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Das tägliche Gebet


 
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Ikone des
Heiligen Antlitzes
Kirche von Sant'Egidio
Rom

Homilie

Mit diesem 34. Sonntag im Jahreskreis schließt das Kirchenjahr. Sicherlich wird dies nur denjenigen bewusst, die in die Kirche gehen. Dieses Datum fällt mit keinem Ereignis administrativer, schulischer oder sonst einer Art zusammen, eröffnet und beschließt aber in gewisser Weise eine besondere Zeit. Das gesamte liturgische Jahr entspricht in Wirklichkeit einer Zeitmessung, die jenseits der üblichen Gewohnheiten der Menschen liegt. Es ist gut, dass das so ist. Die liturgische Zeit entsteht nämlich nicht unter uns Menschen, nach unseren Bemessungen und Zeitabläufen. Sie ist vielmehr eine Zeit, die von der Höhe kommt, von Gott. Sie ist die Zeit Gottes, die in die Zeit der Menschen eintritt, eine Geschichte, die die Geschichte der Menschen unterbricht. Das liturgische Jahr ist Christus in gewisser Weise selbst, der von Sonntag zu Sonntag betrachtet wird.
An diesem letzten Sonntag, der das Kirchenjahr beschließt, sehen wir Christus am Ende der Zeiten als König des Universums. Das Wort Gottes nimmt uns wie stets auch an diesem Sonntag an die Hand und führt uns in die Betrachtung der Königswürde Jesu ein. Es geht nicht darum, dieses Geheimnis nur von außen zu sehen; wir befinden uns vielmehr in ihm. Der Apostel Paulus ermahnt jeden von uns, Gott zu danken, denn „er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes“ (Kol 1,13). Wir sind wirklich „Aufgenommene“, in gewisser Weise sind wir ausgewandert aus dieser Welt, in der die Finsternis regiert, hin zur Welt, in der Christus herrscht. Dass diese Welt Jesu anders ist als unsere, geht aus der Szene im Evangelium klar hervor, die sich als Bild des Königtums Jesu zeigt, der zwischen zwei Räubern ans Kreuz genagelt ist.
Jemand sagte einmal, dies sei das offizielle Foto unseres Königs, wobei er sich für den profanen Vergleich entschuldigte. Es ist wahr: Wir haben das Kreuz an vielen Orten angebracht, doch die Gewohnheit, mit der wir es betrachten, führte dazu, dass es seinen Wert als Objekt des Anstoßes, als Stolperstein verloren hat. Oft ist es heute nur ein Schmuckgegenstand. Zweifellos stellt es einen eigenartigen Thron dar und neben ihm befindet sich mit den zwei Räubern ein noch ungewöhnlicherer Hof. Und doch sagt Jesus klar und deutlich, dass er König ist, und dass er es gerade in dieser Welt ist. Der Apostel Paulus nahm diese Überzeugung auf und gab sie an die Kirchen weiter. Er war sich wohl bewusst darüber, dass dies Anstoß erregen würde. An die Christen von Korinth schrieb er: „Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit“ (1Kor 1,23). Jesus ist als Gekreuzigter König. Er übt in dieser Welt seine königliche Macht aus. Zudem hatte dies Jesus innerhalb der drei Jahre, die er bei ihnen war, mehrfach zu den Jüngern gesagt. Kurz vor seinem Sterben sagte er zu ihnen: „Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein“ (Lk 22,25–26). Jesus zeigt dies als Erster mit seinem Leben und seinem Tod.
Während er ans Kreuz genagelt ist, ertönt von mehreren Seiten derselbe Vorschlag an ihn: „Wenn du der König der Juden bist, rette dich selbst“ (Lk 23,37). Das sagen ihm die Hohenpriester, das rufen ihm die Soldaten zu. Das schreit auch einer der Räuber, der neben ihm hängt. Die Menschen sind verschieden, doch ihr Refrain ist immer derselbe: „Rette dich selbst“. In diesen drei einfachen Worten findet sich eines jener Dogmen, die dem Leben eines jeden von uns zutiefst zugrunde liegen. Diese Lehre haben wir uns seit unserer Kindheit angeeignet. Sie enthält eine Regel des Lebens, ein Maß, mit dem alles beurteilt wird, sie ist das entscheidende Kriterium dafür, dass wir etwas annehmen oder ablehnen.
Dennoch wird dieses Dogma am Kreuz überwunden. Die Liebe hat diese tiefe Überzeugung, die das Leben der Menschen leitet, umgestoßen. Alle retten sich selbst in dieser Welt. Der Einzige, der sich nicht selbst gerettet hat, war Jesus. In diesem Sinn erreicht seine königliche Macht gerade am Kreuz ihren Höhepunkt und wir können sogleich ihre Wirkung erkennen. Jesus, der König, gibt sich dieser letzten Versuchung, sich selbst zu retten, nicht hin, sondern rettet einen der beiden Räuber, nur weil dieser erahnt hat, bis wohin ihn die Liebe geführt hatte. Das Christkönigsfest ist das Fest dieser Liebe, einer Liebe, die sich selbst ganz hingegeben hat für die Menschen. Auf ihr liegt unsere ganze Hoffnung, unser Heute und Morgen begründet.


21/11/2010
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