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17 Oktober 2015 | ROM, ITALIEN

Die von Sant’Egidio aufgenommenen Flüchtlinge erzählten Ban Ki-Moon ihre Geschichten #refugeeswelcome

Geschichten von Leid und Hoffnung aus Afghanistan, Mali und Eritrea von Menschen, deren Leben eine heilsame Wende genommen hat

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Beim Treffen mit den Flüchtlingen bei der Gemeinschaft Sant'Egidio, hat der UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon drei Zeugnisse gehört, die hier nachzulesen sind:

 

 

Sediqa Ibrahimi aus Afghanistan
Ich heiße Sediqa, bin von der Hazara-Ethnie und komme aus Afghanistan. Vor einigen Jahren kam ich nach Italien. Ich glaube, dass ich Glück hatte, denn mein nach Italien geflüchteter Mann hat mich geholt. Ich habe zwei Kinder und in diesem Land studiert, das mein Land geworden ist. Seit einem Jahr habe ich einen italienischen Pass und bin stolz darauf. Meine Familie und die Familie meines Mannes sind fast auf allen Kontinenten der Welt zerstreut. Meine Eltern sind nach Österreich geflüchtet, andere sind in den Vereinigten Staaten und wieder andere in Australien. Das ist bei vielen Afghanen der Fall, auf der Welt zerstreute Familien. Ich würde gern meine Stadt Ghazni wiedersehen, doch das ist unmöglich. Ich sucht Trost, indem ich die Musik anhöre, und wenn ich die Drachenflieger sehe, denke ich an den Himmel in meinem Land.
In dieser Zeit ist das Leben in Afghanistan wieder sehr schwierig, weil der Terrorismus von ISIS vor allem die Hazara heimsucht. Im vergangenen Monat sind 25 Familienangehörige in den Iran geflüchtet, dann nach Pakistan und die Türkei und schließlich nach Europa gegangen.
Immer wenn ich meine in Rom geborenen Kinder glücklich spielen sehe, begreife ich, wie wichtig und kostbar der Frieden ist. Wie viele afghanische Kinder werden im Terror des Krieges und der Gewalt geborgen, wie viele wachen durch den Lärm von Bomben oder Schüssen auf. Ich bin in einem Land aufgewachsen, das nie Frieden erlebt hat. Über dreißig Jahre finden Kriege statt, herrschen Gewalt und Terrorismus.
In diesen Monaten habe ich im Fernsehen gesehen, dass viele Flüchtlinge nach Europa kommen. Ich habe sogar viele Landsleute auf dem Weg der Suche nach einer hoffnungsvollen Zukunft in Frieden erkannt. Gestern haben wir die Nachricht über den jungen afghanischen Flüchtling erhalten, der bei der Einreise nach Europa erschossen wurde. Mit ihm möchte ich an die vielen jungen Toten erinnern, die auf der Suche nach einem besseren Leben unter LKWs gestorben sind.
Ich bete für den Frieden in meinem Land und für alle Länder im Krieg. Mit der Gemeinschaft Sant'Egidio habe ich gelernt, Menschen mit verschiedenen Sprachen, Religionen und Kulturen zu achten, kennenzulernen und ihnen zu begegnen. Daher heißen wir Menschen des Friedens und arbeiten unentgeltlich dafür, die Gesellschaft des Zusammenlebens aufzubauen. Wir sind eine kleine UNO, die Frieden und Harmonie mit möglichst vielen Menschen sucht. Daher bin ich froh, Ihnen zu begegnen und danke Ihnen für ihre unermüdliche Arbeit für den Frieden.

