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7 September 2014 17:00 | Stadsschouwburg

Peace is the Future



Andrea Riccardi


Historiker, Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio

In diesem Augenblick scheint der Titel unserer Tagung kaun noch ein Wunsch zu sein. Die heutige Wirklichkeit ist nicht friedlich. Auch die Zukunft sieht anscheinend nicht so aus. Der Krieg ist auf europäisches Gebiet zwischen Russland und der Ukraine zurückgekehrt. Die Architektur des Nahen Ostens ist innerhalb von zwei Jahren zusammengebrochen, während die Verfolgten aus dem Nordirak fliehen. Syrien ist in den Fängen eines ausufernden und unmenschlichen Krieges. Leidvolle Geschichten entstehen auch durch die Rehabilitation des Krieges als Werkzeug wie auch durch eine Vermischung von Religion und Gewalt. Leidvolle Geschichten führen zu einer allgemeinen Resignation gegenüber dem Krieg.

Im Allgemeinen haben sich auch die von den Genfer Abkommen vorgesehenen Kriegsmodalitäten in Bezug auf Gefangene und Verwundete und auch auf humanitäre Rechte verschlechtert. Die Kriege werden unmenschlicher. Das wird an der Zurschaustellung der Grausamkeit sichbar, die bis gestern normalerweise durch die Täter versteckt wurde, heute dagegen in einer globalen Zeit als Waffe benutzt wird: die Massaker und das Zeigen der Grausamkeiten (gedemütigte, aus den Häusern vertriebene, entblößte Frauen und Männer, Erschießungen oder noch Schlimmeres) ist wirklich Terrorismus. Es ist der Kult der Gewalt, der terrorisiert und anwirbt.

Scheinbar ist der Friede nicht die Zukunft. Diesen Anschein erwecken auch die Großstädte vor allem in der Peripherie, wo die durch Mafia oder Kriminalität verbreitete Gewalt herrscht und die Jugendlichen zum Kult der Gewalt erzieht. Es ist fast ein Bürgerkrieg. In vielen Ländern der Welt - ich denke an einige afrikanische Länder - beschützt der Staat den Bürger nicht, der sich den gewalttätigen Händen von kriminellen oder pseudoreligiösen Gruppen ausgeliefert sieht. Ich beschreibe dieses Schreckensbild nicht, um die Angst zu vergrößern. Die globalen Welt ist - wie Prof. Bauman anerkanntermaßen erklärt - ein Ort voller Ängste. Er weist unter anderem auf unsere Generation hin, die trotz der besten technologischen Ausstattung in der Geschichte in größerer Unsicherheit und Angst lebt.

Die heutigen Männer und Frauen fühlen sich isoliert und Mächtigen ausgeliefert, die sie aus der Ferne angreifen können. Sie leben die vom Religionswissenschaftler Mircea Eliade beschriebene "Angst der Geschichte". Die Angst der Geschichte kommt daher, dass man im Grunde genommen die wahren Lenker der Geschichte nicht kennt, falls es sie gibt. Dann fühlt sich der einsame oder in Gemeinschaft lebende Bürger nicht in der Lage, Geschichte zu gestalten, und versucht es nicht einmal. Er besitzt keinen Einfluss. Die Politik ist ohnmächtig geworden. Die Angst ist nicht nur ein Gefühl. Sie wird teilweise zur Verachtung des anderen, der anderen Religion, Ethnie... Die Kultur der Verachtung ist alt wie die Menschheitsgeschichte, doch in der Zeit der Globalisierung lebt sie in beeindruckender Weise neu auf. Angst führt zu Gewalt, die teilweise als Prävention gegen angebliche Aggression von Seiten anderer ausgegeben wird.

Wir stellen uns Fragen über Frieden und Zukunft, über aktuelle Kriege und eine verbreitete Gewalt, die einem verbreiteten Krieg ähnelt. Wir tun es in Belgien hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als dieses kleine neutrale Land durch einen Konflikt überrollt wurde, der aus der Ferne kam und den Beweis lieferte, dass Krieg ansteckend ist in einem von Spannungen gesättigten Umfeld, und der zum Weltkrieg wurde. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um unseren belgischen Freunden für ihre Gastfreundschaft zu danken und allen einen aufrichtigen Dank aussprechen, die ehrenamtlich für die Durchführung dieses Treffens gearbeitet haben. Besonders möchte ich Bischof Bonny von Antwerpen und die Gemeinschaft Sant'Egidio von Belgien nennen.

Papst Franziskus hat vor einigen Wochen über die heutigen Konflikte gesprochen und sie fast als einen dritten Weltkrieg bezeichnet, der stückchenweise oder in Kapiteln geführt wird. In diesem Szenario stellen wir uns die Frage: Wird der Friede unsere Zukunft sein?

