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16 September 2016

Das Brevier von Pfarrer Hamel wird bei den Gedenkgegenständen der Märtyrer aufbewahrt, es weist darauf hin, dass unser Weg die Geschwisterlichkeit ist

Die Worte von Andrea Riccardi und die Homilie von Bischof Lebrun von Rouen beim Gebet mit der Übergabe des Breviers von Pfarrer Jacques Hamel an die St. Bartholomäusbasilika auf der Tiberinsel

 
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Das Brevier von Pfarrer Jacques Hamal, der in seiner Kirche in der Nähe von Rouen bei einem Terrorangriff am 26. Juli getötet wurde, wird in Rom in der St. Bartholomäusbasilika auf der Tiberinsel aufbewahrt. Dort befindet sich der Gedenkort an die "neuen Märtyrer".

Grußwort von Andrea Riccarci:

 

Mit gemischten Gefühlen der Trauer und Freude nehmen wir das große Geschenk in Empfang, das die Kirche von Rouen dieser St. Bartholomäusbasilika macht, die den neuen Märtyrern gewidmet ist. Wir spüren die Trauer über das barbarische Attentat gegen den über achtzigjährigen Priester in der Schwäche des Alters, aber in der Stärke des Glaubens und der Würde. Es ist ein Schmerz durch ein schreckliches Ereignis. Gleichzeitig empfinden wir Feude über die Größe und den Reichtum des Glaubens der Kirche, der Kirche von Rouen und von Frankreich, die sich in der Würde einer von Frieden erfüllten Reaktion und in der Verantwortung ihres Bischofs zeigen. Diese Würde ist leidgeprüft, schöpft aber Kraft in der Familie und im Zusammensein des ganzen Landes. Lasst euch noch einmal sagen, dass wir Anteil nehmen an der Trauer, aber auch voll Bewunderung sind.
Pfarrer Hamel ist ein Vorbild, sein Leben muss interpretiert und verstanden werden. Ich glaube, dass es für viele Jugendliche nicht nur in Frankreich, sondern auch darüber hinaus eine Inspiration darstellt. Ich will nicht weitere Worte machen, sondern nur meinen Dank Ihnen allen zum Ausdruck bringen. Johannes Paul II. wollte, dass diese St. Bartholomäusbasilika den neuen Märtyrern gewidmet wird; heute nimmt sie das Brevier von Pfarrer Hamel entgegen und erlebt, dass diese in ihrer Schwäche heimgesuchten Männer und Frauen der Welt einen Weg des Friedens und der Kirche einen Weg der Treue bis zum Ende weisen. Vielen Dank! 

Homilie von Bischof Dominique Lebrun, Rouen

"Frau, siehe dein Sohn". Wer sind die Kinder einer Mutter? Es sind die Brüder und Schwestern. Mit diesen Worten erklärt Jesus, was er am Kreuz vollbringt. Die neue Geschwisterlichkeit. Sie bezieht sich nicht auf einen unbekannten Vater, sondern auf einen von Jesus offenbarten Vater.  Eine neue Geschwisterlichkeit wird gestiftet und schon auf dieser Erde verliehen als Kinder Marias. Alle sind Kinder derselben Mutter, Brüder und Schwester, die in Jesus einen älteren Bruder besitzen. Im Geheimnis des Kreuzes vollzieht sich die Adoption dieser Menschheit durch Christus, die Gott, sein Vater, ihm im Zustand der Sünde anvertraut hat.

Vergessen wir nicht, dass der erste Mord der Geschichte unter Brüdern geschah, die dadurch das Band der Brüderlichkeit zerstörten. Sie wird durch Christus, durch seinen Tod wiederhergestellt und erneuert.
Die Erinnerung ist nicht von geringem Interesse, dass es in der Menschheitsgeschichte die rechtliche Möglichkeit bestand, einen Bruder oder eine Schwester zu adoptieren. Manche Spuren gibt es im alten Griechenland und auch im Römischen Reich. Doch die Geschichte zeigt, dass diese Tatsache später verschwunden ist, ausgerechnet in der Zeit Jesu. Um mich verständlich zu machen, sage ich, dass es die rechtliche Adoption gab, indem Eltern einen Sohn oder eine Tochter anderer Personen adoptierten, und es gibt auch die spirituelle und reale Adoption durch Christus. Die Geschwisterlichkeit ist unser Weg. Wir sind stolz als Franzosen, dass dieses Wort über unseren Einrichtungen, Schulen und Rathäusern geschrieben steht. Aber auch in unserem Herzen, glaube ich, nämlich: Brüderlichkeit. Ich bin froh, dass unser Botschafter hier bei uns ist, denn was wir mitbringen, diese Sehnsucht und diese Gnade, die uns von Jesus am Kreuz geschenkt wurde, ist nicht nur für uns, sondern für alle und ohne Grenzen. Denn alles kommt von der grenzenlosen Liebe Gottes.

