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11 Oktober 2013 | ROM, ITALIEN

Der Präsident des Europaparlaments Martin Schulz trifft in Sant'Egidio Flüchtlinge und Immigranten

Die Politik kann auf die Stimme derer hören, die "Reisen der Hoffnung" zurückgelegt haben. Lampedusa sollte eine europäische Aufnahmeeinrichtung werden

 
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Incontro tra Martin Schultz e i rifugiati a Sant'EgidioNationale Logik muss überwunden werden, denn die Emigration ist ein europäisches Problem. Einverständnis herrschte zwischen dem Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz, und dem Präsidenten der Gemeinschaft Sant'Egidio, Marco Impagliazzo, am Sitz der Gemeinschaft nach einem Treffen mit Jugendlichen und Erwachsenen von "Menschen des Friedens", einer von Sant'Egidio eingerichteten internationalen Bewegung, in der Menschen verschiedener Ethnien, Religionen und Kulturen vereint sind. Verschiedene Zeugnisse über "Reisen der Hoffnung" mit positivem Ausgang wurden bei dem Treffen vorgetragen, die jedoch auch vom Schmerz, Leid und der Trauer über diejenigen geprägt waren, die es nicht geschafft haben. Allen versprach der sichtlich gerührte Martin Schulz seinen persönlichen Einsatz und das Engagement des Europaparlaments "um zu vermeiden, dass viele andere das Schicksal erleiden, dass ihr ertragen musstet".

Incontro tra Martin Schultz e i rifugiati a Sant'EgidioSchulz hatte den Tag im Vatikan mit einer Audienz bei Papst Franziskus begonnen, der nach Worten des Präsidenten des Europaparlaments "aus einer italienischen Emigrantenfamilie stammt, die nach Argentinien auswandern konnten, weil es dort ein System mit legaler Einreise gab, wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten und in Australien. So muss es in Zukunft auch für die neuen Emigrationsländer sein, es muss ein Konsulat geben, wo man eine legale Immigration beantragen kann. Das Europaparlament wird dieses Problem ernsthaft untersuchen". Inzwischen müssen dringende Maßnahmen ergriffen werden. Schulz wurde vom Botschafter beim Heiligen Stuhl begleitet und sprach zunächst darüber mit Andrea Riccardi, dem Gründer der Gemeinschaft, mit Marco Impagliazzo und anderen Verantwortlichen von Sant'Egidio. Anschließend äußerte er sich im Friedenssaal vor einigen Emigranten, die solche Probleme am eigenen Leib erlebt haben.

Incontro tra Martin Schultz e i rifugiati a Sant'Egidio

Qorbalan Esmaili und Daud Youssufi aus Afghanistan beschrieben Reisen, die über ein Jahr dauerten mit Grenzen, die nur durch Zahlung eines erheblichen Weggeldes überschritten werden konnten. Tage lang mussten die Menschen oft in Zwischenräumen von LKWs verbringen mit der Gefahr zu ersticken. Sie waren Folter und sogar dem Tod durch feindliche Polizisten oder paramilitärischen und fremdenfeindlichen Banden ausgesetzt. Der Sudanese Enas Mustafa beschrieb seine Landreise durch die libysche Wüste und dann über das Meer, er sprach die Bitte aus: "Sagt den dort Zurückgebliebenen, die hierher kommen wollen, dass sie die Reise, die ich unternommen habe, nicht antreten sollen. Sagt ihr es ihnen, denn wenn ich das sage, glauben sie mir nicht. Sagt ihnen, dass man aus dem Gefängnis von Misurata nicht lebendig herauskommt. Ich fordere euch alle auf, uns zu helfen, die Gesetze zu verändern, um legal nach Italien zu kommen". Schließlich erklärte Lula Tekle, aus Eritrea, dass viele Jugendliche aus ihrem Land fliehen wollen: "Sie wollen keinen Militärdienst leisten, der Pflicht und eine schreckliche Erfahrung ist. Man nimmt sogar eine tödliche Gefahr in Kauf, damit man ihn nicht ableisten muss".
Lula stellte die Forderung nach Einrichtung eines humanitären Korridors, um legal nach Europa einzureisen, "denn das Problem besteht darin, in die Nähe von Lampedusa zu gelangen. Dann muss allen geholfen werden, die den Mut zur Ausreise aufgebracht haben".

Incontro tra Martin Schultz e i rifugiati a Sant'Egidio

Nach der Vorstellung von Marco Impagliazzo zeigte sich Schulz interessiert am Vorschlag von Sant'Egidio, Lampedusa zu einer "europäischen Aufnahmeeinrichtung" zu machen, denn "wenn die Ankömmlinge zwar durch italienische Behörden aufgenommen werden, so ist doch auch wahr, dass das Flüchtlingsproblem von europäischer Natur ist". Er fügte hinzu: "Die Emigration wird nicht aufhören; weitere Menschen wollen kommen, doch nicht alle schaffen es. Ich habe keine sofortige Lösung für die Probleme, die ihr mir gestellt habt. Ich wäre unehrlich, wenn ich das behaupten würde. Doch ich sage, dass die Menschen, die hierher kommen möchten, ein Recht auf eine bessere und menschlichere Zukunft in ihren Ländern haben, sie brauchen Demokratie, Rechte und Arbeit. Damit müssen wir uns im Rahmen der europäischen Außenpolitik beschäftigen". Dann gibt es eine Herausforderung für die Innenpolitik Europas, denn es muss ein "rechtlicher Rahmen" für die Immigration geschaffen werden. Marco Impagliazzo beendete das Treffen mit Worten der Hoffnung: "Heute können die europäischen Entscheidungen durch eure Gesichter, eure Worte und eure Zeugnisse beeinflusst werden".  


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