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Appell von Sant'Egidio in Malawi, nachdem vier alte Menschen mit dem Vorwurf der Hexerei gelyncht wurden

1 Februar 2016 - MALAWI

ÄLTEREMalawi

"Eine Gesellschaft, die alte Menschen tötet, diskriminiert und isoliert, hat keine Zukunft"

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Am 26. Januar wurden in Neno in Malawi vier alte Menschen unter dem Vorwurf der Hexerei getötet. Das stand in Zusammenhang mit dem Tod eines 17jährigen Mädchens, die von einem Blitz getroffen wurde. Ähnliche Episoden treten leider in Malawi und anderen afrikanischen Ländern immer häufiger auf. Die alten Menschen werden oft der Hexerei angeklagt und dadurch zu Opfern von Gewalt und Lynchjustiz.

Die Gemeinschaft Sant'Egidio in Malawi hat sich gegen diese tragischen Ereignisse positioniert und einen Appell veröffentlicht, in dem die Gewalt verurteilt wird, unter der alte Menschen häufig zu leiden haben, sowie die Institutionen und die gesamte Zivilgesellschaft aufgerufen, sie zu schützen und sich für ein Zusammenleben einzusetzen, das offen ist für alle bedürftigen Menschen.
"Eine Gesellschaft, die alte Menschen tötet, diskriminiert und isoliert, hat keine Zukunft", heißt es im Appell.

Die Gemeinschaft Sant'Egidio ist in allen Distrikten des Landes tätig und setzt sich für alte Menschen ein, indem sie Betreuung anbietet und eine Freundschaft zu ihnen aufbaut, die ihnen Unterstützung anbietet und die Begegnung mit der jungen Generation fördert. 2010 hat die Gemeinschaft in Lilongwe die erste Internationale Tagung über das Leben der alten Menschen in Afrika mit dem Titel "Ageing in Africa: Sensitizing the Nations" organisiert. Dabei wurde deutlich, dass ein inklusives Gesellschaftsmodell entwickelt werden muss, das das Leben der alten Menschen schützt und ihre häufig auftretende Isolation und Ausgrenzung bekämpft.

 

Der Appell der Gemeinschaft Sant'Egidio in Malawi
 

Die Gemeinschaft Sant'Egidio verurteilt entschieden die grausame Ermordung von vier alten Menschen in Neno, denen der Vorwurf der Hexerei gemacht wurde. Den alten Menschen wurde vorgeworfen, den Tod eines 17jährigen Mädchens verursacht zu haben, das von einem Blitz getroffen wurde. Ein solches barbarisches Verhalten weist auf ein mangelndes Bewusstsein in unserer Gesellschaft hin und ist ein deutliches Zeichen, dass der Respekt vor dem menschlichen Leben fehlt.
Wir rufen dazu auf, das Gesetz umzusetzen und der Gerechtigkeit zum Recht zu verhelfen, und fordern alle Malawier auf, ihren Umgang mit bedürftigen Personen zu überdenken. Wir sind entsetzt über die Ermordung dieser alten Menschen und sind davon überzeugt, dass etwas getan werden muss, um die Generation der alten Menschen zu schützen. Papst Franziskus hat bei seinem Besuch der Gemeinschaft Sant'Egidio 2014 gesagt: "Die Behandlung der alten Menschen und auch der Kinder ist ein Indikator, um die Qualität einer Gesellschaft zu erkennen."
Alte Menschen sind wirklich eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und überliefern die Weisheit, um die Zukunft zu gestalten. Wenn eine Gesellschaft daher die ältere Bevölkerung tötet, diskriminiert, isoliert und misshandelt, verliert sie ihre Zukunft und stirbt, indem sie durch das Verschwinden ihrer Geschichte zugrunde geht.
Wir appellieren an die Familienoberhäupter ("Enimumba"), die Dorfältesten, die Kirchenführer, die Oberhäupter der Zivilgesellschaft, die Vertreter von öffentlichen und privaten Einrichtungen, die Politiker und alle Malawier guten Willens, dass sie sich für den Schutz der alten Menschen einsetzen und solche Zwischenfälle verhindern. Es reicht nicht aus, solches barbarische Verhalten zu verdammen, wir müssen eine Kultur des Schutzes gegenüber den alten Menschen und allen schwächeren Gliedern unserer Gesellschaft aufbauen. Das ist unser Appell, um einen Weg für ein zivilisiertes Leben zu gehen.
Schließen fordern wir alle Bürger auf, die Lynchjustiz zu bekämpfen und die eigene Stimme für den Schutz der alten Menschen zu erheben, um das Blutvergießen von Unschuldigen zu verhindern. Wir stellen uns alle auf die Seite der Gerechtigkeit und gegen jede Form von Lynchjustiz. Vor allem müssen wir uns bewusst sein, dass es keine Gerechtigkeit ohne Leben gibt.