Aachen 2003

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Dienstag, 9. September 2003 - Katschhof
Schlusszeremonie

  
  

Heinrich Mussinghoff
Katholischer Bischof von Aachen, Deutschland
  

Liebe Schwestern und Brüder!

Sie alle, die den Frieden lieben!

Verehrte Persönlichkeiten und hohe Autoritäten

der christlichen Kirchen und Gemeinschaften und

der großen Weltreligionen!

Werte Gäste aus Religion, Politik und Kultur!

Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens!

Die Tage des Friedenstreffens von Aachen gehen zu Ende. Beglückt von vielen Gesprächen und Erfahrungen, bewegt von Gesten und Worten der Verständigung und Freundschaft beschließen wir unsere Begegnung. Wir haben um den Frieden gebetet im Dom, in Synagoge und Moschee, in anderen Räumen. Wir haben im Sternmarsch hier zum Katschhof den Pilgerweg des Friedens sichtbar gemacht. Nun gilt: "Light a candle, say a prayer" – "Zünde eine Kerze an, sprich ein Gebet". Verpflichte dich selbst auf das Gebet des heiligen Franziskus von Assisi: "Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens ...".

Wir sehen die Taube mit dem Ölzweig des Friedens, die Noah einst aus der Arche entließ und die in diesen Tagen bei uns hier in Aachen Rast gemacht hat. Wir sehen sie über dem farbigen Regenbogen, der Gottes Frieden anzeigt. Wir sagen: Fliege Taube und bringe die Botschaft des Friedens in die Familien, in zerstrittene Gruppen, unter kämpfende Parteien, in verfeindete Völker. Wir sollen und wollen die Taube des Friedens sein und den Geist von Assisi, der unsere Friedenstreffen Jahr für Jahr inspiriert, in unsere Lebenswelten hineintragen. Mit dem 34. Psalm, den schon Benedikt von Nursia im Prolog seiner Mönchsregel zitiert, spreche ich Ihnen zu : "Meide das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach" (Ps 34, 15). Wir wissen: Der wahre Friede, als Gabe und Aufgabe Gottes zugleich, kann nur in einem aktiven Prozess wachsen, belebt vom wachen Geist für Gerechtigkeit und Liebe. Unsere Sehnsucht nach Frieden, unsere Leidenschaft für Freiheit und Gerechtigkeit, unsere Liebe zu den Armen und Benachteiligten

unserer Erde treiben uns an: Suche den Frieden und jage ihm nach.

Wir haben Menschen unter uns, die diese Friedensbotschaft gelebt und für sie gelitten haben:

- Abuna Paulos, der Patriarch der orthodoxen Kirche von Äthiopien, der 20 Jahre im Gefängnis eines totalitären Regimes gelitten hat;

- Schwester Emmanuelle, die den Müllmenschen in Cairo eine Mutter war;

- Bischof Jorge Enrique Jiménez Carvajal, der in die Hände der kolumbianischen Guerilla geriet und wieder frei ist;

- Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, dessen unmittelbare Verwandte im Holocaust ermordet wurden;

- Sister Helen Prejean, die mutig gegen die Todesstrafe auf der Welt kämpft, weil sie weiß, was Verurteilte leiden;

- Erzbischof Jaime Pedro Gonçalves, der so viel für den Frieden in Moçambique getan hat:

- viele Muslime und Menschen aus den asiatischen Religionen, die für den Frieden gelitten haben.

Diese Liste ließe sich leicht fortsetzen.

Wir wollen der Toten gedenken, die Opfer geworden sind, weil sie eine Friedensmission ausübten,

die Opfer geworden sind wegen ihres Glaubens, ihrer Religion, ihrer Überzeugung,

Opfer von Terror, Gewalt und Krieg,

Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer,

alte Menschen.

Wir gedenken der Straßenkinder und Kinder-Soldaten,

der vergewaltigten und zur Prostitution gezwungenen Mädchen und Frauen,

der Aids-Kranken und an Hunger sterbenden Menschen,

derer, die vor Angst und Schmerz vergehen,

die nur schlechtes Wasser zu trinken haben und von Seuchen dahingerafft werden,

der Opfer ausbeuterischer Wirtschaft und Politik.

Andrea Riccardi hat in seinem Buch "Salz der Erde – Licht der Welt" das Martyrium so vieler Menschen aus dem 20. Jahrhundert erschütternd dargestellt und festhalten – ihrer gedenken wir.

Wir gedenken der zahllosen Opfer der Kriege und des Terrorismus im Irak, im Nahen Osten und in Israel, in Kolumbien und Tschetschenien,

in Afghanistan und Sudan, in Liberia und Elfenbeinküste, im Kongo, in Ruanda und Burundi, der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington.

Wir wissen, Kriege brechen nicht aus, Kriege werden gemacht. Wir brauchen Menschen, verpflichtet dem Prinzip der Verantwortung,

der Einhaltung der Menschenrechte, einer Ethik des Friedens.

"Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen" sagte der Oberrabbiner von Israel, Abraham Kook. Deshalb gilt es heute Abend: "Light a candle, say a prayer".

Ich danke heute Abend Andrea Riccardi und der Comunità di Sant’Egidio und allen, die bei der Vorbereitung und Durchführung geholfen haben, für die Ermutigung in dem diesjährigen Friedenstreffen.

Ich danke Papst Johannes Paul II. für seine Friedensbotschaft und für sein beständiges Interesse an diesem jährlichen Friedensgebet;

er ist der eigentliche Inspirator und Promotor dieser Begegnungen. Ich bitte Sie, Eminenz Etchegaray, dem Heiligen Vater unseren Dank auszusprechen.

Ich danke allen aus allen Religionen, die wichtige Beiträge, Botschaften und Vermittlungen in diesem Friedenstreffen gesprochen und geleistet haben.

Ich freue mich sehr über so manche Initiative,

so manche Verständigung, so manche Freundschaft, die hier in Aachen neu ihren Ausgang nehmen.

Sie alle, die Repräsentanten der verschiedenen Weltreligionen und Kulturen dieser Erde waren und sind uns liebe Gäste und Botschafter des Friedens in ihren Bereichen.

Ich danke den vielen Unterstützern, Spendern und Helfern dieser Tagung.

Ich danke vor allem Ihnen, die Sie die verschiedenen Foren besucht und an den Veranstaltungen aktiv teilgenommen haben.

Ich bin stolz auf Sie, die gastfreundlichen Aachenerinnen und Aachener in Stadt und Bistum, den hilfreichen Nachbarn und den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie sind bewegte und bewegende Menschen, die etwas in Bewegung bringen: den Frieden "Meide das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach" (Ps 34,15). Ich wünsche uns allen diese Sehnsucht nach Frieden, diese Leidenschaft für Freiheit und Gerechtigkeit, diese Compassion mit den Armen und Entrechteten.

Mit Ihnen spreche ich das Gebet des heiligen Franz von Assisi:

"Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben."

(Gotteslob 29, 6)

Lord, make us instruments of your peace.

Signore, fa di me un strumento della tua pace.

And now we will do it: Light a candle, say a prayer.

Good bye.

Salaam, MHR, peace, Friede, pace, vrede, paix.

 

 

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