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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom


Lesung des Wortes Gottes

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das ist das Evangelium der Armen,
die Befreiung der Gefangenen,
das Augenlicht der Blinden,
die Freiheit der Unterdrückten.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Das Buch der Sprichwörter 3,27-35

Versag keine Wohltat dem, der sie braucht, wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun. Wenn du jetzt etwas hast, sag nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm wieder, morgen will ich dir etwas geben. Sinne nichts Böses gegen deinen Nächsten, der friedlich neben dir wohnt. Bring niemand ohne Grund vor Gericht, wenn er dir nichts Böses getan hat. Beneide den Gewalttätigen nicht, wähle keinen seiner Wege; denn ein Greuel ist dem Herrn der Ränkeschmied, die Redlichen sind seine Freunde. Der Fluch des Herrn fällt auf das Haus des Frevlers, die Wohnung der Gerechten segnet er. Die Zuchtlosen verspottet er, den Gebeugten erweist er seine Gunst. Die Weisen erlangen Ehre, die Toren aber häufen Schande auf sich.

 

Halleluja, halleluja, halleluja.

Der Menschensohn
ist gekommen, um zu dienen,
wer groß sein will,
mache sich zum Diener aller.

Halleluja, halleluja, halleluja.

Im Gottesdienst wird heute ein Abschnitt aus dem Buch der Sprichwörter, das eine umfassende Sammlung der Weisheit Israels enthält, gelesen. Der Text beginnt mit der Anrede „mein Sohn", um auf eine Haltung, eine Beziehung hinzuweisen, die unbedingt nötig ist, um Weisheit zu erlangen. Im ersten Teil des Kapitels (Spr 3, 1-26) werden glückliche Auswirkungen geschildert, wenn jemand die Weisheit bewahrt: Sicherheit, Besonnenheit, Frieden, ruhiger Schlaf und Befreiung von Angst. Denn der Herr „wird deine Zuversicht sein, er bewahrt deinen Fuß vor der Schlinge" (Spr 3,26). Die Schlinge weist auf Verlockungen und Lebensgefahren hin. Im zweiten Teil, der heute gelesen wird, kommt der Text erstmals auf die Beziehungen zum Nächsten zu sprechen. Er fordert zunächst dazu auf, großzügig auf Bitten um Hilfe zu antworten: „Versag keine Wohltat dem, der sie braucht, wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun. Wenn du jetzt etwas hast, sag nicht zu deinem Nächsten: Geh und komm wieder, morgen will ich dir etwas geben." Es folgt eine Reihe von Hinweisen für das Zusammenleben: Nichts Böses sinnen gegen deinen Nächsten, der neben dir wohnt und dir vertraut, nicht streiten und den Gewalttätigen nicht wegen seiner Erfolge beneiden. Wer den Rat Gottes befolgt, hat nichts zu befürchten, weil Gott das Böse hasst und die Bösen keinen Erfolg haben werden. Deshalb soll man sanftmütig und großzügig leben und sich nicht von Neid und Eifersucht beherrschen lassen. Der Herr beschenkt die Gerechten mit seiner Freundschaft und „den Gebeugten erweist er seine Gunst". Das Thema der Gewalt und der Anmaßung, die beide im Widerspruch zu Güte und Demut stehen, wird im Buch der Sprichwörter immer wieder aufgegriffen. Die tägliche Versuchung besteht darin, auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, weil uns die Gesellschaft, in der wir leben, daran gewöhnt hat und man scheinbar erfolgreich ist, wenn man sich gegen andere durchsetzt. Wir wissen dagegen: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." Die Weisheit lehrt Demut und schenkt die Fähigkeit, im Umgang mit dem Nächsten wohlwollend und großmütig zu sein. Denn nur im Geben finden wir die Freude und den Frieden des Herzens.


19/09/2016
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