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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Gedenken an Pater Aleksandr Men, einen orthodoxen Priester aus Moskau, der 1990 grausam ermordet wurde.


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der erste Brief an die Korinther 9,16-19.22-27

Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluß, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Daß ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben. Wißt ihr nicht, daß die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber daß nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, daß ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Die wahre Freiheit, die Paulus bezeugt und uns verkündet, besteht darin, „sich für alle zum Sklaven zu machen", um das Evangelium weiterzugeben. Mit dieser Kraft, die aus seinem Lebenszeugnis erwächst, vereint der Apostel zwei Aussagen: „… von niemand abhängig …, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht". Hier klingen die Worte Jesu mit, „wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein" (Mk 10,43b-44). Hier handelt es sich aber nicht um eine asketische Übung zur Vervollkommnung der Seele. Der Apostel hat sich zum Sklaven gemacht, um möglichst viele für Christus zu gewinnen. In wenigen Zeilen wiederholt er fünfmal das Verb „gewinnen" und bringt es eng mit dem anderen Verb „retten" in Verbindung. Das Herz des Apostels schlägt nicht nur für sich selbst, sondern es wird weit und umarmt die ganze Welt: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten." Er möchte nicht nur niemanden ausschließen (sei er Jude oder Heide), sondern gibt sich auch solange nicht zufrieden, wie das Evangelium nicht möglichst viele Menschen erreicht hat. Das ist sein Wettkampf, sein Lauf, das ganze Leben lang. Dieses Zeugnis müsste besonders stark unter den Christen am Beginn des neuen Jahrtausends aufgegriffen werden. Paulus kehrt in unsere Mitte zurück als einer, der die Universalität der Predigt Jesu aufzugreifen weiß und sie ganz zu seinem Lebensinhalt macht. Wir können sagen, dass er die Globalisierung der Liebe als Erster verwirklicht, indem er jede Verschlossenheit und alle ethnischen oder religiösen Trennungen überwindet. Der Apostel möchte die ganze Welt erreichen: Er denkt an Rom, die Hauptstadt des Reiches, und möchte bis nach Spanien, ans äußerste Ende, gehen. Noch heute ist Paulus für alle christlichen Gemeinschaften ein Beispiel für die Weitergabe des Evangeliums bis an die Grenzen der Erde. Das ist jedoch kein äußerliches Problem. Wir wissen zum Beispiel nicht, ob Paulus bis nach Spanien gelangt ist. Es geht um die Universalität des Herzens, denn hier, in unserem Herzen, werden Grenzen und Hindernisse überwunden. Denn Letztere bestehen weniger außerhalb, sondern vielmehr in den Herzen und Gedanken der Menschen.


09/09/2016
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