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12 September 2011 16:30 | Residenz, Kaisersaal

Warum zusammen leben? Argumente und Perspektiven - Hermann Gröhe



Hermann Gröhe


Bundesminister für Gesundheit, Deutschland

Begrüßung

freue mich sehr, am Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio teilzunehmen. Habe die Gemeinschaft und ihre wegweisende Sozialarbeit in Rom kennenlernen dürfen. Plane, sie dort in diesem Jahr erneut zu besuchen.

Das Friedenstreffen bietet eine gute Möglichkeit, um miteinander zu sprechen, anstatt übereinander zu reden.

Denn viel zu oft prägen Sprachlosigkeit, Unwissenheit und Unbehagen das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Religionen und Kulturen.

Zugleich gibt es dramatische Beispiele des Missbrauchs von Religionen zur Rechtfertigung von Hass und Gewalt.

Denke an Nord-Irland genauso wie an Dschihad. Aber: Terror, dem Angehörige vieler Religionen zum Opfer fielen, hat keine Religion. Das gilt gerade 10 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September –letztendlich nichts anderes als ein Ausdruck einer abgrundtiefen Gottlosigkeit.

Dialog ist das einzige humane Prinzip der Verständigung und der Lösung von Konflikten. So wie es das zweite Vatikanische Konzil formuliert hat. Selbstreflexion der beste Schutz vor Missbrauch der Religion.

Wir wollen heute den Blick nach vorne richten. Das Leitwort des Friedenstreffens weist die Richtung: „Zusammen leben – unsere Bestimmung“.

Gerade die Religionen sind prädestiniert, den Dialog über das Zusammenleben zu pflegen. Denn Religionen geben Halt, lehren Achtsamkeit und Solidarität und stiften Gemeinsinn. Viele Beispiele dafür, dass Glaube Inspiration zum Guten ist.

Doch Gründe für das Zusammenleben sind nicht nur moralischer Natur.

Papst Benedikt hat es so umschrieben: Wir erleben „die Ausbildung einer Weltgemeinschaft, in der die einzelnen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mächte immer mehr gegenseitig aufeinander verwiesen sind und in ihren verschiedenen Lebensräumen sich gegenseitig berühren und durchdringen.“

Globalisierung, Handel, Migration und Mobilität: Autonome, von der Außenwelt völlig unabhängige Staaten gibt es heute kaum noch.
Religiös und ethnisch homogene Gesellschaften sind heute eher die Ausnahme als die Regel.

Die Welt ist enger zusammengewachsen. Wir nehmen die Probleme und Sorgen anderer viel intensiver war. Wir brauchen einander, um globale Herausforderungen zu meistern.

Das erfordert zugleich mehr Toleranz von uns und anderen. Das gilt gerade für die Religionsfreiheit.

Denke hier an Verfolgung und Diskriminierung von religiösen Minderheiten wie z. B. von Tibetern, Muslimen, romtreuen Katholiken oder evangelischen Hauskirchen in China. Denke an Antisemitismus oder an die 200 Millionen Christen, die weltweit ohne Religionsfreiheit leben.

Denke auch an Konflikte und Kriege wie auf dem Balkan, in Nordirland, in Ruanda oder dem Irak. Erschreckende Beispiele dafür, was passiert, wenn elementare Regeln für das friedliche Zusammenleben nicht eingehalten werden.

Hier wird die Würde des Menschen mit Füßen getreten. Niemand, der an einen gerechten Gott glaubt, kann das wollen. Davor dürfen wir unsere Augen nicht verschließen.

Eindrucksvolle Beispiele zeigen, dass Dialog als erster Schritt des Zusammenlebens funktionieren kann. Denke hier an katholische, islamische und serbischorthodoxe Theologiestudenten,die sich auf Initiative der Konrad- Adenauer-Stiftung, zu einer Veranstaltungsreihe, z. B. 2010 in der jüdischen Gemeinde in Sarajevo getroffen haben.

Doch was sind die Regeln für ein gedeihliches Zusammenleben?
Und wie müssen sie vermittelt und verstanden werden, so dass ein gutes und selbstverständliches Miteinander entsteht?

Eine Schwierigkeit: „Nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen bestimmen das Zusammenleben“ – wie der Philosoph Epiktet erkannte.

Es braucht Kenntnis, Verständnis, Verständigung über und mit den anderen. Dialoge wie hier beim Friedenstreffen. Damit Vorurteile keinen Nährboden finden.

Das Zusammenleben bedarf aber auch Konsens über internationale Standards, die Orientierung bieten und Maßstäbe setzen.

Dazu zählt zu allererst die Anerkennung der universellen Menschenrechte. Sie sind das Fundament des friedlichen Zusammenlebens.

Zugleich müssen wir uns dafür stark machen, dass nicht das Trennende der Kulturen und Religionen verzerrt und betont wird.

Wir sollten uns vielmehr darauf besinnen, dass das friedvolle Zusammenleben durch die „Goldene Regel“ bestimmt ist. „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“Nahezu wortgleich zu finden bei den Philosophen der Griechen und der Aufklärung, im Konfuzianismus, Buddhismus, Hinduismus, im Talmud, den christlichen Evangelien und in der islamischen Hadithsammlung.

Doch Hoffnung auf die reine Vernunft und der Wunsch eines friedlichen Zusammenlebens ist kein Garant für Frieden.

Wir müssen gemeinsam das Zusammenleben gestalten, national wie international, zwischen den Kulturen und Staaten, aber auch innerhalb eines Landes und zwischen seinen Bürgern.

Das gilt gerade für Integrationsländer wie Deutschland. Über 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben hier. Deren Integration ist eineSchlüsselaufgabe. Denn: Nur wenn Vielfalt verbindet, statt zu trennen, wirkt sie bereichernd.

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir in Zukunft nicht über Regeln für das Zusammenleben diskutieren müssen, sondern dass unsere Kinder und Kindeskinder es bereits intuitiv leben.

Herzlichen Dank.


München  2011

Botschaft
von Papst
Benedikt XVI


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