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28 September 2012 | ROM, ITALIEN

Rom: Gemeinsame Pressemitteilung der Diözesancaritas Rom und der Gemeinschaft Sant'Egidio

Tor de Cenci - das schlimmste Nachspiel

Heute Morgen haben städtische und staatliche Polizei in großer Zahl das "Nomadenlager" von Tor de Cenci geräumt. So etwas ist nicht Teil unserer Kultur und der Achtung der Rechte des Menschen und des Kindes; wir möchten, dass so etwas nicht in unserer geliebten Stadt Rom geschieht...

 
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Heute Morgen rückten städtische und staatliche Polizei in großer Zahl vor dem "Nomadenlager" an und räumten Personen und Sachen. Ohne vorherige Ankündigung, ohne das Gebiet abzusichern und die dort wohnenden Personen andernorts unterzubringen wurde die Container zerstört, die über 15 Jahre lang als Wohnungen für die Roma gedient hatten.

Die Raupen haben die 50 Container einen nach dem anderen zerstört, die dort von früheren Stadtverwaltungen aufgestellt und mit öffentlichen Geldern bezahlt worden waren. Die Raupen haben alles vor den Augen der Kinder zerstört, die in diesen "Häusern" bis eine Stunde vorher geschlafen hatten und bestürzt, wütend, entsetzt und weinend zusahen. Sie waren gerade dabei, in die Schule zu gehen, der Bus wartete schon, doch die Ereignisse gingen in eine andere Richtung. Das Weinen dieser Kinder lastet schwer auf dem Gewissen derer, die die Räumung auf diese unwürdige Weise gewollt und durchgeführt haben in einer Stadt, die seit Jahrhunderten als communis patria angesehen wird.

Die Verantwortlichen der Aktion sagten zu den Roma, dass sie für eine Woche in einem provisorisch eingerichtetes Aufnahmezentrum untergebracht und dann in das Lager Castel Romano an der Via Pontina umgesiedelt werden, in dem schon über 900 Roma leben.

Seit Monaten wird über den Nomadenplan diskutiert und  werden Alternativen gefordert, was bis zu einem Rechtsstreit führte. Dabei unterschied sich die Position der Stadtverwaltung beträchtlich von der Einstellung der Organisationen, die für eine Integration der Roma tätig sind. Heute wollen wir nicht noch einmal auf die Argumente eingehen, sondern die gewalttätige und unzivilisierte Art anklagen, in der die Bewohner des Lagern angebrüllt und weggejagt wurden, und die überfallartige Räumung, ohne würdige Alternativen anzubieten. Besonders betroffen macht die Behandlung der Minderjährigen, vor deren Augen sich ein Schauspiel vollzog, das einer Verwaltung eines zivilen Landes, der Hauptstadt eines Gründungsstaaten der EU und eines Vaterlandes des Reiches unwürdig ist.

Was der Direktor des Diözesancaritasverbandes von Rom, Msgr. Enrico Feroci, und die Ehrenamtlichen der Gemeinschaft Sant'Egidio heute Morgen vor Ort erlebt haben, ist nicht Teil unserer Kultur und Achtung der Rechte des Menschen und des Kindes; wir möchten, dass so etwas nicht in unserer geliebten Stadt Rom geschieht.

Wir sind uns leider sicher, dass die Vorgehensweise, die Behandlung und die Sprache ganz anders gewesen wären, wenn es sich in diesem Lager nicht um Romakinder gehandelt hätte.

Wir müssen unter diesen traurigen Umständen an die Worte von Don Bruno Nicolini erinnern, der nach einem Leben im Einsatz für die Roma am 17. August dieses Jahren verstorben ist:
"Wer glaubt schon, dass ein Nomade eine ernst zu nehmende Person ist? Wer glaubt schon, dass ein Nomade ein Heiliger sein kann? Wer glaubt schon, dass er eine Person sein könnte, mit dem man über die gemeinsame Erziehung unserer Kinder diskutieren kann? Dem Zigeuner gibt man nur etwas mit großem Vorbehalt, die Gesellschaft hat schon ihr Urteil gefällt. Was wissen wir schon über ihn? Außer dass er mitten in der Nacht aufgeweckt und geräumt wird. Außer dass ihre Frauen in Krankenhäusern zur Geburt nicht aufgenommen werden. Wie können die Kinder denn aufwachsen, wenn sie die Vertreter des Staaten nur dann sehen, wenn sie aus der Stadt vertrieben werden?"

 

 

Gemeinschaft Sant'Egidio                  Diözesancaritasverband Rom


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