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29 September 2011 | KIEV, UKRAINE

Kiew (Ukraine): "Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft". Eine Tagung zum Gedenken an den 70. Jahrestag des Massakers der Nationalsozialisten in Babij Jar

 
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Am 27. September hat die Gemeinschaft Sant'Egidio in Kiew im ehrwürdigen Saal Dom Učitelja, an dem sich wichtige Ereignisse der aktuellen Geschichte der Ukraine abgespielt haben, eine Tagung zum Thema "Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft. Siebzig Jahre nach dem Massaker von Babij Jar" organisiert. Das Gemetzel von Babij Jar ist ein tragisches Geschehen in der Geschichte der Ukraine während der nationalsozialistischen Besatzung und gehört zu den grausamsten und symbolträchtigsten Vorgängen in der Geschichte der Shoah.

Im Zweiten Weltkrieg haben die nationalsozialistischen Besatzungstruppen in der Ortschaft Babij Jar am Rand von Kiew am 29. und 30. September 1941 über 33.000 jüdische Zivilisten, überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen, niedergemetzelt. In den Wochen und Monaten danach wurden am selben Ort mehrere Zehntausend Menschen, unter anderem Zigeuner, Ukrainer und Russen, ermordet.

Die Tagung wurde in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der jüdischen Religionsvereine der Ukraine organisiert und stand unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Kultur und Tourismus der Ukraine. Ungefähr 400 Besucher haben an den beiden Arbeitseinheiten teilgenommen, darunter waren auch Vertreter des Diplomatischen Korps, der Politik und Kultur, sowie Mitglieder gesellschaftlicher Vereinigungen und vor allem auch zahlreiche Jugendliche.

Die große Aufmerksamkeit der 250 Schüler und Studenten war besonders beeindruckend. Obwohl die junge Generation immer unwissender ist, was den Genozid an den Juden im Zweiten Weltkrieg betrifft, ist das Engagement von Sant'Egidio bei der Sensibilisierung und Vorbereitung in Hinblick auf diese Tagung bei Studenten der Universität und Schülern der ukrainischen Hauptstadt auf großes Interesse gestoßen. Aufklärungsarbeit unter Jugendlichen in Bezug auf die Geschichte des Holocausts ist nämlich ein wichtiger Faktor, um das erneuerte Aufflammen von Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft zu bekämpfen.

Zwei Grußworte wurden an die Teilnehmer gerichtet, zum einen vom ukrainischen Parlamentspräsidenten Volodymyr Lytvyn und zum anderen aus dem Oberrabbinat Israels mit der Unterschrift von Rabbiner David Rosen, dem Berater für Religionsfragen im Oberrabbinat. Im Brief von Rabbiner Rosen heißt es: "Die Initiativen der Gemeinschaft Sant'Egidio zur Bewahrung der Erinnerung an die Juden und an die Opfer der Shoah, wie auch der Einsatz zur Bekämpfung des zunehmenden Antisemitismus und anderer Formen der Intoleranz werden von den jüdischen Gemeinden Italiens, Israels und der ganzen Welt mit großer Anerkennung aufgenommen".  

Bei der Tagung haben Vertreter der Institutionen und Religionen, Historiker, Intellektuelle und Zeugen das Wort ergriffen. Die erste Einheit wurde mit einer Schweigeminute für die Opfer von Babij Jar und der Shoah begonnen während des Grußwortes von Il'ja Levitas, dem Präsidenten des jüdischen Rates und der Stiftung zur Erinnerung an Babij Jar. Auch Pietro Giovanni Donnici, der italienische Botschafter in der Ukraine, sprach ein Grußwort. Dann folgten die Vorträge des Oberrabbiners von Kiew und der Ukraine, Jakob Dov Blaich, von Adriano Roccucci von der Gemeinschaft Sant'Egidio, von Viktorija Lisnyča, dem Vizeminister für Kultur und Tourismus, des Dozenten Mrioslav Popovič, dem Direktor des philosophischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Ukraine, und von Anatolij Podol'skij, dem Direktor des ukrainischen Forschungszentrum für die Geschichte des Holocausts

Die zweite Einheit begann mit der Vorführung eines kurzen Films über das von Sant'Egidio im September 2010 organisierte internationale Treffen für Jugendliche aus Mittel- und Osteuropa und mit dem Vortrag eines Studenten der Freunde der Gemeinschaft Sant'Egidio von Kiew, der über seinen Einsatz zur Bekämpfung der Verbreitung einer Kultur der Verachtung, des Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit unter Jugendlichen berichtete. Die Beiträge von Dmitro Pavličko, einem berühmten ukrainischen Schriftsteller, von Boris Zabarko, dem Präsidenten der panukrainischen Organisation der ehemaligen jüdischen Gefangenen in Lagern und Ghettos, von Kostantin Sigov, dem Direktor des Forschungszentrum für europäischen Humanismus der Universität "Kievo-Mogilanskaja-Akademija" und der Historikerin Žanna Kovba beendeten den Tag.

Diese wichtige Tagung hat die Überzeugung hervorgehoben, dass das treue Gedenken von Babij Jar nicht nur für Kiew und die Ukraine von wesentlicher Bedeutung ist, sondern auch für alle Europäer, die Kinder dieser tragischen und grausamen Geschichte sind. Angesichts nicht weniger Ausdrucksformen einer neuen und zugleich alten Kultur der Verachtung in verschiedenen europäischen Ländern nährt das Gedenken an Babij Jar die große Hoffnung, dass die Kiewer und mit ihnen alle Europäer angesichts des Aufflammens von Antisemitismus und anderer Arten von Diskriminierung nicht vergessen und schweigen werden.


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