Unser Weg kommt aus der Ferne. Ich möchte mir erlauben, daran zu erinnern. Das erste Religionstreffen fand in Assisi statt, der Stadt des Hl. Franziskus, als Johannes Paul II. 1986 in Zeiten des Kalten Krieges die Einladung dazu aussprach. Wir bezeichnen ihn als Weg im Geist von Assisi. Damals sagte dieser große Papst: "Mehr vielleicht als je zuvor in der Geschichte ist die innere Verbindung zwischen einer aufrichtigen religiösen Haltung und dem großen Gut des Friedens allen deutlich geworden." Religion und Friede durchdringen sich. Dem Krieg und der Gewalt müssen das religiöse Fundament und jedem Religionskrieg muss die Grundlage entzogen werden. Wir haben seit 1986 jährlich den Weg fortgesetzt und Vertreter der Religionen und Nichtgläubige eingeladen, an der heiklen, spirituellen und doch konkreten Grenzlinie zwischen Krieg, Religion und Frieden zu arbeiten. Wir taten es in der Überzeugung, dass der Krieg niemals heilig und nur der Friede heilig ist.

Wir haben an der Grenzlinie zwischen Krieg und Religion Wache gehalten, da gefährliche Mischungen entstanden sind. Beispielsweise Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts, als die Konflikte immer mehr im Blickwinkel eines Krieges der Religionen und Kulturen verstanden wurden. Es war eine schreckliche Vereinfachung angesichts einer komplexen globalen Welt, die allerdings bequem war für diejenigen, die einen Feind suchen und sich nicht anstrengen wollen, um den anderen zu verstehen, und auch - so müssen wir sagen - für diejenigen, die Krieg führen oder sich als Feind der anderen oder der Welt hinstellen wollten. Religionskriege? Erschrockene Männer und Frauen finden Sicherheit in der Suche nach einem zu bekämpfenden Feind. Machtgierige Männer und Frauen suchen Segen und Legimitation durch die Religion.

Ein langer Weg entwickelte sich Jahr für Jahr seit Assisi 1986, auf dem wir den Frieden in aller Deutlichkeit als zu ernsthafte Sache dargestellt haben, dass er nur eine Angelegenheit von wenigen bleibt. Damals sagte Johannes Paul II.: "Der Friede ist eine Werkstatt, die allen offensteht, nicht nur Fachleuten, Gebildeten und Strategen". Das ist der Ursprung dieser Bewegung von Frieden und Dialog, die viele schwierige Umstände erlebt hat. Auch Nichtgläubige und Glaubensgemeinschaften wurden eingeladen. Regelmäßig haben wir uns getroffen, um uns aktuellen Konflikten zu widersetzen. Welchen Nutzen hat unser Dialog gehabt? Doch was wäre die Welt ohne Dialog?! Papst Franziskus hat beim Besuch der Gemeinschaft Sant'Egidio vor einigen Monaten gesagt: "Ohne Dialog erstickt die Welt". Ich würde hinzufügen: Welchen Nutzen hat das Gebet? Doch was wäre die Welt ohne Gebet?!

Der Dialog der Religionen, Kulturen und Menschen ist die angemessene Antwort, um in immer komplexeren und ethnisch und religiös vielfältigen Regionen und Städten zusammenzuleben. Diese tägliche Arbeit und Kultur wird zu einem Vorschlag. Auch weil die Kriege die Welt immer schlechter hinter sich lassen, als sie sie vorgefunden haben. Ein Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte genügt: die Kriege der globalen Welt haben ein giftiges Erbe von Instabilität, Zerstörung, Minen, Hass und entwurzelten Völkern hinter sich gelassen. Das sage ich nicht aus pazifistischer Überzeugung, sondern im klaren historischen Bewusstsein der Ereignisse. Die Ablehnung der Gewalt entstammt keinem allgemeinen Pazifismus, sondern dem Wunsch, Friedensarbeiter zu sein und damit den Weg des Dialogs aufzuzeigen.