 
Vielleicht sind wir Geschwister geworden, oder wir versuchen es, indem wir den Vater und die Mutter vergessen. Denn diese Geschwisterlichkeit wurde durch den Tod zerstört, durch den Mord. Wir können sie nicht leben, ohne sie als Gnade zu empfangen.
Heute sind die beiden Schwestern von Pfarrer Jacques bei uns, in unserem Herzen ist auch der Bruder, der aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte. Sie sind geschockt, voll Trauer über diesen Tod, doch sie bringen auch eine Hoffnung mit. Heute sehen sie in dieser Feier und auch in den vielen Zeichen aus der ganzen Welt nach dem Attentat, dass unsere menschliche Geschwisterlichkeit ein kleines Zeichen dieser götttlichen Geschwisterlichkeit ist, die uns geschenkt wurde. Ja, Pfarrer Jacques wird zum Zeichen einer universalen Geschwisterlichkeit, zu einem universalen Bruder.

Ich danke der Gemeinschaft Sant'Egidio, denn sie kümmert sich nicht nur um diesen Wallfahrtsort, sie stellt sich auch in den Dienst der universalen Geschwisterlichkeit unter den Völkern und in den Großstädten, wo die Welt lebt und wo vor allem Migranten und Arme leben. Vielen Dank, dass Ihr diese Reliquie annehmt, die wir euch von Herzen übergeben. 

Ich muss zugeben, dass eine Stimme in mir sagte, als ihr mir diesen Vorschlag gemacht habt: Ist das nicht zu früh? Nachdem ich dann gestern den Papst gehört habe, denke ich, dass dieses Gefühl nicht ganz richtig war. Vielleicht kam dieses Gefühl aus meinem kleinen Herzen, weil ich unseren Pfarrer Jacques noch für uns behalten möchte. Vielleicht gilt das auch für euch, für seine Familie. Ich weiß, dass ihr unter dieser Trennung von eurem Bruder leidet, doch er wurde uns als Zeichen der Geschwisterlichkeit geschenkt. Auf diesen Weg wollen wir alle gehen. Ich kann heute sagen, dass wir ihn auch mit unseren muslimischen Geschwistern gehen wollen. Dieser Weg hat schon vor langem durch unseren seligen Charles de Foucauld begonnen wurde, vom heiligen Papst Johannes Paul II., der in Assisi nach dem Vorbild von Franziskus die Religionen zusammengerufen hat. Ja, wir wollen diesen Weg der Geschwisterlichkeit gehen. Bitten wir, dass es in unserem Herzen möglich ist. Es ist auch für mich nicht einfach, das muss ich euch sagen. Manchmal empfinde ich Wut.
Werde ich den Mut haben, meine muslimischen Freunde zu fragen, was für sie diese Geste bedeutet? Werde ich die Frage von Papst Franziskus von gestern Morgen mitnehmen: Es wäre so schön, dass alle religiösen Traditionen sagen, dass das Töten im Namen Gottes satanisch ist. Das entspricht nicht dem menschlichen Herzen, es ist ein Zeichen für diese rebellischen Engel, die nicht siegen werden. Im Grunde genommen haben sie Pfarrer Jacques nicht besiegt. Wir sind hier, wir leben und gehen auf dem Weg der Geschwisterlichkeit.
Auch diejenigen, die diese Gewalt verübt haben, sind sozusagen dazu verurteilt, die Geschwisterlichkeit als Weg einzuschlagen, wie auch den Dialog als Ausdrucksform der Liebe. Sie sind wie Jesus dazu verurteilt, denn niemand konnte sein Herz mit Hass, Lüge, Stolz anfüllen, niemand. 
Bitten wir den Herrn, auch auf die Fürsprache von Pfarrer Jacques, dass diese Geschwisterlichkeit konkret werde in unseren Familien. Es ist nicht schwer, Brüder und Schwestern zu sehen, die nicht mehr miteinander sprechen, die sich nicht mehr verstehen. Doch im Herzen bleibt die Entschlossenheit, Geschwister zu werden.

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