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Die Homilie des Patriarchen in der Basilika Santa Maria in Trastevere

Sant'Egidio feiert den 49. Jahrestag mit dem Volk der Gemeinschaft

In der ganz vollen Lateranbasilika sind junge und alte Menschen, Obdachlose und Flüchtlinge der humanitären Korridore versammelt. Marco Impagliazzo: "Wir glauben an eine Stadt, in der es nicht das Wir und das Sie gibt, sondern in der gemeinsam eine große Kraft des Friedens aufgebaut werden kann"

 
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11 September 2012 19:30 | Centre of Sarajevo

Friedensappell

Wir sind Männer und Frauen aus unterschiedlichen Religionen und haben uns auf Einladung der Gemeinschaft Sant'Egidio, der islamischen Gemeinde, der orthodoxen und katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinde von Sarajewo in diesem schönen Land versammelt, das noch die Wunden des letzten in Europa ausgetragenen Krieges trägt. Viele Menschen in Sarajewo erinnern sich an den leidvollen Konflikt. Viele in Sarajewo rufen uns in Erinnerung, dass der Krieg ein großes Übel ist und ein vergiftetes Erbe hinterlässt. Mit aller Macht muss verhindert werden, in die schreckliche Spirale von Hass, Gewalt und Krieg zu geraten. Der Nachbar darf keinen Kampf gegen den Nachbarn beginnen, weil er einer anderen Religion oder Ethnie angehört. Nie wieder Krieg in diesem Land! Nie wieder Krieg in keinem Teil der Welt!

Wir haben uns die Frage gestellt: Birgt das Zusammensein von Menschen unterschiedlicher Religion oder Ethnie die Wurzeln von Hass und Gewalt in sich? Nein, das darf nicht sein, obwohl leider zu viele Länder unter Gewalt, Krieg und Unsicherheit leiden. In unserer Zeit rücken unterschiedliche Menschen geographisch immer mehr zusammen. Doch das genügt nicht. Die Annäherung muss sich auch in der Tiefe ereignen. Trotz der Unterschiede der Religionen muss sie auch eine spirituelle Ebene haben.
Wir sind unterschiedlich. Doch uns vereint die Überzeugung, dass ein Zusammenleben unterschiedlicher Menschen überall auf der Welt möglich und sehr fruchtbar ist. Es ist in Sarajewo und überall möglich. Die Zukunft muss verantwortungsvoll gestaltet werden. In dieser Hinsicht tragen die Religionen eine große Verantwortung. In diesen Tagen haben wir in Sarajewo die Gnade des Dialogs erlebt und erkannt, wie die Zukunft aufgebaut werden muss.
Doch in der heutigen Zeit der Wirtschaftskrise ist die Versuchung stark, sich abzugrenzen und sogar den anderen die Schuld für die eigenen Probleme der Vergangenheit oder der Gegenwart zuzuweisen. So wird ein Volk zum Fremden oder Feind des anderen. Es entstehen gefährliche Kulturen voll Misstrauen, Hass und Krieg. Doch kein Volk ist ein Feind, alle haben gelitten, alle haben eine gute Seele! Alle können zusammenleben!

Die Religionen haben eine große Aufgabe, denn sie sprechen von Gott zum Herzen des Menschen und befreien es von Hass, Vorurteilen und Angst, um es für die Liebe zu öffnen. Sie verändern die Männer und Frauen von innen her. Die Religionen können den Männern und Frauen und den Völkern die Kunst des Zusammenlebens lehren durch Dialog, gegenseitigen Respekt, Achtung der Freiheit und der Unterschiedlichkeit. Dadurch können sie eine menschlichere Welt schaffen. Denn wir sind alle gleich und unterschiedlich.
Angesichts der Schwierigkeiten wird ein neuer Mut benötigt. Durch den Dialog muss mit Weitblick eine Sprache der Sympathie, der Freundschaft und des Mitleids gebildet werden. Diese gemeinsame Sprache ermöglicht uns, miteinander zu sprechen, die Schönheit der Unterschiede und den Wert der Gleichheit zu erkennen. Gottes Wille ist ein Zusammenleben in Frieden. Hass, Spaltung und Gewalt stammen nicht von Gott. Im Gebet bitten wir Gott um das Geschenk des Friedens. Ja, möge Gott der Welt und uns allen das große Geschenk des Friedens machen!

Sarajewo, 11. September 2012

Message of His Holiness Benedict XVI
Benedict XVI

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