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Unterstützung der Gemeinschaft

  
12 März 2013 | WÜRZBURG, DEUTSCHLAND

Seit 15 Jahren auch hier ein Gedenken an Verstorbene, die in Einsamkeit oder durch ein hartes Leben gestorben sind

Dem Vergessen entrissen, ein Licht für mehr Wärme und Menschlichkeit

 
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Vor dem Altar der Würzburger Marienkapelle sind rechts und links zwei Kerzenständer aufgebaut. Während Namen verlesen werden, gehen Einzelne aus ihren Bänken nach vorne, entzünden eine Kerze und stellen sie zu den anderen. Mehrere Hundert Freunde der Gemeinschaft haben sich versammelt: Junge und Alte, Menschen, denen man ansieht, dass es das Schicksal mit ihnen nicht gut gemeint hat, und viele ihrer Freunde. Sie alle sind der Einladung der Gemeinschaft Sant'Egidio gefolgt, in einem ökumenischen Gebet der einsam Verstorbenen zu gedenken.

In der reichen deutschen Gesellschaft spielt sich ein verborgenes Drama ab, wenn es um den Tod vor allem von einsamen und ärmeren Menschen geht: Wer denkt an mich, wenn es mir schlecht geht? Wer wird einmal an meinem Grab stehen? Diese Frage treibt nicht wenige Menschen heute um. Eine Antwort darauf ist häufig die Entscheidung zu einer anonymen Bestattung. Derzeit sind 5%,  in Großstädten wie Berlin, München und Hamburg sogar fast 50% aller Bestattungen anonym.

Dagegen möchte die Gemeinschaft Sant'Egidio eine Kultur des Lebens und der Freundschaft setzen, um diese Menschen dem Vergessen zu entreißen. Jeder Mensch ist ein Name, eine Geschichte, voller Träume und Hoffnungen und oft auch voll Leid und Sorgen. Seit nunmehr 15 Jahren lädt sie deshalb zum Gedenken an sie ein. Am 6. Januar 1998 starb der stadtbekannte obdachlose Straßenmusikant Fritz Werner Marschner - allein, am Würzburger Busbahnhof. Als "Wurzelsepp" bekannt, spielte er gern auf dem Würzburger Marktplatz mit seiner Ziehharmonika auf. Der Verstorbene hätte, wie immer in solchen Fällen, auf Kosten der Kommune kostengünstig in einem auswärtigen Massengrab ohne Aussegnung und Grabstein bestattet werden sollen. Als dies bekannt wurde, starteten einige Organisationen eine Spendenaktion. Mit deren Erlös konnte der "Wurzelsepp" auf dem Würzburger Hauptfriedhof bestattet werden, in einem Grab, in dem seitdem auch einige andere mittellose Menschen beerdigt werden konnten. Die Gemeinschaft Sant'Egidio kümmert sich in Zusammenarbeit mit den Kirchen vor Ort um solche Bestattungen.

Dieses Gedenken hat mittlerweile eine lange Geschichte und begann vor 30 Jahren in Rom: Damals starb die obdachlose Modesta Valenti am 31. Januar 1983 vor dem Bahnhof Termini im Alter von 71 Jahren, ohne Hilfe zu erfahren. Die Sanitäter hatten sich geweigert, sie mitzunehmen, weil sie schmutzig war.

 

Mehr als 300 Namen wurden in der Marienkapelle mitten auf dem Marktplatz verlesen - meist die von Bekannten, Freunden und Angehörigen der Anwesenden. Für Gott zählt jeder Mensch, sei er arm oder reich, berühmt oder vergessen - diese Botschaft kommt bei dem Gedenken zum Ausdruck. Nicht zuletzt erwächst hieraus Trost für alle, die hier beten. Auch ihr Name wird einmal zu hören sein, wenn sie nicht mehr sind. In dieser Begegnung wird eine neue Familie sichtbar, die vor allem auch in Leid und Einsamkeit Halt und Geborgenheit schenkt, damit niemand mehr allein sterben muss. Nach dem ökumenischen Gottesdienst versammeln sich alle Freunde zu einem gemeinsamen Essen im Haus der Gemeinschaft, um diese Freundschaft weiter fortzusetzen, die auch während des Jahres jede Woche beim Treffen der Freunde in der Mensa gepflegt wird.


 


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