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12 September 2011 16:00 | Residenz München, Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Statement am Podium über “Africa Changing: Societies and Faiths”, Schick



Ludwig Schick


Erzbischof von Bamberg, Deutschland

„Das schwarze Afrika“ wird in Deutschland und in ganz Westeuropa zu schwarz gesehen und deshalb traut man Afrika auch nicht viel zu. Das hat Folgen. Dem, dem man nicht vertraut, hilft man auch nicht, auf die eigenen Beine zu kommen; dadurch werden seine Entwicklungschancen begrenzt.
Afrika wird identifiziert mit Aids, Korruption, Kriminalität, Terrorismus, totalitären Regierungen, Staatsstreichen und Bürgerkriegen. Dieses Misstrauen hat konkrete Auswirkungen, zum Beispiel sind die Spenden für die Hungerkatastrophen in Ostafrika bedeutend geringer ausgefallen als für Haiti nach dem Erdbeben oder für die Philippinen und Japan nach den Tsunamis. Experten führen das auf das oben genannte Misstrauen gegen Afrika zurück. Auch Industrie und Handel sind bei Investitionen in Afrika zurückhaltender als bei den Wirtschaftsbeziehungen in Asien, Amerika, Mittel- und Westeuropa. Auch der Tourismus entwickelt sich in Afrika weniger als in anderen Ländern. Viele Europäer würden gern in Afrika Urlaub machen. Aber sie meinen, es sei dort zu gefährlich. Aber auch Afrika selbst traut sich noch selbst zu wenig zu. Die „Afrikanische Union“ könnte effizienter für ganz Afrika agieren. Die Kooperation zwischen den 52 afrikanischen Staaten sollte hilfreicher sein, um humanitäre, politische und entwicklungsrelevante Probleme zu bewältigen und Fortschritte zu erzielen.
Afrika ist ein schöner, reicher, entwicklungsfähiger und entwicklungswilliger Kontinent. Damit Afrika sich entwickeln kann, muss die Sicht und Botschaft von Afrika in Deutschland und Europa verändert werden. Afrika ist nicht so schwarz, wie es oft gesehen wird. Nur in einer besseren Sicht von Afrika kann sich ein besseres und zukunftsträchtigeres Verhältnis von Europa zu seinem Nachbarkontinent entwickeln. Wer Afrika ein wenig näher kennenlernt, der lernt zuerst die Afrikaner schätzen und lieben. Es sind liebenswürdige, gastfreundliche Menschen, die alle Fähigkeiten haben, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Afrika ist ein landschaftlich sehr abwechslungsreicher und schöner Kontinent. Es gibt dort die höchsten Berge der Erde und wunderschöne Landschaften sowie auch die Wüste, die ihren eigenen Reiz hat. In Afrika gibt es die meisten Bodenschätze der ganzen Welt. In Afrika stand die Wiege der Menschheit. Wir finden auf diesem Kontinent die ältesten Kulturen. Afrika verdient Vertrauen und braucht Vertrauen. Nur so kann sich Afrika entwickeln. Vertrauen ist die Basis für jede Entwicklung und Entwicklungshilfe.
Sicher ist Afrika heute ein Kontinent, in dem es viel Armut und Hunger gibt, in dem die meisten Aidskranken der Welt leben. In Afrika werden die meisten Kriege geführt. Und in Afrika gibt es die schlimmste Korruption in den Regierungen und im öffentlichen Bereich. Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist auf dem „Schwarzen Kontinent“ besonders groß.
Diese Miseren haben Wurzeln in der Geschichte des Kontinents, die von Europa und auch Nordamerika mitverschuldet wurden, etwa durch den Kolonialismus, die Ausbeutung der Naturschätze und den furchtbaren Sklavenhandel, der die Menschenwürde der Afrikaner verletzt und ihr Selbstbewusstsein zutiefst verunsichert hat. Wir Europäer haben die Pflicht und Schuldigkeit, Afrika zu helfen.
Wir müssen Afrika neu sehen und neu werten, das ist unsere erste und wichtigste Aufgabe in Europa. Wir müssen den Afrikanern im eigenen Kontinent und in ihren Ländern helfen, ihre Aufgaben selbst zu erfüllen. Afrika muss von den Afrikanern entwickelt werden. Gute Anzeichen sind dafür da, z. B. die jetzige Konferenz der „Afrikanischen Union“ zur Überwindung der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Afrika verdient Vertrauen und Hilfe.
Die Kirche kann in Afrika besonders gut wirken und muss wichtige Aufgaben erfüllen. Die Religion spielt in Afrika eine bedeutende Rolle. Die Kirche hat großes Vertrauen bei der Bevölkerung. Mit ihrer Botschaft vom guten Gott aller Menschen, von der Menschenwürde und den Menschenrechten, ihren Gottesdiensten und ihrem sozialen Wirken vor allem im Bildungs- und Gesundheitswesen, kann sie viel zur Entwicklung Afrikas beitragen.
„Afrika Changing: Societies and Faiths“
Afrika kann, will und muss sich verändern. Dazu braucht und verdient es unser Vertrauen und die Hilfe von Europa und Amerika und der internationalen Staatengemeinschaft.

 


München  2011

Botschaft
von Papst
Benedikt XVI


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