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Rom: Gebet mit den Roma und Sinti zum Gedenken an Mario und alle in Rom gestorbenen Romakinder in der St. Bartholomäusbasilika


 
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Rom: Gebet mit den Roma und Sinti zum Gedenken an Mario und alle in Rom gestorbenen Romakinder in der St. Bartholomäusbasilika
27. September 2010 



Emilia, die Mutter des kleinen Mario, entzündet eine Kerze zum Gedenken an ihn

Viele waren gestern in die St. Bartholomäusbasilika auf der Tiberinsel gekommen, um Marian und Emilia, den jungen Eltern des kleinen Romakindes Mario nahe zu sein, der vor einem Monat beim Brand der Baracke umkam, in der er mit seiner Familie lebte.

Roma, Sinti, Italiener und mitten unter ihnen der Bürgermeister von Rom wurden von der Gemeinschaft Sant'Egidio, der Caritas der Diözese Rom und der Vereinigung Gemeinschaft Papst Johannes XXIII. eingeladen. Viele Kinder waren da. Denn das Romavolk ist überwiegend sehr jung.

"Wie kann die Distanz, die zu einem Abgrund wird, überwunden werden, wie sollen wir uns um ihre Zukunft kümmern?" Die Worte von Msgr. Marco Gnavi aus dem Kommentar zum Evangelium über den Reichen und den armen Lazarus stellen Fragen an die Herzen.

Nadia, Sneza, Gabriele, Angelo, Lidia, Zvonko, Renko, Alex, Avdia…. Es herrscht eine tiefe Stille, während die Namen der Roma- und Sintikinder vorgelesen werden, die in den vergangenen zwanzig Jahren in Rom gestorben sind. Es sind über fünfzig: sie sind verbrannt oder erfroren, in nahe bei den Lagern gelegenen Flüssen ertrunken oder wurden von Autos überfahren.

Ganze Familien kommen gemeinsam voller Rührung zu den großen Kerzenständern, jeder Name ist eine Kerze. Die den Märtyrern unserer Zeit gewidmete Kirche wird vom Licht des Lebens dieser gewaltsam umgekommenen Kleinen erleuchtet.

Homilie von Msgr. Marco Gnavi       -     Lukas 16, 19-31     -                  (il Text pdf)

