Radbil



Avraham Itzhak Radbil


Rabbiner, Deutschland
Meine Damen und Herren, ich sage es zwar sehr ungern und ich hoffe, dass ich damit nicht das Weltbild von einem oder anderen zerstöre, aber wir leben in einer kranken Welt. Wir leben in einer Welt voller Kriege, voller Hass, voller Gewalt. 
 
Es wäre viel zu vereinfacht zu sagen, dass die Heilung der Welt allein durch das Gebet kommen würde, jedoch ist das Gebet, das richtige Gebet ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
 
Der Talmud sagt: „Groß ist der Frieden, denn alle unsere Gebete enden mit dem Wort Schalom, Frieden“. Tatsächlich ist es so, dass alle wichtigsten Gebete im Judentum, so wie die Amida, das Hauptgebet, welches wir drei Mal täglich sagen, Birkat Hamason, das Gebet nach dem Essen, das Aharonitische Segen, mit dem die Kohanim, die Priester das Volk segnen, und mit welchem wir wöchentlich am Schabbat unsere Kinder segnen und einige andere Gebete enden mit dem Wort „Schalom“.
 
Der Talmud fragt, warum alle Gebete ausgerechnet mit diesem Wort enden. Die Antwort ist, dass G-tt suchte nach einem Gefäß, indem Er alle Segen unterbringen konnte. Dieses Gefäß ist der Frieden. Mit den anderen Worten, wenn das Gefäß zerbrochen ist, können alle anderen Segen, wie Gesundheit, Wohlstand, Erfolg und andere, leicht herausfließen. Ohne Frieden können alle anderen Segen nicht existieren. Insofern ist der Segen für den Frieden der aller wichtigste Segen und kommt immer am Schluss um dieses zu verdeutlichen.
 
Das Wort Schalom im Hebräischen stammt vom Wort Schlemut ab. Schlemut bedeutet Vollkommenheit, Ganzheit, denn nur in einem Friedenszustand können wir die Vollkommenheit erreichen, unser Potenzial ausschöpfen und schließlich unser Ziel auf dieser Welt erreichen.
 
Diese Werte werden unseren Kindern von klein an beigebracht, damit sie es schnellstmöglich verinnerlichen. Nur so kann man zu dem Weltfrieden beitragen, den Kindern von klein an beibringen, dass der Frieden das höchste Gut und unsere höchste Priorität ist, denn ohne den Frieden ist alles andere wertlos. Das sehe ich als eine der wichtigsten Aufgaben der Religionen.
 
Der Talmud sagt: Hillel sagte: Sei von den Schülern Aharons, liebe den Frieden und verfolge den Frieden. Die Kommentatoren erklären die doppelte Ausdrucksweise, den Frieden zu lieben ist passiv. Das bedeutet, dass man niemandem was Schlechtes antut und keinen Streit sucht. Doch die Abwesenheit des Krieges ist kein idealer Friedenszustand. Somit ist den Frieden nur passiv zu lieben ist nicht genug, man muss den Frieden auch aktiv verfolgen, sich um den Frieden bemühen. So falls es einen Streit gab, versuchte auch Aharon immer aktiv zu werden und zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. Den Friedenszustand zu schaffen ist nicht genug, der Frieden muss ständig, durch viel Arbeit aufrecht erhalten werden. Diese Vorsätze gelten für einen selbst, also für den inneren Frieden, für die Familie, für die Gemeinde, für die Religionsgemeinschaft und schließlich für die ganze Welt.
 
Doch das ständige Gebet ist die Grundbasis davon. Alle unsere Bitten, die wir in unserem Hauptgebet Amida zum Ausdruck bringen, sind in der Pluralform verfasst. Also wenn wir für Gesundheit, Wohlergehen, Wohlstand und Frieden beten, beten wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für alle anderen. Dieses ist eine wichtige Lehre im Umgang mit den anderen und in der Nächstenliebe, ich bin nicht nur für mich allein verantwortlich, sondern selbst im Moment der größten Intimität mit dem Allmächtigen, während des Gebetes, in der Zeit wo ich mein Herz ausschütte und um persönlichste Sachen bitte, darf ich nicht vergessen, dass ich nicht nur für mich allein verantwortlich bin, und dass ich auch andere Menschen in mein Gebet einschließen soll.
 
Ich habe mal einen Vergleich gehört, der alle Menschen mit langen Stäben vergleicht. Wenn jeder was anderes möchte und in eine andere Richtung geneigt ist, dann kreuzen sich die Stäbe, reiben sich an einander und es gibt für niemanden genug Platz. Doch wenn alle Stäbe nach oben gerichtet sind, stehen alle aufrecht und es reibt sich keiner an dem anderen und es gibt auch genug Platz für alle. So ist es mit uns Menschen, wenn jeder was anderes wünscht und andere Ziele verfolgt, dann stehen wir uns oft im Weg und behindern uns nur gegenseitig. Doch wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen ist man viel effektiver und effizienter. Uns unterschiedliche Religionen verbindet der Glaube an G-tt, so wenn wir alle unsere Blicke nach oben zum Allmächtigen richten und es anerkennen, dass wir alle Geschöpfe G-ttes sind, sehen wir dass es Platz für uns alle in dieser Welt gibt, und dass die vielen unterschiedliche Menschen sich nicht gegenseitig stören und behindern, sondern ergänzen.
 
Viele beklagen, dass die Präsenz G-ttes in der Welt nicht zu spüren ist. Doch vielleicht liegt der Grund dafür bei uns selbst. Der Midrasch erzählt, wie G-tt den Ort für seine ständige Präsenz, also für den Tempel bestimmte. Ein wohlhabender Vatter hatte zwei Söhne. Ein der Söhne heiratete und gründete eine Familie mit vielen Kindern, der andere hatte leider nicht das Glück eine Lebensgefährtin zu finden und eine Familie zu gründen. Als der Vatter verstarb hat er beiden Söhnen einen mit Gold gefüllten Sack als Erbe hinterlassen. In der Nacht konnten beide Brüder nicht schlaffen. Der eine dachte darüber, wie sehr er mit seiner Familie und vielen Kindern gesegnet wurde, und wie schlecht es dem alleinstehenden Bruder ergehen muss. Er braucht das Gold viel mehr als ich, denn wenn er schon keine Familie hat, kann er sich wenigstens am Gold erfreuen. Der andere Bruder dachte, ich bin alleine, wie viel Geld brauche ich schon? Mein Bruder hat eine große Familie und große Ausgaben, er braucht das Gold viel mehr als ich. Beide trafen zur selben Zeit die Entscheidung das Gold dem anderen zu überlassen. Als sie sich das Gold gegenseitig bringen wollten, trafen sie sich genau in der Mitte und umarmten sich.
 
Als der Allmächtige dieses gesehen hat, sagte Er:“Hier, in diesem Ort möchte ich weilen. Hier soll mein Tempel stehen. Dieses ist ein Ort des Friedens.“ So war auch der Tempel ein Ort des Friedens und des Gebetes für alle Völker, wie es steht:“Ki Bejti Bejt Tfila lekol Haamim“, Denn mein Haus ist das Haus des Gebetes für alle Völker.
 
G-tt möchte an einem Ort des Friedens weilen, es liegt jedoch an uns die Welt zu diesem Ort zu machen!!!

 

#peaceispossible #stradedipace
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