Doch angesichts der Konflikte scheinen die Institutionen für den Dialog müde geworden zu sein, während die Kultur und Praxis des Dialogs als politisch korrekt abgewertet und zu einem leidenschaftslosen Vorschlag werden, der teilweise durch machohaftes Auftreten derer verlacht wird, die Krieg und Gewalt rehabilitieren möchten. Die Religionen haben eine grundlegende Verantwortung. In dieser durch die Wirtschaftskrise eingeschüchterten Welt muss ein Wind wehen, der die Hoffnung wiederbelebt und zum Bewusstsein für ein gemeinsames Schicksal führt. Die Religionen zeigen, dass die Menschen eine einzige Reise zurücklegen und ein gemeinsames Schicksal besitzen. Dieses grundlegende Bewusstsein ist einfach wie das Brot und notwendig wie das Wasser und umfasst das in Unterschiedlichkeit zu lebende gemeinsame Schicksal. "Alle Verwandte, alle unterschiedlich", sagte die Anthropologin Germaine Tillion, die das nationalsozialistische Konzentrationslager erlebt hat. Manchmal verliert man dieses Bewusstsein im Knäuel von Hass und Interessen, in der Perversion der Kultur, durch Fanatismus. Die Werkstätten der Einheit müssen mit neuem Leben erfüllt werden, vor allem mit einem vereinheitlichenden, einfachen und grundlegenden Streben. Religionen und Kulturen können dieses grundlegende und einfache Bewusstsein mit Leben erfüllen: "Seid einfach mit Intelligenz", lehrt der berühmte Johannes Chryostomus.

Ich denke an zwei Männer des Dialogs und der Religion, zwei liebe Freunde und christliche Bischöfe in Syrien, Mar Gregorios Ibrahim und Paul Yazigi, und an Paolo Dall'Oglio, die seit über einem Jahr in Syrien entführt sind und von denen es keine Nachricht gibt. Unter den Anwesenden möchte ich Patriarich Aphrem von der syrischen Kirche begrüßen, der Kirche von Mar Gregorios. Sie besteht aus einem armen und schutzlosen gläubigen Volk, das über Generationen hinweg ihren Frieden ohne Waffen bewahren konnte.

Die Religionen werden durch den Kult der Gewalt angezogen, der zu einem unmenschlichen und vereinfachenden Fanatismus führen kann. Die Religionen müssen dem nicht nur widerstehen, sondern auch zu ihrer tiefen Friedenskraft zurückkehren. Das geschieht durch Begegnung und großzügige Pflege der spirituellen Dimension der Freundschaft. Die Kraft dieses Weges im Geist von Asissi besteht in der Aussage, dass es keinen Krieg und keine Gewalt im Namen Gottes gibt. Wir sagen dies als Anhänger der religiösen Traditionen mit dem Hinweis, dass Gewalt im Namen Gottes Gotteslästerung ist. Alle religiösen Traditionen sprechen von einem geduldigen, barmherzigen, im Zorn zurückhaltenden und mitleidenden Gott... das gilt für die jüdische, christliche und islamische Religion. In diesen schwierigen Zeiten müssen die religiösen Anhänger die Kühnheit der Erinnerung aufbringen, dass der Friede der Name Gottes ist. Die Zusammenkunft an diesem Jahrestag des Ersten Weltkriegs schenkt uns angesichts der Konflikte unserer Zeit die Kraft, um zu sagen, dass der Friede die Zukunft ist.

Das umfasst die Suche nach Frieden als Zukunft für unsere Länder, für Konfliktsituationen und reale Spannungen. Jeder Gläubige, jeder Religionsführer ist auch unabhängig von den Grenzen seiner Glaubensgemeinschaft aufgerufen, ein Mann des Friedens zu sein. Dadurch wachsen die Leidenschaft für den Frieden als eine Kraft, die neue Ideen hervorrufen, Begegnungsorte mit neuem Leben erfüllen und sich gegen kriegerische Entwicklungen auflehnen kann.

Joahnnes Paul II. schrieb uns vor einiger Zeit: "Das Gebet einer neben dem anderen löscht zwar die Unterschiede nicht aus, zeigt jedoch die tiefe Verbundenheit, die aus uns demütige Sucher nach dem Frieden machen kann, den Gott allein schenkt". Das tun wir in diesen Tagen besonders bei der Schlussveranstaltung. Der Papst fügte hinzu: "Heute müssen die Religionen mehr als in der Vergangenheit ihre historische Verantwortung bei der Arbeit für die Einheit der Menschheitsfamilie erkennen."

Liebe Freunde, fast dreißig Jahre sind seit 1986 vergangen, als wir unseren Weg begannen. Einige von uns sind natürlich älter geworden, doch unsere Überzeugung ist nicht schwächer sondern sogar stärker geworden, dass der Krieg eine große Torheit ist und dass der Dialog die Medizin für Konflikte darstellt. Noch mehr als gestern sind wir davon überzeugt, dass der Friede ein großes Ideal ist, das Politik und persönliches Leben inspirieren kann. Der Friede ist ein Ideal, das in zu vielen Gegenden der Welt missachtet wird: es muss neu erstehen! Der Friede ist das große Ideal für leer gewordene Gesellschaften ohne Ideale.

PROGRAMMA
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