Liebe Brüder und Schwestern,

in dieser St. Bartholomäusbasilika auf der Tiberinsel, die Johannes Paul II. zum Gedenkort der "neuen Märtyrer" des 20. und 21. Jahrhunderts gemacht hat, erklingt heute das Evangelium vom armen Lazarus und vom reichen Prasser, das wir in der Liturgie am vergangenen Sonntag gehört haben. Wir hören es noch einmal und denken an Mario, einen kleinen Roma im Alter von nur drei Jahren, der vor einem Monat bei einem Brand in der Baracke ums Leben kam, in der er mit seinen jungen Eltern Marian und Emilia schlief. Der kleine wenige Monate alte Bruder Marco Giovanni ist noch mit schweren Verbrennungen im Gemellikrankenhaus in ärztlicher Behandlung, wo um sein Leben und seine Heilung gekämpft wird.
Marian und Emilia, ihr seid nicht allein! Im Gebet und im Schmerz ist Mario gleichsam unser Verwandter geworden. Mario ist im Herzen der Kirche: Roma und Sinti, Italiener und Nichtitaliener, vor Gott sind wir alle eine Familie. Das bezeugen Euch mit der Gemeinschaft Sant'Egidio die Vereinigung Johannes XXIII., die zahlreich aus drei italienischen Städten hier anwesend ist und unter uns das Andenken an Don Oreste Benzi, einen Freund Gottes und der Armen mit Leben erfüllt, und auch Msgr. Enrico Feroci, der Direktor der römischen Caritas, und viele Freunde, die heute hier bei uns sind, unter ihnen auch Don Bruno Nicolini im hohen Alter, der eine große Liebe zum Volk der Roma hegt. Wir grüßen alle Romafamilien herzlich, die sich in dieser St. Bartholomäusbasilika dem Leid und unserer Hoffnung anschließen. Wir spüren gewissermaßen auch die Anwesenheit von Don Luigi Di Liegro mit seinem liebevollen Blick für die Roma, der jedoch streng werden konnte, wenn es um den Schutz der Schutzlosen ging.
Ich danke allen und insbesondere Herrn Bürgermeister Gianni Alemanno, der sich unserem Gebet anschließt. Seine Anwesenheit sagt uns, dass der Tod von Mario im Grunde der Tod eines Römers ist und ein Schmerz für unsere Stadt.
Das kleine zerbrochene Leben von Mario stellt Fragen an uns alle. Vor Gott sind wir eine einzige Familie, denn wir alle müssen vor ihm über die Liebe Rechenschaft geben. Es ist eine Liebe, die dem Tod und dem Bösen widerstehen kann.
Denn es Abgrund trennt das Schicksal Marios vom Schicksal vieler Kinder, unserer Kinder. Wie anders ist das Leben! Es ist der Abgrund zwischen dem Reichen und Lazarus, der bei den Hunden lebt.
Seine Wunden werden nie gepflegt. Seine Sehnsucht nach den Überresten des Tisches steht im Widerspruch zur Kleidung des Reichen und beweist mit dem reich gedeckten Tisch die Ungleichheit der Mittel. Lazarus ist von Wunden übersät, sodass die Hunde kommen und seine Geschwüre lecken. Die Hunde waren für die Juden unreine Tiere. Doch viele sehen den Abgrund nicht.
Das Evangelium betont, dass Lazarus sich nicht einmal dem Tisch nähern konnte. Die Tür des Reichen war eine unüberwindliche Grenze, weil der Reiche taub war gegenüber dem Gesetz, gegenüber Mose und den Propheten, die das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe verkünden.
Das Wort Gottes erleuchtet uns, die wir diesen Abgrund sehen, und es befreit uns von der Gleichgültigkeit des Reichen!
Die Grenze ist die vom Reichen zwischen ihm und Lazarus aufgebaute Distanz. Es gibt eine zu große Distanz zwischen der Welt der Mehrheit der Römer und dem Leben der Roma! Und die Distanz wird größer. Sie wird zur Abscheu und manchmal zur Verachtung. Kultur, Botschaft.
Jesus mahnt: Es ist gefährlich für den Reichen, sein Schicksal zu sehr von Lazarus zu trennen und ihn so anders anzusehen, dass er nichts mit ihm gemein hat. Das Purpur und ganz feine Leinen können ihn nicht vor der letzten Wahrheit schützen, dass angesichts des Todes auch er zum Bettler nach Barmherzigkeit wird.
Wer die Bettler abgewiesen hat, wird selbst abgewiesen, wenn ihn der letzte Tag zum Bettler nach Vergebung macht. 
Wenn die Güter durch die Furcht, auch nur kleine Bruchstücke davon zu verlieren, verkommen, stellen sie das ganze Heil in Frage. Wenn man nicht einmal die Überreste vom Tisch denen gibt, die der Gebrechlichkeit des Lebens ausgeliefert sind, ist das ein Wahnsinn.
Der Reiche lebt, indem er sich an der Gegenwart "erfreut" und indem er die Gegenwart vergeudet, ohne an die Zukunft zu denken. Das mach ohnmächtig gegenüber dem Schicksal seiner fünf Brüder, denen er die Lehre der Gleichgültigkeit oder Verachtung gegenüber Lazarus erteilt hat. Das gilt auch für uns, wenn wir nicht die Liebe zu Lazarus lehren, der doch Betroffenheit auslöst, weil er viele Wunden trägt und unter den Hunden lebt.