Tadese Fisaha aus Eritrea

Ich heiße Tadese Fisaha und komme aus Eritrea, wo ich 1985 geboren bin. 2011 habe ich mein Land verlassen und bin 2013 in Europa angekommen.
Dabei musste ich Äthiopien, Sudan und Libyen wie die meisten Eritreer durchqueren. Am 1. Oktober 2013 fuhr ich mit 500 Personen aus Libyen ab, weil sie uns ein großes Schiff versprochen hatten, damit wir zusammen fahren konnten. Es waren auch viele Frauen mit ihren Kindern dabei. Ich war mit einigen Freunden und Familienmitgliedern zusammen. Meine Reise von Eritrea nach Italien kostete über 3000 Dollar.
Nach 24 Stunden Schiffahrt haben wir Land gesehen, das war Lampedusa. Endlich waren wir nicht mehr in Gefahr, wir waren erleichtert. Doch dann drang Wasser in das Schiff, dann zündete jemand eine Decke an, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Hilfe zu rufen. Doch aus Angst gingen viele Leute auf die eine Seite des Schiffs, sodass es umgekippt ist. Die Personen oberhalb der Brücke fielen ins Wasser, die in den drei Stockwerken des Schiffraums waren in der Falle. Das geschah am 3. Oktober 2013, dieser Tage bleibt leider unvergesslich in der Flüchtlingsgeschichte. 369 Menschen starben. Eine Tragödie.
Ich und weitere 146 Männer und 6 Frauen wruden von den Fischern von Lampedusa gerettet. Ich war der letzte, der gerettet wurde. Sie haben mich am Gürtel der Hose hochgezogen. Ich war ohnmächtig, sodass sie mich bewusstlos ins Krankenhaus brachten. Erst ein Jahr danach, als ich nach Lampedusa zurückkehrte, konnte ich meinen Retter Costantino wiedersehen, der mich wegen dieses Details meiner Hose retten konnte. Heute sind wir enge Freunde, dieser Tag ist für mich ein zweiter Geburtstag. Mit den Freunden der Gemeinschaft Sant'Egidio haben wir die Namen und Gesichter vieler Schiffbrüchiger gesammelt. Wir haben diese Karte erstellt, auf der die Gesichter vieler Freunde dargestellt sind, die in jener Nacht gestorben sind. Wir wollen das alles nicht vergessen, denn solche Tragödien dürfen sich nicht wiederholen.
Viele Flüchtlinge stoßen bei ihrer Ankunft in Europa auf Schwierigkeiten, die Familie nach zu holen, deshalb werden sie getrennt. Mein Bruder ist in Deutschland, meine Tante in Österreich. Es wäre schön, die Möglichkeit zu erleichtern, in einem einzigen Land zusammenzuleben. Heute lebe ich hier in Rom, ich helfe anderen Flüchtlingen, die in Italien ankommen und nichts haben. Ich wurde gerettet und muss heute anderen Menschen in Not helfen. Ich hoffe sehr, dass es in Zukunft bessere Wege gibt, um aus dem eigenen Land herauszukommen, ohne das Leben dabei aufs Spiel setzen zu müssen.

Alou Badara Sanogo aus Mali

Ich heiße Alou Sanogo Badara, bin 22 Jahre alt und komme aus Mali. Ich bin 2014 nach Italien gekommen, weil es in meinem Land Krieg gibt. Am 20. April 2012 brach in Mali ein Konflikt aus, der im Norden begann und sich dann im ganzen Land ausbreitete.
Da mein Onkel in der Armee ist, war meine Familie bedroht, vor allem die Jugendlichen, die nicht mehr zur Schule, zur Arbeit oder Universität gehen konnten. Sie hatten Angst.

Daher bin ich mit meinem Bruder geflohen.
Aus Mali ging ich nach Niger, wo ich drei Monate blieb, um ein Gymnasium zu suchen und weiter zu lernen. Doch es war teuer, und niemand konnte mir helfen, die Gebühr zu bezahlen. Deshalb verließ ich Niger und ging nach Libyen.15 Tage brauchte ich, um die Wüste zu durchqueren, ca. 3000 km bis zur Grenze von Libyen. Bei der Reise starben viele Leute, auch ich habe meine Freunde verloren.

An der libyschen Grenzen wurde ich gefangen genommen und war drei Monate im Gefängnis. Am Ende konnte ich fliehen und kam nach Saba in Libyen. In dieser Stadt lebte ich sechs Monate, um Geld für die Reise nach Tripolis zu verdienen. Mein Traum war ein Studium. Dann fand ich in Tripolis ein Gymnasium und eine Arbeit, um die Schule zu bezahlen. Ich wäre dort geblieben. Doch nach 5 Monaten kam der Krieg nach Tripolis, meine Schule wurde von den Rebellen besetzt. Überall wohin ich kam, war Krieg. Daher verließ ich Libyen und ging nach Italien.
Ich hatte Angst, das Meer zu überqueren, und wollte nicht abfahren. Doch es gab keine andere Möglichkeit. Ich wurde zur Flucht gezwungen, um einen friedlichen Ort zum Studieren zu finden.
Nach einigen Wochen in Syrakus kam ich nach Rom. Endlich hier. Nach einer Reise von fast zwei Jahren in ständiger Angst und immer auf der Flucht. Ich bin Muslim und habe in dieser christlichen Gemeinschaft die Wärme einer Familie gefunden, ich habe erkannt, dass Gott mich nicht verlassen hat, und habe Freundschaft und Liebe gefunden.
Jetzt bin ich froh, weil ich weiter zur Schule gehen und viele Dinge lernen kann. Ich danke Gott und der Gemeinschaft Sant'Egidio und allen Italienern für die Gastfreundschaft uns gegenüber.
Allen herzlichen Dank.


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