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13 September 2011 17:00 | Stadtmitte

Homilie von Lluís Martínez Sistach


Lluís Maria Martinez Sistach


Erzbischof von Barcelona, katholische Kirche, Spanien

Wir sind zu dieser Feier in einer sehr wichtigen Stunde dieses Internationalen Friedenstreffens versammelt, das von der Gemeinschaft Sant’Egidio und dem Erzbistum München und Freising organisiert wird und jährlich stattfindet, um den Geist von Assisi zu stärken, den Johannes Paul II. mit den wichtigsten Religionsoberhäuptern ins Leben gerufen hat.

Wir haben uns im Namen des Herrn versammelt, um zu beten und ihn vertrauensvoll und inständig zu bitten, unserer Welt den wahren Frieden zu schenken. Wir sind uns dabei bewusst, dass wir die Menschenheit gemeint ist, wenn wir über die Welt sprechen. Denn alle Männer und Frauen haben vom Herrn Jesus den Auftrag erhalten, Friedensstifter zu sein. Deshalb bitten wir ihn, unsere Herzen mit dem Geschenk seines Friedens zu erfüllen. Nur auf diese Weise können wir den auf Liebe und Gerechtigkeit gegründeten Frieden aussäen in einer Welt, die dem Schrecken von Konzentrationslagern wie Dachau unbewegt zuschaut, die ratlos den zehnten Jahrestag der Attentate auf die Zwillingstürme begeht und unter den schwerwiegenden Folgen der aktuellen Wirtschaftskrise leidet.

Der Abschnitt aus dem Römerbrief spricht vom Frieden und zeigt uns das beständige Fundament zum Aufbau des Frieden an allen Orten und zu allen Zeiten. In diesem Brief spricht der Apostel über die aufregenden Probleme im Leben der christlichen Gemeinde. Manche beziehen sich auf das Alltagsleben der Gemeindemitglieder. Die Gemeinde von Rom bestand aus Christen unterschiedlicher Herkunft. Ohne entscheiden zu müssen, ob mit den „Starken“ die Heidenchristen und mit den „Schwachen“ die Judenchristen gemeint sein könnten, kann man vermuten, dass die Probleme mit bestimmten jüdischen Vorschriften zu tun haben. Diese sollten nach Meinung der „Schwachen“ für alle Christen gelten, während sie für die „Starken“ durch Christus überwunden waren.

Der Abschnitt der heutigen Lesung hat eine tiefe moralische Bedeutung im Sinn einer Ethik des Evangeliums, die in der guten Nachricht Jesu gründet. Beim Hören dieser paulinischen Mahnungen müssen wir an zenrale Inhalte der Bergpredigt denken: Böses soll nicht mit Bösem vergolten werden, man soll sich nicht selbst Recht verschaffen, die Feinde lieben und ihnen Gutes tun und sich nicht vom Bösen besiegen lassen, sondern das Böse durch das Gute besiegen. Der Hl. Paulus geht in die Teife und fordert uns zu dieser Haltung auf, da wir durch die Taufe auf seinen Tod und seine Auferstehung mit Ihm vereint sind. Wir haben Christus angezogen und müssen ihn nachahmen, indem wir in der Welt leben wie er und immer das Gute tun.

Die vier Kapitel der Unterweisungen des Römerbriefes betonen verschiedene Male, wo die Grundlage für den wahren Frieden zu finden ist. Daher sprechen sie über das neue Gebot der geschwisterlichen Liebe, das der Herr uns hinterlassen hat. Der Apostel bringt diese Liebe mit den Vorschriften der persönlichen Ethik in Verbindung. Die Liebe fasst die unumgängliche Vielfalt der ethischen Normen auf einer höheren Ebene zusammen. Wer liebt, verwirklicht auf der Grundlage seiner frohen und inneren Freiheit alles für den anderen, sogar noch mehr als alle Vorschriften fordern. Die Christgläubigen müssen unabhängig von ihrer heidnischen oder jüdischen Abstammung in Liebe und gegenseitigem Beistand vereint sein. Darin finden sich die Grundlagen des Friedens in Bezug auf unsere Gemeinden und Gesellschaften.

Die Botschaft des Evangeliums bezieht sich auf die tiefsten Sorgen und Sehnsüchte der Menschheit, sie erstrahlt in unseren Tagen mit einer neuen Klarheit, indem die Friedensstifter selig gepriesen werden, „denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 5,9). Diese Seligpreisung bestärkt uns in diesem Einsatz, den der Herr uns anvertraut und in dem wir als Mitglieder unterschiedlicher Relgionen und Völker der Welt in diesen Tagen gemeinsam tätig sind. Wir sind glücklich, denn wenn wir Frieden stiften, werden wir Kinder Gottes genannt werden.

Der irdische Friede, der seinen Ursprung in der Liebe zu den Freunden und zu den Feinden hat, ist ein Bild für den von Gott, dem Vater, hervorgehenden Frieden Christi und eine Auswirkung davon. Denn der Fleisch gewordene Sohn, der Friedensfürst, hat selbst durch das Kreuz alle Menschen mit Gott versöhnt und alle in einem Leib vereint. Er hat am eigenen Leid den Hass getötet und in der Erhöhung der Auferstehung den Geist der Liebe in die Herzen der Menschen ausgegossen.

Liebe Brüder und Schwestern, wir sind im Namen des Herrn versammelt, er ist hier mitten unter uns. Wir bitten ihn voll Vertrauen um das Geschenk des Friedens, den er durch den Tod und die Auferstehung erworben hat. Jesus hat zu uns gesagt: „Bittet, und es wird euch gegeben“. Wir beten und folgen dem Aufruf des Apostels, denn der Friede ist Gabe und muss erworben werden. Wir müssen ihn erflehen und aufbauen. Wir müssen ihn den Schwestern und Brüdern weitergeben und ihn von ihnen empfangen, wie wir es hier als Christgläubge und auf dem Platz mit allen anderen Geschwistern in einer symbolischen Geste tun.

Das ist eine Gelegenheit, um von neuem Zeugnis zu geben, dass die Religionen den Frieden in der Welt als Ausdruck der Liebe Gottes zum Menschen fördern.
 


München  2011

Botschaft
von Papst
Benedikt XVI


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