Wenn die Welt unfähig ist, eine Zukunft im Mitleid aufzubauen, ist sie zum Untergang bestimmt. Was werden wir den Jugendlichen unserer Stadt sagen, die richtigerweise und mit Stolz als Hauptstadt gefeiert wird, wenn sie nicht in der Lage ist oder nicht einmal versucht, 7.000 Roma und Sinti aufzunehmen, von denen die Hälfte minderjährig ist? Alle Minderheiten haben ein Bürgerrecht in unserer Gesellschaft. Auch die Weisheit des Gesetzgebers lehrt, dass die Minderheiten umso größere Aufmerksamkeit bei der Lösung ihrer Probleme benötigen, je kleiner und schwächer sie sind. 
Vor unserer Tür und vor unserem Tisch gibt es ein hilfloses Volk, das sich nicht verteidigen kann, das aus Kleinen und Kindern besteht. Die Mehrheit ist jünger als vierzehn Jahre und schon Experte im Leiden. Auf ihnen lastet ein "Stigma", das niemand von uns ertragen könnte. Wenn man sie aus dem Blick entfernt, vielleicht außerhalb des Autobahnrings, wird dann nicht nur der Abgrund vergrößert, der sie von einer würdigen Zukunft trennt, während man vorgibt "nicht zu sehen"? Die Tür unserer Stadt bleibt eine nicht zu überschreitende Grenze und damit wird auch die Schule, die Arbeit, die Wohnung ein unerreichbares Ziel.
Um unerträgliche Situationen zu beseitigen, in der auch Mario gestorben ist, muss man eine echt menschliche und erträgliche Alternative schaffen.
Gemeinsam fragen wir uns: Wie kann die Distanz überwunden werden, die zum Abgrund wird, wie können wir ihre Zukunft in Angriff nehmen?
Wir fordern für uns und für alle das Recht ein im Wissen, dass seine Vorschriften vor allem auf der Grundlage des Lebensschutzes und der Lebensförderung errichtet wurden. Wir müssen von uns allen fordern, in der Gesellschaft rechtschaffen zu sein, von den Ersten bis zu den Letzten. Wenn wir das Recht einfordern, müssen wir sein Grundprinzip achten und insbesondere den Kindern das anbieten, was ihnen zusteht. Ja, die Kinder sind die Zukunft. Bemüht euch auch ihr, Väter und Mütter der Roma, alles zu tun, damit eure Kinder ein besseres Leben haben, zur Schule gehen und sich auf eine bessere Zukunft vorbereiten. Das wiederhole ich voller Zuneigung: Tun wir alles für sie! Für sie soll man viele Opfer bringen und viele Verhaltensweisen verändern! Sie sollen zum Sinn unseres Lebens werden.
Emilia und Marian, die ihren Kindern in der Hoffnung, dass sie mit unseren Kindern aufwachsen können, italienische Namen gegeben haben, sagen wir: Wir haben euch gern, wir beten mit euch und unterstützen euch in eurem Traum für die Zukunft!
Wir wollen für die Menschen unserer Stadt nicht das Schicksal des reichen Prassers und seiner Brüder. Wir wollen auch nicht das Schicksal des Lazarus. Möge der Abgrund durch die Fähigkeit zur Liebe eingeebnet werden!
Heute beten wir für Mario und für weitere 50 Romakinder, die in den vergangenen 20 Jahren in dieser Stadt zu früh ihr Leben verloren haben. Jeder Name bedeutet für uns von der Gemeinschaft Sant'Egidio ein Gesicht, eine Familie, ein Lager. Wir begleiten sie seit dreißig Jahren. Das gilt auch für die Caritas von Rom seit langer Zeit. Wir haben sie kennen und lieben gelernt. Wir sind seit dreißig Jahren dort gewesen und haben oft gerufen, ohne Gehör zu finden. Doch wir haben sie nicht allein gelassen. Wir schämen uns nicht, uns als ihre Freunde zu bezeichnen.
Vor dem ungerechten Ende des Todes dieser Kinder möchten wir gerade ausgehend von den Kindern einen neuen Bund für die Gegenwart und die Zukunft schließen, um ihnen eine andere Zukunft zu bereiten.
In einem Land, das junge Menschen braucht, glauben wir, dass jeder mit Hilfe, Begleitung und Schutz wertvoll und unersetzlich ist und das Gemeinwohl aufbauen kann. Gemeinsam mit den Freunden der Roma und Sinti spricht heute beim Gedenken an Mario Lazarus für uns. Vater Abraham spricht für uns, bei dem auch ein verwundeter und geplagter Mensch, ein dem Leben entrissenes Kind Würde und Heil findet.
Wir alle sind dem ehrwürdigen Aufruf des Herrn gehorsam, damit nicht auch an uns wie an den Reichen die Worte gerichtet werden: "Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden".
Leben wir die Herausforderung der Liebe, damit wie Papst Benedikt gestern beim Angelus sagte: "Gott die Armen liebt und sie aus ihrer Niedrigkeit erhöht". Beten wir. Das Gebet tröstet, es öffnet das Verständnis für Projekte des Guten, es vertreibt das Misstrauen und lässt die Liebe wachsen. Denken wir alle daran, was die Sprichwörter sagen: "Wer das Ohr vor dem Rufen des Armen verschließt, wird bei seinem eigenen Flehen keine Antwort erhalten". Amen
 
Mons. Marco Gnavi
  
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Immigrés, réfugiés, tsiganes

 


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